Fast 15 Millionen schauten zu

Gottschalks letzte „Wetten, dass ..?“-Show: Schöne Seifenblasen

Sie machten es spannend: Günther Jauch (links) erbat sich in der Abschiedsshow 24 Stunden Bedenkzeit, ob er Nachfolger von Thomas Gottschalk als „Wetten, dass..?“-Moderator werden will. Foto: dpa

Nur keine Sentimentalität beim Abschied: „Als Mann will man nicht Aua machen“, meinte Thomas Gottschalk gleich zu Beginn seiner „Wetten, dass ..?“-Abschiedsshow in Friedrichshafen. Und es wurde nochmal so wie in den besten Zeiten. 14,73 Millionen Menschen verfolgten die Show am Bildschirm, ein Marktanteil von 46 Prozent.

Richtig aufgekratzt und witzig war der 61-jährige Moderator bei seiner Abschiedsgala - ob es daran lag, dass er auf die üblichen Karteikarten verzichtete und frei moderierte? Tränenreiche Statements wollte er auch von seinen Gästen nicht hören, und so blieb es bei einer Abschiedstorte, die den Gästen von der sichtlich bewegten Co-Moderatorin Michelle Hunziker serviert wurde.

Große Gäste machten die Show spannend: Allen voran Basketball-Superstar Dirk Nowitzki, Schauspieler Til Schweiger und seine Hollywood-Kollegin Jessica Biel, Modeschöpfer Karl Lagerfeld und Schauspielerin Iris Berben.

Ein sehr spezieller „Special Guest“ war Gottschalk-Freund Günther Jauch, mit dem zusammen der Moderator die quälende Nachfolge-Diskussion noch einmal anheizte. „Und wenn ich’s mir überlegen dürfte?“, antwortete Jauch auf die Frage, ober er nicht in den Ring steigen wolle. Nach 24 Stunden Bedenkzeit wollte er Gottschalk im von ihm moderierten RTL-Jahresrückblick eine Antwort geben. Leider wurde in diesem Moment nicht das Gesicht von ZDF-Intendant Markus Schächter eingeblendet. Eine perfekte Werbung für seine RTL-Sendung hatte Jauch jedenfalls platziert - am Sonntagabend sagte Jauch in seinem Jahresrückblick dann auch ab.

Die Wetten an diesem Abend zeigten im Übrigen, dass das Show-Format noch keineswegs ausgereizt ist. Zur gelungenen Mischung gehört Akrobatik: Diesmal sprangen 50 Turner per Salto auf einen zwei Quadratmeter großen Tisch. Auch sportliche Höchstleistungen wie die des Mountainbikers Andreas Brewi zählen dazu. Er absolvierte den Snowboard-Parcours in Ischgl schneller als der Weltmeister Gian Simmen mit dem Board.

Frappierende Gedächtnisleistungen gehören ebenfalls dazu: Nadine Schommer erkannte eine Auswahl der Outfits, die Thomas Gottschalk in 150 „Wetten, dass ..?“-Sendungen getragen hatte, und nannte dazu die Daten. Schließlich gehören auch die skurrilen Wetten dazu: Diesmal erkannte der Maurermeister Ulrich Rabe-Heise Toiletten-Marken an ihrem Spülgeräusch.

Dass Gottschalk sich mit Lenny Kravitz und dem Altrocker Meat Loaf zwei persönliche Lieblingsmusiker in die Sendung geholt hatte, war ebenso verständlich wie sein Schnorren bei Karl Lagerfeld, dem er für seine Frau Thea und sich Karten für dessen nächstes „Prêt a porter“ abschwatzte. Grund: die geschätzten 2000 Küsse, die er in 24 Jahren in seiner Sendung von schönen Frauen bekam. Auch zum Abschluss kamen nochmal einige Schmatzer dazu.

Ganz ohne Rückblicke ging die Sendung nicht ab - etwa auf die besten Wetten in 24 Jahren. Platz eins belegten jene Virtuosen, die mit dem Zucken ihrer Brustmuskeln Musikstücke wiedergaben. Auch dabei der Bauer, der seine Kühe an dem Geräusch erkannte, das sie beim Äpfelkauen erzeugten.

Eigentlich schien nichts zu fehlen in dieser erfreulich normalen Sendung. Doch spätestens, als Ex-Moderator Wolfgang Lippert auftrat, fragte man sich, wo eigentlich Frank Elster blieb, der die Sendung erfunden und lange auch moderiert hatte. Sein Name wurde nicht einmal erwähnt. Warum?

Als es dann um 22.15 Uhr doch noch feierlich zu werden drohte, zeigte Gottschalk eine Qualität, die ihn von manchen Kollegen unterscheidet, nämlich eine Portion Bescheidenheit. Es wirkte keinesfalls aufgesetzt, als er den Hype um die Sendung etwas herunterkochte: „Wetten, dass?“ sei bloß eine Unterhaltungssendung. Sie produziert schöne Seifenblasen, die alsbald zerplatzen,

„Es kommen andere, und mit denen wird das Publikum auch Spaß haben“, sagte Gottschalk. Und wer übernimmt gleich nochmal „Wetten, dass..“? Jauch? Wer’s glaubt!

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