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Forscher entdecken bislang älteste bekannte DNA - und sind von den dazu passenden Lebewesen überrascht

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Von: Marcus Giebel

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Zwei Millionen Jahre alt ist die DNA, die Forscher nun sequenziert haben. Gefunden wurde das Erbgut auf Grönland. Es stammt von Tieren, die die Wissenschaftler dort nicht vermutet hätten.

München - Forschern ist dank ihrer jahrelangen Arbeiten auf Grönland eine historische Entdeckung gelungen. Wie Nature berichtet, stießen die Wissenschaftler an der nordöstlichen Spitze der größten Insel der Erde auf DNA-Sequenzen, die zwei Millionen Jahre alt sind - und damit das älteste je entdeckte Erbmaterial. Die Spuren im gefrorenen Boden lassen darauf schließen, dass die Region einst die Heimat der bereits vor 10.000 Jahren ausgestorbenen Mammutiden - auch als Echte Mastodonten bekannt - und von Rentieren war.

„Niemand hätte dieses Ökosystem zu diesem Zeitpunkt in Nordgrönland vorhergesagt“, wird Eske Willerslev, ein an der nun veröffentlichten Studie beteiligter Paläogenetiker, zitiert. Sein Kollege Love Dalen vom Stockholmer Naturhistorischen Museum findet die Entdeckung „ziemlich großartig“ und pflichtet bei: „Nicht in einer Million Jahren hätte man einen Mammutiden dort erwartet.“

Bislang waren Hinweise auf die dem Elefanten ähnlichen Rüsseltiere vor allem in Afrika, in Amerika, in Asien und in Europa - auch in Deutschland - entdeckt worden.

Eine Figur eines Gomphotheriums
Waren einst auch auf Grönland zu Hause: Forscher stießen auf DNA von Mastodons (hier eine Figur eines Gomphotheriums). © IMAGO / blickwinkel

Forscher entdecken Millionen Jahre alte DNA: 16 Millionen Fragmente wurden gesichert

Dalens Team ergatterte, wie merkur.de berichtet, schon im vergangenen Jahr den Weltrekord, als es aus Sibirien stammende Teilgenome von Millionen Jahre alten Überresten von Mammuts sicherte. Die Forscher hofften, auch ältere Sequenzen wiederherstellen und interpretieren zu können. So wurden in Kopenhagen seit 2006 Proben aus dem Norden Grönlands aufbewahrt. Diese stammten aus der sogenannten Kap-Kobenhavn-Formation, die sich vor zwei Millionen Jahren bildete.

Über Jahre sicherten Willerslev und sein Team von dort mehr als 16 Millionen DNA-Fragmente. Durch Vergleiche mit den Genen moderner Pflanzen und Tiere wurde es ermöglicht, eine Momentaufnahme von Kap Kobenhavn vor zwei Millionen Jahren zu erschaffen. Damals war es auf Grönland deutlich wärmer, dennoch überraschte es die Forscher, dass sie auf Spuren von Pappeln, Fichten und Eiben stießen.

Skelett eines Karibu
Sie sind noch heute auf Grönland anzutreffen: Karibus sind die nordamerikanischen Vertreter der Rentiere. © IMAGO / Nature Picture Library

Wissenschaftler von entdeckter DNA überrascht: Mammutiden lebten auch auf Grönland

Und nicht nur die Pflanzenwelt sorgte für Staunen: Auch DNA von Nagetieren, Gänsen und Kaninchen wurde zutage gefördert – eben neben der von Mammutiden und Rentieren. Willerslev betont: „Rentiere hätten nach Ansicht der Paläontologen nicht überleben dürfen. Sie hätten zu dieser Zeit gar nicht existieren dürfen.“ Bezüglich der Mammutiden galt bislang die Annahme, sie hätten in den Wäldern Nordamerikas gelebt, nicht aber noch weiter im Norden.

Ludovic Orlando, ein Spezialist für antike DNA am Zentrum für Anthropologie und Genomik in Toulouse, stellt klar: „Man hätte erwartet, dass solch gigantische Tiere in Fossilberichten kaum zu übersehen wären.“ Doch die Welt ist eben voller Wunder. So zeigt sich also, dass auch aus alter Sediment-DNA überraschende Erkenntnisse über Millionen Jahre zurückliegende Ökosysteme gewonnen werden können.

Mit Hilfe ihrer Forschungsarbeit hoffen die Wissenschaftler auch Aussagen darüber treffen zu können, wie zukünftige Ökosysteme auf den Klimawandel reagieren werden. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Willerslev staunt: „Diese Organismen verfügen über eine Anpassungsfähigkeit bezüglich ihrer Zusammensetzung und ihres Verbreitungsgebiets, die wir nicht verstehen und nicht vorhersagen können.“ (mg)

Forscher machten auch eine Entdeckung in einem 6500 Jahre alten Grab. Ein anderes Team stieß bei Ausgrabungen auf einen vermeintlichen Vampir.

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