Gespür fürs Besondere

Zeitlose Eleganz, modischer Schick, verspielte Details. Schmuckdesign aus der Region kennt viele Facetten. Wir stellen zwei Gestalter vor, die eines gemeinsam haben: die Leidenschaft fürs Schöne.

Die Ringschiene ist sanft geschwungen, umschmiegt den großen, ovalen Stein: Keine Frage, „Cabouchon“ ist die femininste Schmuckkollektion, die Bernd Köhler je entworfen hat. Sind es sonst eher geometrisch beeinflusste, geradlinige Stücke, für die der Melsunger Juwelier bekannt ist, stehen diesmal weiche, fließende Formen im Mittelpunkt. Drei Kollektionen hat Köhler in diesem Jahr designt. Es sind Kleinserien für alle, die das Besondere lieben. Denn hinter jedem Schmuckstück steht eine spannende Entstehungsgeschichte.

Jedes Schmuckstück ist Teamarbeit: Verkaufsleiterin Cornelia Jakob (von links), Juwelier Bernd Köhler und Goldschmiedemeister Gerhard Schwitzki sprechen die Entwürfe durch.

Seine Ideen hält Bernd Köhler in Bleistiftskizzen fest, anschließend stellt er sie seinen Mitarbeitern vor. „Manches stößt auf Kritik und wird sofort wieder verworfen“, sagt der Juwelier. Anderes gefällt und wird weiterentwickelt. Doch in jedem Fall legt Köhler großen Wert auf weitere Meinungen. So fanden die Kolleginnen die ersten Skizzen zu „Cabouchon“ – benannt nach dem gewölbten Schliff des Steines – zu eckig. „Es war an der Zeit, sich auch mal an weichere Formen zu wagen“, sagt Verkaufsleiterin Cornelia Jakob. Mehrmals wurde der Entwurf überarbeitet, bevor Goldschmiedemeister Gerhard Schwitzki den Prototypen des Cabouchon-Rings anfertigte: ein massives Schmuckstück aus mattem Sterling-Silber, bei dem der große, ovale Stein im Mittelpunkt steht. „Die Entscheidung, welchen Stein wir verwenden, ist sehr von der aktuellen Mode abhängig“, erklärt Bernd Köhler. Bei Cabouchon entschied sich der Juwelier für Mondsteine in drei Farbvarianten. Elegant in Grau, zeitlos in Weiß, modisch und auffällig in Orange. Besonderes Detail eines jeden Rings ist ein kleiner, farblich abgestimmter Brillant, der geheimnisvoll glitzert. Und noch etwas macht den Cabouchon-Ring einzigartig: Den Abschluss der Fassung bildet ein feiner Goldrand. Dieser wird, nachdem der Ring in einem Stück gegossen wurde, aufgelötet. Ein dezentes Element mit großer Wirkung.

Ganz schön heiß: Mit einem Gasbrenner erhitzt Susanne Bornmann das Glas auf 1200 Grad. Anschließend kann sie es zu einer Perle formen.

Die Entstehung eines jeden Schmuckstücks wird im Hause Köhler übrigens sorgfältig dokumentiert. Auf einer Art „Geburtsschein“ werden Material, Gewicht und Besonderheiten vermerkt. Jeder Arbeitsschritt wird festgehalten. „Geht ein Ring oder Anhänger verloren, können wir ihn so für den Kunden noch einmal exakt nachfertigen“, erklärt Bernd Köhler. Natürlich umfasst die Cabouchon-Kollektion auch den passenden Anhänger. Dessen geschwungene, anschmiegsame Form bringt Mondstein und Brillant perfekt zur Geltung. Wer es elegant mag, wählt dazu eine feine Kette aus Silber. Wer starke Kontraste bevorzugt, kann den Anhänger mit einem schwarzen Kautschukband kombinieren. Je nach Anlass oder Stimmung.  „Jeden Tag denselben Schmuck zu tragen, das wäre undenkbar“, sagt auch Susanne Bornmann. Die Schmuckgestalterin aus Habichtswald liebt die Vielfalt, und das sieht man ihren Ringen und Ketten an. Denn neben schlichtem Silberschmuck hat sich Bornmann auf die Herstellung von Glasperlen spezialisiert. Als verspieltes Detail machen die jedes Schmuckstück zum Blickfang.

In Susanne Bornmanns Atelier lagern Hunderte farbige Glasstäbe. Feuerrot, eisblau, grasgrün. Sie sind das Grundmaterial für ihren Schmuck. Um eine einzelne Perle anzufertigen, wird es im wahrsten Sinne des Wortes heiß im Raum. Mithilfe eines Gasbrenners erhitzt die Gestalterin das Glas auf 1200 Grad. „Erst bei dieser Temperatur schmilzt das Material“, erklärt sie. Um sich nicht zu verbrennen, muss sie sich konzentrieren.

Das weiche Glas trägt die studierte Produktdesignerin dann auf einen Metallstab auf. Umwickelt ihn Schicht für Schicht, bis eine Perle entsteht. Mal belässt es Bornmann bei einem einfarbigen Stück, mal verziert sie es mit Punkten oder kleinen Stacheln in einem weiteren Farbton. Auch mit einem sogenannten Paddel, einem abgeflachten Werkzeug, kann sie die Form verändern. Das sei das Reizvolle an diesem Material: Man könne es nach den eigenen Vorstellungen verformen.

Ganz und gar gegensätzlich wirkt der schlichte Silberschmuck, den Susanne Bornmann ebenfalls anfertigt. In die Oberfläche prägt sie mit einer Walze Muster ein. Andere Stücke bearbeitet sie mit einer Punze, einem Werkzeug zur Metallbearbeitung. Mit ihr schlägt sie zum Beispiel Sinnsprüche ins Material. So ist auf einem breiten Ring zu lesen: „Der Kopf sucht, wo das Herz findet.“

Seit zehn Jahren gehört Susanne Bornmann zum Team der Ladengalerie Prisma, die sich am Kasseler Bebelplatz befindet. Dass dort neben ihr auch die Schmuckgestalterinnen Christine Zierl und Ilona Mende ihre Stücke verkaufen, sieht Bornmann positiv. Jede der drei Frauen habe ihren eigenen Stil, ebenso wie jeder Kunde seinen eigenen Geschmack hat. Wichtig sei, dass jeder das perfekte Schmuckstück für sich findet.

Text: Pamela De Filippo, Fotos: Andreas Fischer

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