Sie lagen seit Jahren dort

Grausiger Fund: 250 Leichen im Keller der Madrider Uni entdeckt

Madrid. Die Madrider Universität Complutense (UCM) ist mit 85.000 Studenten die größte im Lande. Sie gilt auch als eine der besten. Nun schockt eine grausige Meldung das Land: 250 tote Körper sind in einem Raum der Anatomie II durch Reporter der Tageszeitung El Mundo entdeckt worden.

Sie liegen offenbar seit Jahren dort, wegen der Formol-Behandlung großenteils mumifiziert.

Der Grund für den pietätlosen Umgang mit den eigentlich für wissenschaftliche Zwecke gespendeten Körpern ist nach Angaben der Uni-Leitung schlicht Geld- und deshalb Personalmangel.

Die von El Mundo veröffentlichten Bilder könnten aus einem Gruselfilm stammen. Die Leichen wurden in einem rund 30 Quadratmeter kleinen Raum bei Normaltemperatur aufbewahrt. Seit der dafür zuständige Mitarbeiter im Dezember in Pension ging wurde auch nichts mehr im universitätseigenen Krematorium verbrannt. Noch in dieser Woche soll aufgeräumt werden. Man habe das bereits mit einer Bestattungsfirma vereinbart, lässt die Universitätsleitung wissen. Und natürlich werde der Vorfall untersucht.

Der Posten am Krematorium wurde bisher nicht neu besetzt. „Wir sind nicht reich“, klagte der Direktor des anatomischen Instituts, Ramón Mérida. Da hat er Recht. Aber das trifft alle 50 staatlich finanzierten Hochschulen in Spanien. Die 29 privaten Unis haben weniger Probleme. Die Gelder für die spanischen Hochschulen sind in den sieben Jahren der Wirtschafts- und Finanzkrise knapp geworden. Denn die Regierung sparte, um nicht unter den Euro-Rettungsschirm zu müssen. Den gab es allein für den Bankensektor.

Die Zuwendungen der öffentlichen Hand für die Universitäten sind seit 2010 um 1,2 Milliarden Euro (1,46 Milliarden Franken) gekürzt worden. Das sind 12,3 Prozent. Hinzu kommen höhere Studentengebühren, weniger Stipendien und Studienbeihilfen und weniger Personal. Nur einer von zehn in Rente gehenden Mitarbeitern wird ersetzt. Ob am Uni-Krematorium oder bei den Professoren. Die Mitarbeiterzahl ist seit 2008 um neun Prozent zurückgegangen, gibt das Finanzministerium an. An den Unis fehlen 6000 Dozenten. Die Zahl der Studenten steigt dagegen und liegt bei rund 1,5 Millionen, etwa siebenmal mehr als noch 1975. Auch die Zahl der Studiengänge hat sich gesteigert, mit entsprechend höheren Fixkosten.

Spanien überwindet gerade die Finanzkrise Schritt für Schritt. Dann solle man auch die Kürzungen des Geldes für den Hochschulbereich wieder zurücknehmen, forderte die Rektorenkonferenz (CRUE) Ende April. Es geht um das nach Bildungsminister José Ignacio Wert benannte „Wert-Gesetz“, das als Königliches Gesetzesdekret Nummer 14/2012 im April 2012 in Kraft trat. Sie bemängeln, dass die Zahl der Dozenten zurückgegangen sei, kein Geld mehr für universitäre Forschung zur Verfügung stehe und das System der „becas“ (Stipendien) ungerecht geworden sei. Die CRUE vertritt die 50 staatlichen sowie 25 der privaten Universitäten.

Nach dem schaurigen Bericht über die Leichenfunde im Keller legte El Mundo noch eins drauf. „Leichen für 750 Euro am Wochenende bei der Complutense zu mieten“, titelt sie am Dienstag. In der Anatomie könnten von Privatfirmen und Ärzten Leichen zu einer Gebühr von 500 bis 700 Euro ausgeliehen werden. Das geschehe meist am Wochenende oder am Freitag. Sie dienen zur Fortbildung von Medizinern in Privatkursen. Ein solches Wochenende mit 15 Studenten und vier bis sechs Leichen koste dann um die 3000 Euro. Zu den Kunden zähle unter anderem ein großes spanisches Versicherungsunternehmen. Diese Praxis beschränkt sich nicht auf die Universidad Complutense, sie ist legal und auch anderen Hochschulen üblich, schreibt das Blatt. (yeu)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Schlagworte zu diesem Artikel

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.