Zuschauer mit in die Gestaltung eingebunden

Gottesdienst live im Internet: Neues Angebot in Südhessen

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Live im Internet: Der Gottesdienst der Gemeinde Kriftel mit Pfarrer Rasmus Bertram (links) und Pfarrer Micky Wiese.

Kriftel. Rasmus Bertram (52), Pfarrer der Gemeinde Kriftel im Main-Taunus-Kreis, hat am Sonntag mit seinem Team einen Gottesdienst per Live-Stream im Internet übertragen. Die Zuschauer konnten dabei die Inhalte mitbestimmen.

Immer weniger Menschen kommen in die Kirche. Logische Konsequenz: Die Kirche muss zu den Menschen kommen. So sieht das auch Rasmus Bertram (52), Pfarrer der Gemeinde Kriftel im Main-Taunus-Kreis. Er hat am Sonntag mit seinem Team von der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau einen Gottesdienst per Live-Stream im Internet übertragen. Das war in dieser Form landesweit das erste Mal, denn Zuschauer konnten sich aktiv beteiligen.

Wir haben mit Bertram über die Erfolgsaussichten des Projekts gesprochen.

Wie ist die Idee dazu entstanden? 

Rasmus Bertram ist schon seit vielen Jahren bemüht, als Pfarrer mit jungen Menschen in Kontakt zu kommen. Bei gemeinsamen Videospiel-Abenden, so genannten LAN-Parties, im Rahmen der Jugend-Kirche hielt er zunächst kleine Andachten. Bertram stellte den Jugendlichen frei, einen dazu zur Verfügung gestellten Stream im Netzwerk anzuschauen oder nicht. Er wollte christliche Inhalte einbringen, ohne die Teilnehmer zu etwas zu zwingen.

Immer öfter gingen Fragen dazu ein. Bertram bemerkte, dass Interaktion wichtig ist. Den Gedanken der aktiven Mitgestaltung des Publikums entwickelte er weiter: Bei der Live-Übertragung am Sonntag reagierte er immer wieder spontan auf Anregungen und Fragen auf der Internet-Seite. Diese kann man während der Sendung unter den Stream posten. „Nur so kann ich das aufgreifen, was die Zuschauer bewegt“, sagt der Pfarrer.

Wie läuft ein solcher Gottesdienst ab? 

An einen traditionellen Gottesdienst erinnert nur der Aufbau. Das Thema wird vorgestellt, dann sofort darum gebeten, Fragen dazu zu stellen. Es gibt eine kurze Predigt als zweiminütigen Video-Einspieler. Den Rest der Redezeit gestaltet der Pfarrer mit Beiträgen der Teilnehmer. Am Ende wird gebetet. Für Musik sorgt eine christliche Band.

Verspricht das Projekt denn Erfolg? 

Aber ja. Alleine am Sonntag gingen 190 Beiträge ein. 360 Nutzer klickten den Stream an. Wobei zu beachten ist, dass in manchen Orten Public-Viewings veranstaltet worden. Auch Familien oder Freunde haben gemeinsam auf einem Computer geschaut. Die Zahl der Zuschauer war daher vermutlich viel höher.

Wie kann man so viele Beiträge berücksichtigen? 

Natürlich werden nicht alle thematisiert. Eine Software gliedert die Fragen der Nutzer nach Themen. So sieht der Pfarrer, welche den Zuschauern besonders unter den Nägeln brennen. Am Sonntag ging es um das Thema „Zahn um Zahn“. Viele Nutzer wollten wissen, ob denn wirklich Rache nötig ist, um Frieden mit einer Sache zu schließen.

Wie geht es jetzt weiter mit dem Projekt? 

Rasmus Bertram wünscht sich, monatlich auf Sendung zu gehen - als Ergänzung zu den wöchentlichen Gottesdiensten. Und auch, dass diese Form des Gottesdienstes Nachahmer findet. Entscheidend ist, ob die Landeskirche das Projekt fördert. Denn neben Mietkosten für das Studio inklusive Technik braucht es viele Helfer. „Aktuell vieles noch ehrenamtlich“, sagt Bertram.

https://sublan.tv/

Wie Kirchen-Vertreter aus der Region zu dem Projekt stehen, lesen Sie in der gedruckten Dienstagsausgabe der HNA.

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