Ausbruch hierzulande so gut wie ausgeschlossen

Göttinger Professor im Interview zu Ebola: "Isolierzimmer steht bereit"

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Prof. Dr. Uwe Groß

Göttingen. Der Feind ist mit bloßem Auge nicht zu sehen. Nur im Elektronenmikroskop sind die Ebola-Viren zu erkennen. In Göttingen ist das Institut für Medizinische Mikrobiologie für die Bekämpfung von Viren verantwortlich. Wir sprachen mit Prof. Dr. Uwe Groß, dem Direktor des Institutes.

Wie wahrscheinlich ist der Ausbruch der Krankheit in Deutschland?

Groß: Es ist möglich, dass ein Infizierter nach Deutschland kommt. Aber ein Ausbruch ist so gut wie ausgeschlossen. Dazu sind wir zu sehr aufgeklärt und eine adäquate medizinische Versorgung würde sehr schnell greifen.

Was würde mit einem Patienten passieren, bei dem der Verdacht auf Ebola besteht?

Groß: Wenn der Patient zu Hause ist, sollte er den Arzt informieren und nicht außer Haus gehen. Wenn die weiteren Untersuchungen und die Krankenvorgeschichte den Verdacht stärken, sollte die medizinische Hilfe dann zum Patienten gebracht werden.

Was ist mit einem Patienten, der schon in einem Krankenhaus ist?

Groß: Der sollte in der Klinik isoliert werden. Dann sollte ein Alarmplan abgearbeitet werden.

Ist die Universitätsmedizin Göttingen darauf vorbereitet?

Groß: Ja. Es gibt ein Isolierzimmer und einen Alarmplan. Der sieht vor, dass der Verdachtspatient für maximal 48 Stunden in Göttingen bleibt. In dieser Zeit wird mit Blutproben in Hamburg geklärt, ob er Ebola hat. Wenn der Patient Ebola hat, wird er mit einem Spezialfahrzeug nach Hamburg gebracht. Wenn nicht, wird die Isolierung aufgehoben.

Wie kann man sich überhaupt anstecken?

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Groß: Dazu muss ich einen ziemlichen engen Kontakt mit einem Infizierten haben, weil der Erreger in der Regel über Körperflüssigkeiten, wie zum Beispiel Blut, übertragen wird. Es reicht in der Regel, wenn man dem Patienten nicht zu nahe kommt.

Wie ist es, wenn ein Infizierter mit mir im Flugzeug sitzt?

Groß: Da sind nur die Fluggäste gefährdet, die unmittelbarer Nachbarschaft des Infizierten saßen oder direkten Kontakt mit ihm hatten. Die würden unter Quarantäne gestellt werden. Alle anderen werden in solchen Fällen informiert, dass sie zum Arzt gehen, wenn Symptome festgestellt werden.

Arbeiten Spezialisten aus Göttingen zurzeit in Afrika?

Groß: In Ghana sind zurzeit ein Anästhesiologe und eine Medizinstudentin in einem Krankenhaus an der Grenze zur Elfenbeinküste. Sie helfen aktuell auch bei der Vorbereitung auf mögliche Ebola-Patienten. Ich habe diese Mitarbeiter gebeten, schon bald nach Göttingen zurückzufliegen, um sich nicht selbst zu gefährden.

Warum ist der Ausbruch so schwer unter Kontrolle zu bringen?

Zur Person

Prof. Dr. Uwe Groß (54) ist Inhaber des Lehrstuhls für Medizinische Mikrobiologie an der Universitätsmedizin Göttingen. Er studierte in Hamburg und ist seit 1999 in Göttingen. Der Wissenschaftler ist regelmäßig in Afrika und hat dort unter anderem Labore für Buschkrankenhäuser mit aufgebaut. Er leitet und koordiniert das Göttingen International Health Network. In seiner Freizeit widmet er sich unter anderem gern der Gartenarbeit.

Groß: Bei allen bisherigen Ausbrüchen waren immer nur wenige Dörfer betroffen. Das ist jetzt ganz anders. Jetzt sind es riesige Landesteile mit einer Vielzahl von Orten, die nicht mehr einzeln zu isolieren sind.

Warum wurde nicht schon früher eingegriffen?

Groß: Ärzte ohne Grenzen hatte frühzeitig auf die Gefahr eines großen Ausbruchs hingewiesen, blieb aber bei den zuständigen Behörden und der Weltgesundheitsorganisation ungehört. In Zentral- und Ostafrika, wo es bislang meistens die Ausbrüche gab, sind Bevölkerung und Regierung besser informiert über die Erkrankung. Helfer werden dort eben nicht fälschlicherweise als vermeintliche Verursacher der Krankheit angesehen. In Westafrika kannte man bislang die Erkrankung nicht. Und das ist jetzt das große Problem.

Warum steht noch kein Impfstoff gegen Ebola zur Verfügung?

Groß: Es gibt weltweit viele Wissenschaftler, die immer schon auf dem Gebiet gearbeitet haben. Aber potenzielle und für den Patienten sichere Mittel sind bislang noch nicht ausreichend getestet.

Was muss jetzt in Afrika passieren?

Groß: Patienten, die die Infektion überlebt haben, sollten von ihren positiven Erfahrungen mit den Helfern berichtet und der Bevölkerung die Angst vor den Auswirkungen von Ebola nehmen. Ganz wichtig ist die Isolation von Infizierten. Außerdem müssen Essgewohnheiten geändert werden. Das bedeutet, dass zum Beispiel Flughunde und andere potenziell infizierte Tiere nicht mehr gegessen werden dürfen. Außerdem dürfen verstorbene Ebola-Patienten nicht mehr berührt oder gewaschen werden.

Von Bernd Schlegel

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