Gleichaltrige sind wichtig - Tipps für Einzelkinder-Eltern

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Einzelkinder genießen oft die volle Aufmerksamkeit der Eltern - das kann Vor- und Nachteile haben. Foto: Silvia Marks

Mit Geschwistern rauft man sich, man lernt sich durchzusetzen - aber auch, zu teilen oder einfach mal die eigenen Bedürfnisse zurückzustellen. Eltern eines Einzelkindes sollten deshalb darauf achten, dass das Kind all das trotzdem lernt.

Fürth (dpa/tmn) - Obwohl es inzwischen völlig normal ist, ein Einzelkind zu sein, gibt es noch immer etliche Klischees: Einzelkinder sind verwöhnt und können nicht teilen, heißt es dann beispielsweise. Aber natürlich sind auch Einzelkinder alle unterschiedlich. Trotzdem gibt es Dinge, die Einzelkinder-Eltern beachten sollten:

Raus aus dem Fokus: Einzelkinder bekommen oft die volle Aufmerksamkeit der Eltern. Das hat natürlich Vorteile - es führt aber auch dazu, dass das Kind es als normal empfindet, von Mutter und Vater besonders intensiv beachtet zu werden, sagt Dana Urban von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke). Eltern sollten darauf achten, dass das Kind nicht ständig im Fokus steht. "Geschwisterkinder kennen es, öfter mal warten zu müssen oder dass die Eltern nicht immer intensiv Zeit für sie haben", sagt Urban. Dabei lernen die Kinder beispielsweise Bedürfnisse auch mal auszuhalten. Deshalb heißt es auch für Einzelkinder-Eltern: Nicht immer gleich springen, wenn das Kind etwas möchte, sondern ruhig erst mal das beenden, womit man gerade beschäftigt ist. Dem Kind können sie dann einfach sagen, dass sie gleich für es da sein werden.

Gleichaltrige Freunde: Einzelkinder brauchen den Kontakt zu anderen Kindern. Denn das können Eltern in vielerlei Hinsicht nicht ersetzen. So erlangen Kinder im Umgang miteinander nicht nur soziale Kompetenzen, sondern Geschwistern lernen quasi ganz nebenbei, sich zu behaupten und durchzusetzen. Deshalb ist der Kontakt zu anderen Kindern besonders wichtig. Urban empfiehlt, schon früh damit anzufangen - beispielsweise in einer Krabbelgruppe oder beim Kinderschwimmen. "Das erleichtert später auch den Start in den Kindergarten", sagt sie. Außerdem sollten Eltern das Kind dabei unterstützen, sich mit Freunden zu treffen.

Teilen mit anderen: Einzelkinder können nicht so gut teilen, heißt es oft. Klar, sie haben ihr Spielzeug oder die Süßigkeitentüte ganz für sich allein. Urban empfiehlt Eltern, Vorbild zu sein. Sie sollten dem Kind vorleben, was es heißt, zu teilen. Und beispielsweise auf dem Spielplatz können Mütter und Väter ihr Kind immer wieder dazu anhalten, Spielzeug oder Kekse mit anderen zu teilen.

Kein Partner, sondern Kind: Manche Einzelkinder sind sehr auf Erwachsene konzentriert. Beispielsweise bei Alleinerziehenden komme es auch vor, dass das Kind als eine Art "Partner" zum Elternteil aufwächst. Auch hier hilft es, wenn sich Eltern zurücknehmen und viel Kontakt mit Gleichaltrigen ermöglichen. Beispielsweise Nachbarskinder oder Cousins können eine Art Geschwister-Ersatz sein, wenn sich die Kinder regelmäßig und intensiv sehen. So tun dem Kind etwa gemeinsame Ausflüge und Urlaube mit anderen Familien gut.

Jedes vierte Kind in Deutschland wächst ohne Geschwister auf. Von den 13 Millionen Minderjährigen seien im vergangenen Jahr 26 Prozent Einzelkinder gewesen, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Freitag mit. Immer noch ist die Zwei-Kind-Familie am häufigsten: Knapp die Hälfte (47 Prozent) der Kinder lebte 2014 mit einem Geschwisterkind, und 26 Prozent hatten zwei oder mehr Geschwister.

Deutliche Unterschiede gibt es zwischen Stadt und Land sowie zwischen Ost und West: In den Großstädten wachsen 30 Prozent der Kinder als Einzelkinder auf, auf dem Land sind es nur 24 Prozent. In Ostdeutschland waren im vergangenen Jahr 34 Prozent der Minderjährigen Einzelkinder, im Westen 25 Prozent.

Ein Grund für den hohen Anteil der Einzelkinder sei sicher, dass die Entscheidung zur Familiengründung immer später getroffen werde, sagt Harald Rost vom Staatsinstitut für Familienforschung der Uni Bamberg. Jenseits der 30 sinke einfach die Wahrscheinlichkeit für Frauen, schwanger zu werden. Weil in Großstädten Wohnraum knapp und teuer sei, liege dort der Einzelkind-Anteil über dem Durchschnitt. Familien mit mehr Kindern brauchten mehr Platz, den sie eher auf dem Land fänden. Außerdem sei in den größeren Familien häufig nur ein Elternteil berufstätig.

Grundlage der Zahlen sind Ergebnisse des Mikrozensus. Zu den Kindern zählen in der Statistik neben leiblichen Kindern auch Stief-, Pflege- und Adoptivkinder.

An den Zahlen hat sich seit Jahren wenig geändert. 1996 habe der Anteil der Einzelkinder bei 24 Prozent gelegen, die der Kinder mit einem Geschwisterkind bei 48 Prozent und die der mit mehreren Geschwistern bei 28 Prozent, so das Bundesamt.

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