Afghane wurde mehrfach getroffen

Getöteter Randalierer in Fulda: Polizist schoss zwölf Mal

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Fulda. Nach den tödlichen Schüssen auf einen Flüchtling, der in Fulda Polizisten und einen Bäckerei-Angestellten angegriffen hatte, hat die Obduktion ergeben: Ein Beamter feuerte zwölf Kugeln ab.

Der bei einem Polizei-Einsatz in Fulda wegen eines Angriffs auf Beamte erschossene Flüchtling ist von vier Kugeln aus einer Dienstwaffe getroffen worden. Zwei Schüsse davon waren laut Obduktion tödlich, sie gingen in den Bauch- und Brustbereich, wie der Fuldaer Staatsanwalt Harry Wilke am Montag auf Anfrage sagte. Durch die Schüsse wurden innere Organe verletzt. Der 19-jährige Afghane verblutete.

Von den vier Kugeln gingen drei in den Thorax und eine in den rechten Oberschenkel, wie Wilke schilderte. Insgesamt seien zwölf Schüsse aus der Pistole eines Polizisten abgefeuert worden. Ein Magazin hat 15 Kugeln. Wie viele davon Warnschüsse waren, sei unklar. Der Polizist schweige bisher zum Tathergang. Gegen ihn werde ermittelt wegen eines Tötungsdelikts. Das Hessische Landeskriminalamt (LKA) überprüft den Sachverhalt.

Angriff mit Steinen und Schlagstock

Der 19-Jährige hatte nach Polizei-Angaben am Freitagmorgen vor der Öffnung einer Bäckerei mit Steinwürfen gegen die Scheibe randaliert und einen Lieferfahrer schwer am Kopf verletzt. Danach griff er auch die alarmierten Polizisten an und verletzte einen Beamten schwer am Arm. Der Beamte eines zweiten Streifenwagens erschoss den Angreifer. Ob es in Notwehr geschah, müssen die Ermittlungen ergeben.

LKA-Sprecher Christoph Schulte sagte zur Vielzahl der Schüsse: Es sei für eingesetzte Beamte in solch einem Fall nicht immer möglich, nur Arme oder Beine zu treffen. "Denn der Angreifer bewegt sich ja auch." Die Beamten stünden auch unter enormem Stress in einer "hochdynamischen Situation". Generell gelte: Die Beamten lernten, so lange zu schießen, bis die Gefahr gebannt sei.

Nach neuesten Erkenntnissen gab es zwischen einem der Polizisten, die als erstes am Tatort waren, und dem Randalierer ein Handgemenge. Dabei sei es dem jungen Mann gelungen, den Einsatzkräften einen Schlagstock zu entwenden. Ob er zuvor schon einen eigenen Schlagstock bei sich trug, muss noch ermittelt werden, wie Wilke sagte. Bei der Leiche wurde den Angaben zufolge nur ein Schlagstock gefunden.

Kritik am Polizei-Einsatz

Nach den Schüssen im Fuldaer Gewerbegebiet Münsterfeld wurde Kritik am Polizei-Einsatz laut. Am Sonntag beteiligten sich 70 Menschen friedlich an einem Protestzug vom Münsterfeld in die Innenstadt. Die Demonstranten, überwiegend Flüchtlinge, forderten Gerechtigkeit und, die Polizisten zu bestrafen. Der Vorsitzende des Ausländerbeirates Fulda, Abdulkerim Demir, befand, dass der Polizei-Einsatz unangemessen eskaliert sei.

Die Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte Hessen forderte, den Fall lückenlos aufzuklären. Der Vorsitzende Enis Gülegen sagte: "Nach den uns vorliegenden Schilderungen aus Fulda und den Medienberichten gibt es möglicherweise Widersprüche, die umfänglich geklärt werden müssen. Dabei sei vor allem die Verhältnismäßigkeit des Schusswaffengebrauchs zu prüfen."

LKA-Sprecher Schulte rief dazu auf, "Spekulationen zu unterlassen". "Ehe vorschnelle Schlüsse gezogen werden, sollten die Ergebnisse der Ermittlungen abgewartet werden. Aber die werden Zeit brauchen."

Die Scheibe der Bäckerei in Fulda, vor der der Mann randaliert hatte, ist im Eingangsbereich großflächig beschädigt.

Erschossener Afghane war Behörden bekannt

Der erschossene Afghane war den Behörden bekannt. Gegen ihn wurde unter anderem wegen Körperverletzung ermittelt. Laut der Staatsanwaltschaft Fulda soll er Mitbewohner des Flüchtlingsheims geschlagen haben. Er habe auch Bewohner mit einem Messer und dem Tode bedroht.

Der Fuldaer Landrat Bernd Woide (CDU) sagte am Montag über den Protestzug: "Dass bei der Demonstration überdies das Geschehen so gedeutet worden ist, als habe die Polizei einen Mann erschossen, der eigentlich nur zwei Brötchen habe kaufen wollen, ist schier unfassbar. Und es zeigt leider auch, dass viele nicht verstehen, welche Regeln und Gesetze bei uns greifen. Fakt ist, die Aggression ging von dem getöteten Flüchtling aus."

Woide befand auch: "Für die Trauer um den jungen Mann muss man nicht die Flagge Afghanistans bei sich tragen, die in diesem Zusammenhang geradezu signalisiert, sein Tod habe etwas mit seiner Nationalität zu tun. Was für ein unglaublicher und unsinniger Vorwurf." Woide mahnte, die Tragödie nicht zur politischen Stimmungsmache zu missbrauchen: "Es ist unerträglich, wie kaltschnäuzig und unbarmherzig diese menschliche Tragödie für Hetze genutzt wird." (lhe)

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