Jonathan Sachau verschönert in Lüneburg Verteilerkästen für die Stadt

Graffiti-Künstler „Dosenfutter“ sprayt gegen Grau

Lüneburg. Am helllichten Tag sprüht der junge Mann mitten in Lüneburg einen Verteilerkasten an. Bald ist der graue Klotz mit bunten Blumen bedeckt. Der Sprayer nennt sich „Dosenfutter“, die Polizei fürchtet er nicht. Eigentlich heißt er Jonathan Sachau, der 32-Jährige arbeitet im Auftrag der Stadt.

„Ich liebe Farben, das ist viel schöner als das Grau“, sagt Christa Marchewka. Für sie könnten die Farben sogar noch knalliger sein, meint die muntere 90-Jährige. Auch eine junge Fahrradfahrerin ist begeistert: „Sieht super aus“, ruft sie im Vorbeifahren. Ob er die anderen Kästen auch gemacht habe, fragte eine Fußgängerin. Hat er. So schmücken die Verteilerkästen vor dem Bürgeramt roten Backsteine aus der Dose.

„Es ist schön, durch die Stadt zu fahren und seine eigenen Bilder zu sehen“, sagt Sachau. Er arbeitet gern in Lüneburg. Der fröhliche Hüne, der in Bad Segeberg aufwuchs und heute in Hamburg lebt, hat hier Kunst, Englisch und Deutsch studiert, auf Lehramt. Schon das Studium hat er mit Graffiti finanziert, heute lebt er davon. „Es ist jedes Mal eine Aufgabe, kleine Dinge wie Blumen oder ein Foto ins Große zu übertragen.“ Große Flächen seien am spannendsten, dann sei Raum für Details.

Kahle Wände, Garagen, Schulen, Brückenfundamente, Zäune – sogar einen Schwimmbad-Sprungturm hat er gestaltet, auf dem Beton prangt ein gewaltiger Hai. Die Liste seiner Auftraggeber ist lang, die Bandbreite der Motive beeindruckend. Feuerwehrautos gehören dazu, Sprayer und Sportler, Hunde und Eisvögel. Er liebt ruhige Landschaften, Städtepanoramen und Sehenswürdigkeiten von der Freiheitsstatue bis zum Lüneburger Rathaus.

Schützende Graffiti

Seine Werke seien nicht nur höchst individuell und langlebig, wirbt Sachau. Sie bieten auch Schutz vor ungewollten Graffiti. „Ein Kodex in der Szene besagt, dass man gut gemachte Werke nicht übermalt.“ Über illegale Werke möchte er sonst nicht viel sagen. „Ich komme selber aus der Sprayer-Szene und habe Verständnis für beide Seiten entwickelt“, meint er. „Ich verstehe, wenn Leute sich über manche Sachen ärgern. Ich verstehe aber ebenso, wenn Künstler sich im öffentlichen Raum ausdrücken wollen und es wenig legale Flächen gibt.“

Seine Aufträge in Lüneburg bekommt Sachau von Uta Hesebeck, sie ist Fachbereichsleiterin für Straßen- und Ingenieurbau. „Es gibt noch Ecken, die wir beackern wollen“, verspricht sie. Vor allem die Haupteinfallstraßen sollten ein wenig bunter werden, die grauen Verteilerkästen den Blick nicht stören. (dpa)

Von Peer Körner

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