Organisation warnt

Greenpeace: Gefahr durch alte Kernkraftwerke

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Greenpeace-Aktivisten am Kernkraftwerk Beznau in der schweizer Gemeinde Döttingen.

München - Etliche europäische Atomkraftwerke nähern sich nach Darstellung von Greenpeace inzwischen dem Ende ihrer technischen Lebensdauer und stellen so eine immer größere Sicherheitsgefahr dar.

"Europa betritt eine neue Ära des atomaren Risikos", erklärte die Umweltschutzorganisation am Mittwoch mit Blick auf eine Expertenstudie, der zufolge das Durchschnittsalter der Meiler inzwischen bei 29 Jahren liegt. An Akw in sechs Ländern protestierten rund 240 Greenpeace-Aktivisten.

Die international tätige Organisation forderte den Ausstieg aus der Atomkraft und das sofortige Aus für Reaktoren, die ihre sogenannte Auslegungslebensdauer erreicht hätten. Diese liegt nach dem für Greenpeace verfassten Gutachten des Öko-Instituts bei 30 bis 40 Jahren. Von den etwa 150 aktiven Akw in der EU und benachbarten Ländern seien heute bereits 66 älter als 30 Jahre, sieben sogar älter als 40 Jahre. Oftmals seien Laufzeit-Verlängerungen auf 50 bis 60 Jahre geplant.

Statt über Abschaltungen der entsprechenden Anlagen werde in vielen Ländern auf Betreiben der Akw-Eigner aber über Laufzeitverlängerungen und eine Steigerung der Leistung diskutiert, kritisierte Greenpeace. "Die überalterten Atomkraftwerke sind tickende Zeitbomben. Der Weiterbetrieb ist absolut unverantwortlich", warnte Atom-Experte Heinz Smital.

Bei ihren Aktionen drangen Greenpeace-Aktivisten am Mittwoch unter anderem auf das Gelände des Schweizer Atomkraftwerks Beznau vor und entrollten Banner mit der Aufschrift "The End" (Das Ende). Etwa hundert Menschen beteiligten sich an dem Protest. Beznau ist mit 45 Jahren nach Greenpeace-Angaben das älteste laufende Akw der Welt. Am belgischen Reaktor Tihange, dessen Laufzeit demnach gerade auf 50 Jahre verlängert wurde, versammelten sich parallel mehrere Dutzend Aktivisten.

Im französischen Bugey blockierten Aktivisten mit zwei Kleinlastwagen die Zufahrt zum dortigen Meiler, dem zweitältesten in Frankreich. 2018 wird er 40 Jahre im Dienst sein. Im französischen Gravelines scheiterten etwa 20 mutmaßliche Aktivisten bei dem Versuch, eine Akw-Fassade hochzuklettern. Die Umweltschützer - unter ihnen waren neben Franzosen auch Deutsche, Dänen, Briten und Kanadier - seien vorübergehend festgenommen worden, teilte das französische Innenministerium in Paris mit. Greenpeace-Aktionen gab es zudem an Atomanlagen in Schweden, den Niederlanden und Spanien.

Dem Gutachten des Öko-Instituts zufolge verschlechtert sich der Gesamtzustand von Atomanlagen über die Jahre trotz Nachrüstungen und Reparaturen immer weiter. "Die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls sowie die Anzahl potenzieller Komplikationen nehmen zu", steht darin. Besonders besorgniserregend sei, dass gerade bei den alten Reaktoren parallel zu Laufzeitverlängerungen oft auch noch über Leistungserhöhungen nachgedacht werde. Das belaste die bereits abgenutzten Systeme zusätzlich.

Die deutsche Umweltschutzorganisation BUND und ihr österreichischer Partnerverband Global 2000 forderten unterdessen einen Atomausstieg in der EU bis 2030. Bei entsprechenden Anstrengungen beim Ausbau erneuerbarer Energien und bei der Energieeffizienz-Förderung sei das möglich, erklärten sie am Mittwoch unter Berufung auf eine von ihnen veröffentlichte wissenschaftliche Studie.

In etwa zwei Wochen beraten die Staats- und Regierungsschefs der EU in Brüssel über die Klima- und Energiepolitik der Gemeinschaft bis 2030.

afp

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