"Sie hielten uns wie Hunde"

In Bus gesperrt: Aborigines verklagen Fluglinie

Sydney. Eine Gruppe von acht Aborigines verklagt die australische Fluglinie Qantas, nachdem sie in Sydney aus dem Flugzeug verwiesen und eineinhalb Stunden in einem Bus eingesperrt worden waren. Einer von ihnen verpasste deshalb die Geburt seines Enkelkindes.

Die Männer waren auf dem Rückweg von einem Führungskräftetraining zu ihrem Heimatort nördlich von Sydney. Der Vorfall ereignete sich auf ihrem Zwischenstopp in Sydney, als sie einen weiteren Flug besteigen wollten. Obwohl das Ereignis bereits drei Jahre zurück liegt, erhoben die Männer erst jetzt Anklage.

Einer der Betroffenen, Michael Edwards, sagte dem australischen Fernsehsender ABC, dass er den Vorfall nicht aus seinem Kopf kriegen könne. „Ich denke, wir wurden von Qantas diskriminiert, da nur acht Aborigines im Flugzeug waren“, sagte er.

Nach Michael Edwards Aussagen hörten die Männer Musik und hatten Kopfhörer auf, als Sicherheitspersonal ins Flugzeug kam und die acht Männer hinausbegleitete. Auf dem Rollfeld mussten sie in einem Bus warten und Craig Edwards, der ebenfalls zu der Gruppe Männer gehörte, sagte, dass sie in den ein bis zwei Stunden nicht einmal zur Toilette gehen durften. „Sie hielten uns wie Hunde in einem Bus", sagte er.

Später habe sie dann die Polizei abgeholt und in die Wartehalle begleitet, wo man ihnen mitteilte, dass sie erst am folgenden Morgen fliegen könnten, zu zweit und im Abstand von zwei Stunden. Michael Edwards sagte der ABC, dass er sich gedemütigt fühlte. „Die Leute schauten uns an, kicherten… Ich fühlte mich wie ein Verbrecher, so als hätte ich irgendetwas ganz Schlimmes getan und das, obwohl wir nichts Falsches gemacht hatten.“

Am Ende entschieden sich die Männer, ein Auto zu mieten und nachts noch die rund 345 Kilometer bis nach Kempsey zu fahren. Craig Edwards verpasste durch die verspätete Ankunft sogar die Geburt seines ersten Enkelkindes.

Qantas rechtfertigt das Verhalten seiner Mitarbeiter dagegen. In einer Erklärung gab die Fluggesellschaft bekannt, dass sie null Toleranz gegenüber Benehmen habe, das die Sicherheit eines anderen im Flugzeug kompromittieren könne. Und die Flugbegleiterin des Fluges, Kelly Kalimnios, sagte in einer eidesstattlichen Erklärung, dass die Männer sich rowdyhaft und lautstark benommen hätten.

Einer hätte sie als „weißes Gesindel“ bezeichnet und die Männer hätten ihre Bitten ignoriert, sich zu beruhigen. Daraufhin habe sie den Flugkapitän informiert und ihm gesagt, dass sie sich unbehaglich und bedroht fühle. Sie habe gefordert, dass entweder die Männer das Flugzeug verlassen müssten oder sie würde selbst gehen.

Die Aborigines widersprechen dieser Version, und sie haben einen bekannten Unterstützer auf ihrer Seite, denn der unabhängige Parlamentsabgeordnete Rob Oakeshott, der ebenfalls im gleichen Flugzeug war, sagt: "Von all dem, was ich gesehen habe, haben sie sich nicht anders benommen als jemand, der ein wenig aufgeregt ist, weil er in einem Flugzeug fliegt.” Er habe die Reaktion für überzogen gehalten und vermute, dass es anderen Reisenden auch so gehe.

Die Gerichtsverhandlung ist für August anberaumt und wird in Australien von den rund 500.000 Ureinwohnern mit großem Interesse verfolgt werden. (ce)

Rubriklistenbild: © dpa

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