Mediziner

Gestorbene Corona-Patienten alle mit Vorerkrankungen

Eine Zelle (grün) mit dem Coronavirus (SARS-CoV-2, gelb) infiziert. Angesichts von Wissenslücken über die neue Erkrankung sind Obduktionen für Ärzte sehr wichtig. Foto: Niaid/Europa Press/dpa
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Eine Zelle (grün) mit dem Coronavirus (SARS-CoV-2, gelb) infiziert. Angesichts von Wissenslücken über die neue Erkrankung sind Obduktionen für Ärzte sehr wichtig. Foto: Niaid/Europa Press/dpa

Mit seinem Team obduziert der Rechtsmediziner Klaus Püschel seit Beginn der Corona-Pandemie die Toten in Hamburg. Und er stellt fest: Bisher ist keiner ohne Vorerkrankungen an dem Virus gestorben. Es gebe aber unterschiedliche Fälle.

Hamburg (dpa) - In der Hansestadt Hamburg ist seit Beginn der Pandemie noch niemand ohne Vorerkrankungen an dem neuen Coronavirus gestorben.

Das hat der Hamburger Rechtsmediziner Klaus Püschel betont, der mit seinem Team die gestorbenen Corona-Patienten untersucht. Die Zahl der Menschen, die in Hamburg an der Lungenerkrankung gestorben sind, hat sich nach den von der Gesundheitsbehörde veröffentlichten Angaben um 11 auf 95 erhöht. Die Behörde beruft sich dabei auf Angaben des Instituts für Rechtsmedizin.

Rechtsmediziner Püschel sagte der Deutschen Presse-Agentur, ganz schwarz oder weiß gebe es nicht. Zwar hätten alle von ihm Untersuchten den Virus in sich getragen, doch gebe es unterschiedliche Stufen.

Es gebe Fälle, in denen Menschen, die schon lange andere Krankheiten hätten, das Virus bekämen und nun etwa einen Herzinfarkt hätten, der sie töte. "Und dann sind sie nicht am Virus gestorben, weil sie noch nicht mal eine Lungenentzündung oder einen Atemwegsinfekt haben, sondern nur Virusträger sind. Und das ist die eine Fallgruppe, wo wir sagen, die sind nicht an dem Virus gestorben sondern mit dem Virus", sagte Püschel der dpa.

In den meisten Fällen, bei denen Menschen starben und das Virus in sich trugen, sei es so, dass die Rechtsmediziner zu der Meinung kämen, dass das Virus kausal verantwortlich sei - aber in unterschiedlichem Ausmaß. Da liege zum Beispiel jemand Schwerkrankes etwa nach einer Krebs- oder Herzoperation auf der Intensivstation, bekomme noch eine Virusinfektion, und habe dadurch eine leichte zusätzliche Atemstörung. Dann sterbe er, weil das Virus "geringfügig" dazu beigetragen habe. "Eigentlich ist es die Grundkrankheit, aber ein bisschen Virus ist auch dabei."

Dann gebe es Fälle, da hätten die Betroffenen etwa eine Herzleistungs- oder eine Nierenschwäche, seien aber nicht im Krankenhaus sondern zu Hause, gingen auch noch einkaufen. Aber man wisse, dass es ihnen schlecht gehe. "Wenn die nun eine Virusinfektion bekommen, da sagt man, die hätten jetzt auch einen Herzinfarkt bekommen können, jetzt haben sie eben eine Virusinfektion, dann trägt das Virus schon relevant zum tödlichen Ablauf bei. Aber eigentlich hatten die ganz viele Krankheiten, die hätten auch zum Tode führen können."

Nach seiner Einschätzung wird sich die Zahl der Todesfälle in Hamburg in dieser Woche vorübergehend erhöhen und dann wieder runter gehen. Die Hochphase der neuen Infektionen und der Krankenhausbehandlung sei vor etwa zwei, drei Wochen gewesen. Viele der Erkrankten seien im Krankenhaus oder im Altenheim und davon würden einige sterben. Der Gipfel bei der Zahl der Toten komme später als der Gipfel der Neuinfektionen und der Gipfel der Krankenhausbehandlungen.

Zuvor hatte NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung" über einen Bericht Püschels aufgrund älterer Zahlen berichtet, dass Obduktionen bei 65 gestorbenen Corona-Patienten ergeben hätten, 61 von ihnen seien an, die übrigen 4 mit dem neuartigen Coronavirus gestorben seien. Alle hätten Vorerkrankungen gehabt. Demnach litten die Verstorbenen vor allem an Bluthochdruck, Herzinfarkten, Arteriosklerose oder Herzschwäche. In 46 Fällen hätten zudem Vorerkrankungen der Lunge vorgelegen, 28 hätten andere Organschäden oder transplantierte Organe gehabt.

Das Robert Koch-Institut (RKI) hatte anfangs empfohlen, wegen der Ansteckungsgefahr eine innere Leichenschau und andere Maßnahmen, bei denen winzige Tröpfchen produziert werden, zu vermeiden. RKI-Präsident Lothar Wieler hatte dann aber schon Anfang April betont, dass angesichts von Wissenslücken über die neue Erkrankung Obduktionen sehr wichtig seien.

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