Göttinger Model Jonathan Peichl

Göttinger Model Jonathan Peichl: Gefragter Mann in den Metropolen der Welt

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Blick hinter die Kulissen der Modewelt: Jonathan Peichl hat sich durch sein Medizinstudium die Unabhängigkeit vom Modeln bewahrt.

Der Laufsteg ist das Tor zur Welt für Models. Verlassen sie den Catwalk und verschwinden hinter den Kulissen, dann verliert sich die Spur der Glamourwelt von einer Sekunde auf die andere. Jonathan Peichl weiß, was hinter den Kulissen passiert.

Der 23-jährige Göttinger modelt seit drei Jahren. Doch wenn er einen Laufsteg in Mailand, Paris oder New York verlässt, fliegt er heim und taucht in den Hörsaal der medizinischen Fakultät der Freien Universität Berlin ein.

Beworben hat sich Peichl für den vermeintlichen Traum-Job Model nie. Es war reiner Zufall. „Der Scout einer Mode-Agentur in Hamburg hat meine Facebook-Seite entdeckt und mich 2009 kurz vor meinem Abitur angerufen. Ich hätte ein interessantes Gesicht.“

Später Arzt: Jonathan Peichl im Praktikum an der Göttinger Uniklinik.

Also fuhr Jonathan Peichl nach Hamburg, stellte sich vor und für Probefotos bereit. Schnell bekam er einen ersten Auftrag für das Magazin „Capital“. Doch dann passierte lange nichts – bis seine kleine Agentur die Mappe an eine führende Model-Vermittlung weiterleitete. Diese empfahl ihm, für sechs Wochen nach Mailand zu gehen, um dort in der europäischen Mode-Metropole seine Fotomappe in Zusammenarbeit mit Top-Fotografen aufzupeppen.

Mit Erfolg – Jonathan ist bis heute ein gefragtes Model, gleichwohl im Teilzeitjob. „Das Medizinstudium ist und bleibt die Nummer eins für mich“, betont er. Diese Kombination garantiert ihm eine finanzielle Unabhängigkeit, aber auch Abstand zum zeitweise brutalen und kalten Model-Geschäft. „Bei den Profis dreht sich alles im Leben um Aufträge und darum, genügend Geld zu verdienen – das ist alles eine sehr abgedrehte, oberflächliche Welt.“ Das Verhältnis zu den Kollegen ist trotzdem oft gut, im Gegensatz zu den weiblichen Models, „wo alles viel zickiger zugeht“.

Zur Person

Jonathan Peichl wurde am 20. Februar 1990 in Göttingen geboren. Nach der Grundschule und Orientierungsstufe besuchte er das Göttinger Hainberg-Gymnasium. Dort machte der 23-Jährige sein Abitur mit der Durchschnittsnote von 1,6. Von 1996 bis 2009 spielte er Fußball bei der SVG Göttingen von der G-Jugend an bis zur zweiten Mannschaft. Nach Praktika in der Wirtschaft entschied sich Jonathan Peichl für das Studium der Medizin, das er 2010 in Würzburg aufnahm. 2012 wechselte er seinen Studienort und ging nach Berlin. Das kommende Wintersemester ist sein achtes.

Mailand, Paris, Barcelona, New York und bald China – Jonathan Peichl fliegt für seinen Nebenjob um die Welt und ist wie die meisten Models oft allein, obwohl sich die Augen vieler Frauen auf ihn richten. Davon bleibt nicht viel. „Das Problem ist, dass du von den Frauen oft nur auf die Rolle des Models reduziert wirst und die auch nur das Model wollen.“ Dadurch bleibe auf der Strecke, was hinter dem Model steckt. „Davor hatte ich auch Angst.“

Peichl, 1,87 Meter groß, 77 Kilo leicht, ist Single, was er bedauert. Aber Studium und Model-Job nehmen ihn fast ausschließlich in Beschlag. Wo bleibt da noch Zeit für eine Beziehung?

Finanziell ist das Modeln ein durchaus lukratives Zubrot. „Ich weiß es zu schätzen. Vor allem, wenn man sieht, wie sich zum Beispiel Krankenschwestern für wenig Geld totrackern.“

Aber zu glauben, dass mit dem Laufen auf dem Catwalk Reichtümer zu machen sind, bleibt für die meisten Models ein Traum: Jonathan muss seinen ausländischen Agenturen 50 Prozent des Honorars, oft nur 600 Euro pro Tag, abliefern. Dazu kommen Kosten für den Flug, manchmal auch die Unterkunft, in New York für Jonathan Peichl meist nur die Klamotten und manchmal ein kleiner Obolus. Von der Glamourwelt hat sich Peichl nie blenden lassen: Er ist bodenständig und bescheiden, behält sein Berufsziel Arzt stets im Auge. Deshalb geht es vom Auftrag in China direkt zurück in den Uni-Hörsaal, wo er an seiner Zukunft bastelt.

Von Walter Gleitze und Thomas Kopietz

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