Frauenmorde in Grone

Prozess um Bluttat in Göttingen: Schaulustige am Tatort erschwerten Arbeit der Polizei

Göttingen: Prozess um Morde in Grone - "unzähligen" Schaulustigen am Tatort
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Nach der Bluttat im Göttinger Stadtteil Grone: Die Polizei hatte den Bereich um den Tatort abgesperrt.

Göttingen: Wegen zweifachen Mordes steht Frank N. vor dem Landgericht. Nun sagten Polizisten aus. Auch das Verhalten von Schaulustigen machte den Beamten am Tatort zu schaffen.

  • Im September 2019 wurden in Göttingen zwei Frauen ermordet
  • Gegen den Frank N. wurde Anklage erhoben - Der Prozess begann bereits im März 2020
  • Nun sagten mehrere Polizisten als Zeugen aus

Göttingen - Im Prozess um den zweifachen Frauenmord im Göttinger Stadtteil Grone haben am Montag (27.04.2020) vor dem Landgericht Göttingen mehrere Polizisten als Zeugen ausgesagt, die damals als Erste am Tatort eingetroffen waren.

Für die Beamten war es ein hochgradig hektischer und stressiger Einsatz: Am Tatort befanden sich nach ihren Angaben geschätzt an die hundert Menschen, die wild gestikulierten und aufgeregt auf die Polizisten einredeten. „Es war ein ziemliches Chaos“, berichtete einer der Beamten.

Göttingen: Prozess um Frauenmorde in Grone - Unübersichtliche Lage

Was den Polizisten zu schaffen machte, war aber nicht nur die unübersichtliche Lage und die Schwere des Verbrechens, sondern auch das Verhalten diverser Schaulustiger. Diese hätten nicht nur die Absperrungen ignoriert, sondern auch noch Filmaufnahmen vom Geschehen gemacht.

In dem Prozess vor dem Landgericht Göttingen muss sich der 53-jährige Frank N. wegen zweifachen Mordes und zweifacher gefährlicher Körperverletzung verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem mehrfach vorbestraften Angeklagten vor, am 26. September 2019 seine ehemalige Lebensgefährtin mit einer brennbaren Flüssigkeit bespritzt und in Brand gesetzt zu haben. 

Anschließend habe er sie durch zahlreiche Messerstiche so schwer verletzt, dass sie noch am Tatort verstarb. Als eine Kollegin der 44-Jährigen zu Hilfe eilen wollte, habe er auch diese angegriffen. Die 57-Jährige verstarb später im Krankenhaus.

Göttingen: Emotionale Stimmung am Tatort - Beamte sagen am Landgericht aus

Als Erstes trafen damals zwei Angehörige der Bereitschaftspolizei am Tatort ein. „Wir konnten erst gar nicht glauben, was wir da über Funk gehört hatten“, berichtete einer der Beamten.

In der Krugstraße im Göttinger Stadtteil Grone sollte eine Frau angezündet worden sein. Als die Polizisten dort ankamen, trafen sie auf eine große Menschenansammlung. Die Stimmung sei sehr emotional gewesen. Viele Umstehende hätte geweint und seien völlig fassungslos gewesen, ein Mann habe unaufhörlich geweint und die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen.

Prozess um Mord in Göttingen: Polizei berichtet von schrecklicher Tat

Er habe dann auf einem Bürgersteig eine Frau liegen sehen, die gerade mit einem Laken zugedeckt wurde, sagte der Polizist. Ein Zeuge habe berichtet, dass er Rettungssanitäter sei und mehrfach vergeblich versucht habe, die Frau zu reanimieren. Er habe dann festgestellt, dass die Frau mehrere Stichverletzungen und Verbrennungen an der Kopfhaut und im Gesicht gehabt habe.

Auf der gegenüberliegenden Seite behandelten Sanitäter und Ärzte eine weitere Frau. Den Medizinern zufolge war die Frau bewusstlos, ihr Zustand wurde als kritisch eingeschätzt, berichtete ein Polizist.

Göttingen: Prozess um Frauenmorde - Schaulustige am Tatort

Bei der weiteren Inspektion des Tatorts und der Umgebung entdeckten die Beamten zwei umgekippte Fahrräder. Außerdem fanden sie Blutspuren, Benzinlachen, ein Büschel abgebrannter Haare, verbrannte Kleidung und eine zerbrochene Glasflasche.

Die Spurensicherung wurde allerdings erheblich erschwert, weil zahlreiche Menschen versuchten, die Absperrungen zu unterwandern. Man habe „unzählige Personen“ davon abhalten müssen, Fotos und Videos zu machen, sagte ein Polizist.

Göttingen: Polizei stellt Strafanzeige gegen Schaulustigen 

Ein Schaulustiger sei besonders hartnäckig gewesen. Auch auf mehrfache Aufforderung habe er das Filmen nicht einstellen wollen. Die Beamten hätten seine Aufnahmen gelöscht, ihm einen Platzverweis erteilt und gedroht, ihn in Gewahrsam zu nehmen. 

Daraufhin habe dieser sie als „Fotze, Hurensohn und Missgeburt“ bezeichnet. Gegen ihn sei Strafanzeige wegen Beleidigung gestellt worden.

Göttingen: Fahnder durchsuchten Wohnung des mutmaßlichen Täters

Da die Identität des mutmaßlichen Täters bereits bekannt war, suchte die Polizei im Rahmen der Fahndung auch dessen Wohnung auf. Die Fenster seien alle mit Spiegelfolie abgeklebt gewesen, berichtete eine Polizistin. Als sie mit Hilfe der Berufsfeuerwehr die Tür öffneten, sei ihnen ein beißender Geruch von Lösungsmittel oder Benzin entgegengekommen. 

Bemerkenswert war auch, was auf dem Küchentisch lag: Ein ausgeschaltetes Handy, eine Krankenkassen- und eine ec-Karte, ein Schlüsselbund und ein Notizblock, in dem eine größere Menge Bargeld lag. Obenauf die Notiz: „Hier ist mein Geld. 2900. Ich habe Euch lieb. Der Prozess wird Anfang Mai fortgesetzt.

Von Heidi Niemann

Nach dem Mord an zwei Frauen in Göttingen* muss sich der mutmaßliche Täter Frank N. vor Gericht verantworten. Wegen Corona musste die Anzahl der Sitzplätze bei einem Prozesstag jedoch verringert werden.

Ein Mann aus Heringen (Hessen) steht wegen versuchtem Mord an einem Baby vor Gericht.

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