Giftgasanschlag auf Papstkritiker in Madrid verhindert

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Die spanische Polizei hat vor dem Besuch des Papstes in Madrid offenbar einen Giftgasanschlag vereitelt.

Madrid - Vor dem Besuch von Papst Benedikt XVI. beim Weltjugendtag in Madrid hat die spanische Polizei offenbar einen Giftgasanschlag auf die Teilnehmer einer Gegenkundgebung vereitelt.

Am Dienstag sei ein Chemiestudent festgenommen worden, der einen Angriff auf die Demonstration von Kritikern des Weltjugendtags und des Papstbesuchs geplant habe, sagte eine Polizeisprecherin am Mittwoch.

Der mexikanische Austauschstudent habe vorgehabt, am (heutigen) Mittwochabend die Demonstranten mit Giftgas und anderen Chemikalien anzugreifen. Bislang sei unklar, ob sich der 24-Jährige bereits Chemikalien beschafft hatte und ob er zu dem Anschlag tatsächlich in der Lage gewesen wäre, sagte die Sprecherin.

Nach Gerichtsangaben suchte der Mann im Internet nach Unterstützern und drohte Gegnern des Papstbesuchs. Die Polizei habe seine Online-Aktivitäten bereits längere Zeit beobachtet und sich vor der Ankunft des katholischen Kirchenoberhauptes für den Zugriff entschieden.

Der 24-Jährige habe als freiwilliger Helfer für das Organisationskomitee des Weltjugendtags gearbeitet, sagte die Polizeisprecherin. Er sei am Dienstag in einer Veranstaltungshalle festgenommen worden, in der die zahlreichen Pilger ihre Akkreditierungen abholen sollten.

Beim Weltjugendtag, der noch bis zum kommenden Sonntag dauert, werden über eine Million Besucher erwartet. Während der Veranstaltung sind in der spanischen Hauptstadt 10.000 Polizisten im Einsatz.

In der Wohnung des Studenten stellte die Polizei eine externe Festplatte, einen PC und zwei Notebooks sicher. Der Mann habe an dem staatlichen Obersten Rat für wissenschaftliche Forschung CSIC studiert und sich dort auf organische Chemie spezialisiert. Auf den Computern seien chemische Gleichungen entdeckt worden, die nichts mit seinem Studium zu tun hätten, teilte die Polizei mit.

Nach Angaben der mexikanischen Botschaft stammt der Verdächtige aus dem Staat Puebla in der Nähe der Hauptstadt Mexiko-Stadt. Die Autonome Universität von Puebla bestätigte, dass ein Mann gleichen Namens 2009 ein Grundstudium in Chemie abgeschlossen und sich für weiterführende Studien in Spanien interessiert habe. “Der Name und der akademische Hintergrund stimmen überein“, sagte der Direktor für Internationale Beziehungen der Universität, Rafael Hernandez Oropeza.

Nach der Festnahme muss der Verdächtige innerhalb von 72 Stunden einem Haftrichter vorgeführt werden. Ein Gerichtssprecher sagte, er erwarte den Haftprüfungstermin frühestens am (morgigen) Donnerstag.

Mitarbeiter des Konsulats hätten den Verdächtigen im Gefängnis besucht, sagte der Sprecher der mexikanischen Botschaft, Bernardo Graue. Er habe einen entspannten Eindruck gemacht und sei in guter gesundheitlicher Verfassung.

Zum katholischen Weltjugendtag wird am Donnerstag auch Papst Benedikt XVI. zu einem viertägigen Besuch erwartet. Die Demonstration gegen den Weltjugendtag und den Papstbesuch sollte am Mittwoch stattfinden und richtete sich gegen die Steuervergünstigungen für Sponsoren des Treffens und Vergünstigungen für die Teilnehmer. Die Kosten von etwa 50 Millionen Euro seien damit durch den Steuerzahler subventioniert.

dapd

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