Staatsanwaltschaft kündigt Rechtsmittel an

Göttinger Transplantationsarzt freigesprochen

+
Aiman O. (Mitte, neben seinem Verteidiger Steffen Stern, rechts, und Jürgen Hoppe) wurde freigesprochen.

Göttingen - Im Prozess gegen den Göttinger Transplantationsmediziner Aiman O. hat das Landgericht Göttingen den Angeklagten in allen Punkten freigesprochen.

Der gegen ihn verhängte Haftbefehl wurde aufgehoben. Es sei nicht erwiesen, dass falsche Angaben gegenüber der Organvergabestelle Eurotransplant andere Patienten das Leben gekostet hätten, befand der Gericht am Mittwoch. Drei Patienten seien zwar nach einer Lebertransplantation verstorben, dennoch sei in allen drei Fällen die Transplantation eine vertretbare Behandlung gewesen, sagte der Vorsitzende Richter Ralf Günther.

Die Staatsanwaltschaft hatte in diesen drei Fällen auf Körperverletzung mit Todesfolge plädiert. Die Ankläger vertraten die Auffassung, dass die Transplantationen nicht erforderlich waren und zudem die Patienten nicht ausreichend über Risiken und mögliche Alternativen aufgeklärt wurden.

In elf sogenannten Manipulationsfällen hatte die Staatsanwaltschaft O. außerdem versuchten Totschlag vorgeworfen. Durch falsche Angaben gegenüber Eurotransplant sollen eigene Patienten des Mediziners bevorzugt mit Spenderlebern versorgt worden sein. Dadurch habe O. anderen Patienten auf der Eurotransplant-Warteliste Organe vorenthalten und so wissentlich ihren möglichen Tod in Kauf genommen.

Insgesamt hatte die Staatsanwaltschaft eine Haftstrafe von acht Jahren und ein lebenslanges Berufsverbot als Transplantationschirurg gefordert. Die Verteidigung hatte dagegen auf Freispruch in allen Punkten plädiert. Dem folgte nun das Göttinger Landgericht.

Die Vorfälle in Göttingen hatten zu einem erheblichen Rückgang der Organspendenbereitschaft in Deutschland geführt. Als Reaktion hat der Gesetzgeber inzwischen eine Strafnorm in das Transplantationsgesetz eingefügt. Für Falschmeldungen an Eurotransplant droht danach nun eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren.

Staatsanwaltschaft kündigt Rechtsmittel an

Die Staatsanwaltschaft hat Rechtsmittel gegen das Urteil angekündigt. Das sagte eine Sprecherin der Anklagebehörde am Mittwoch in Göttingen.

AFP/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.