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Tier steckt in Hose und kneift Frau ins Gesäß: Nosferatu-Spinnen in Murnau aufgetaucht

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Von: Silke Reinbold-Jandretzki

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Großer Körper, kräftige und behaarte Beine: eine der Nosferatu-Spinnen aus Murnau.
Großer Körper, kräftige und behaarte Beine: eine der Nosferatu-Spinnen aus Murnau. © Hans-Joachim Fünfstück

Die Nosferatu-Spinne, die einst nur im Mittelmeer-Raum zu Hause war, hat Murnau erreicht. Die Zoropsis spinimana, die mit ihren Giftklauen Menschen beißen kann, tauchte in Wohnungen am Seidlpark auf.

Murnau – Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis das Tier auf der Bildfläche erscheint. Der Zufall wollte es, dass die Nosferatu-Spinne ausgerechnet in einer Art Jubiläumsjahr ihren ersten öffentlich wahrgenommenen Auftritt in Murnau hatte. Friedrich Wilhelm Murnau führte 1922 im Stummfilm „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ Regie, der als einer der ersten Vertreter des Horrorgenres gilt. 100 Jahre später sorgte die Nosferatu-Spinne, achtbeinig, haarig und auffallend groß – der Körper misst ein bis zwei Zentimeter, mit Beinen kommt sie auf bis zu fünf, sechs Zentimeter –, im Ort für gepflegtes Gruseln.

Bisher rund zehn Nosferatu-Spinnen in Murnau entdeckt - auch in Kleidung

Max Metzner jedenfalls sind die stattlichen Angehörigen dieser Art „nicht geheuer“, seit er sie etwa zwischen Ende Oktober und Ende November 2022 mehrfach in seiner Wohnung am Murnauer Seidlpark sowie in einer Holzkiste im Freien entdeckte, berichtet merkur.de. Unter anderem fand er ein Exemplar auf einem seiner Hemden. Seitdem schüttelt er vor dem Ankleiden jedes Textil aus, das er aus dem Kleiderschrank holt. Aus gutem Grund: Bei einer Nachbarin, mit der er Tür an Tür wohnt, erzählt Metzner, steckte eine Nosferatu-Spinne unbemerkt in einer Hose. Die Frau trug einen Biss in den Po davon.

Eine andere Nachbarin entdeckte diese Tiere an Schal und Mantel. „Alles ist aus einem Kleiderschrank gekommen“, sagt Metzner. Rund zehn Funde gab es bislang insgesamt am Seidlpark. Metzner hat nichts gegen die heimischen Achtbeiner, trägt immer wieder Hauswinkelspinnen ins Freie. Mit diesen langbeinigeren, filigraneren und meist dunkler gefärbten Tieren wird der Zuwanderer, der sich mit seinen Hafthaaren sogar an senkrechten Glasscheiben halten kann und seine Beute nicht in Netzen fängt, sondern verfolgt und blitzartig zustößt, häufiger verwechselt.

Nosferatu-Spinne: In Murnau wahrscheinlich der erste Fund im Landkreis

Bis vor wenigen Jahrzehnten lebte Zoropsis spinimana, die ihren Trivialnamen einer Zeichnung auf dem Vorderkörper verdankt, die an den Vampirschädel in Murnaus Gruselklassiker erinnert, speziell im Mittelmeerraum. Längst hat sie, vermutlich begünstigt durch den Klimawandel, den Weg gen Norden angetreten; 2005 wurde das Neozoon erstmals in Freiburg nachgewiesen, etablierte sich zunächst besonders entlang des Rheins und seiner Nebenflüsse.

In anderen Regionen Deutschlands sei die Spinne nun „flächendeckend vorhanden“, bei dem Fund in Murnau handle es sich aber „wahrscheinlich um den ersten im Landkreis“, sagt Natur-Experte Hans-Joachim Fünfstück, Vorstandsmitglied in der Regionalgruppe des Landesbunds für Vogelschutz. Er geht eher nicht davon aus, dass sich die Verbreitung auf nur ein Grundstück konzentriert. Theoretisch könne die Nosferatu-Spinne sich seit längerem an anderer Stelle in der Region aufhalten – dann wohl unerkannt.

Biss kann bei allergischer Reaktion Probleme bereiten

Metzner hatte das erste bei ihm aufgetauchte Exemplar zunächst für eine Hauswinkelspinne gehalten, bevor er es genauer betrachtete und bemerkte, dass dieses „viel kräftiger und heller ist“. Er fing das Tier mit einem Glas ein und forschte im Internet, kam mit Fünfstück in Kontakt. Der Fund: für den Garmisch-Partenkirchner „kein Grund zur Panik“.

Wenn sich die Zoropsis spinimana bedroht oder gereizt fühlt, kann sie zwar beißen. Doch die Schmerzintensität erreicht Erfahrungsberichten zufolge maximal jene eines leichten Bienen- oder Wespenstichs. Auch Schwellungen und Rötungen sind offenbar möglich. „Ein Biss ist nicht schlimm“, beruhigt Fünfstück. „Nur wer allergisch reagiert, kann Probleme bekommen.“ Attackiert die Spinne, weist die Haut zwei kleine Löcher von den Beißwerkzeugen auf.

Vorsicht, Spinne beißt: Tiere nicht mit bloßen Händen ins Freie tragen

Fünfstück empfiehlt, im Fall der Fälle Nosferatu-Spinnen in der Wohnung mit Glas sowie Papierblatt zu fangen und ins Freie zu tragen – nicht mit bloßen Händen. Zudem bittet er um Hinweise per E-Mail (fotos@5erl.de) mit Fotos von den Sichtungen, um Verwechslungen auszuschließen. Er führt Buch darüber, wo und wann „Neubürger“ im Tierreich gefunden werden. Auch wenn der Vogel-Experte keinen Anlass für Panik sieht, ist für ihn das Auftauchen der Nosferatu-Spinne ebenso wenig Grund zur Freude: „Sie wird wahrscheinlich andere Arten verdrängen“ – so wie zum Beispiel der Harlekin-Marienkäfer aus Asien den heimischen Vertretern zusetzt.

Max Metzner weist Anzeichen von Arachnophobie auf, seit ihn Nosferatu-Spinnen heimsuchten. „Es verunsichert mich“, sagt er, „dass bei mir Viecher sind, die hier eigentlich nicht hergehören.“

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