Engpässe in Großbritannien

Weihnachten ohne Santa? – Großbritannien beklagt Weihnachtsmänner-Engpass

Erst die Kellnerinnen und Kellner, dann LKW-Fahrer – und jetzt auch noch der Weihnachtsmann. Großbritannien mangelt es – mal wieder – an essenziellen Arbeitskräften.

London – Nun beginnt sie, die schönste, beschaulichste Zeit des Jahres, Geschenke werden verteilt und Geschichten im Winter-Wonderland vorgelesen, Hochkonjunktur für Santa und seine Helfer. Doch Versorgungskrisen wie der Mangel an LKW-Fahrern, die Tankstellen ohne Sprit und den Einzelhandel mit leeren Regalen zurückließen, haben gezeigt, dass in Großbritannien noch nicht alles seinen gewohnten Gang geht. Was tun, wenn nun auch Santa noch ausfällt? Ein schwer vorstellbares Szenario – Weihnachten ohne den Weihnachtsmann – genau das steht weiten Teilen Großbritanniens nun bevor.

Das Arbeiten an sich ist für Santa Claus dieses Jahr deutlich lukrativer. Medienberichten zufolge haben sich die Löhne für professionelle Weihnachtsmänner teilweise mehr als verdreifacht. Der Grund: Die Santas fehlen. In diesen Wochen etwa gibt es auf der Jobseite Indeed hunderte unbesetzte Stellen. Es werden Menschen gesucht, die bereit sind, sich tage- oder stundenweise ins Weihnachtsmannkostüm zu werfen und all jene Aufgaben zu übernehmen, die von Weihnachtsmännern – in selteneren Fällen Weihnachtsfrauen – eben erwartet werden.

Ein als Weihnachtsmann verkleideter Mann steht vor dem Kinderkrankenhaus auf einer Arbeitsbühne und winkt den Kindern sowie dem Pflegepersonal zu.

Fehlende Weihnachtsmänner – Großbritannien dieses Jahr schon mit mehreren Engpässen

Weihnachtsmänner sind bei weitem nicht die erste Berufsgruppe, bei der in Großbritannien dieses Jahr großer Mangel bestand. Leere Supermarktregale und ausgetrocknete Tankstellen sorgten im Spätsommer für Schlagzeilen, als Lastwagenfahrer fehlten, um Sprit und Waren von A nach B zu fahren. Auch Bauern und Pubbesitzer klagten über fehlendes Personal.

Nun also auch die Weihnachtsmänner. „Santa und seine Helfer sind nicht immun gegen die Engpässe bei Saisonarbeitern“, sagte Jack Kennedy von Indeed kürzlich dem Daily Star. Teilbeweise würden Tageslöhne von bis zu 800 Pfund (rund 936 Euro) geboten.

Corona-Virus: Santa Engpass hängt mit der Pandemie zusammen

Der ungewöhnliche Santa-Engpass hängt eng mit der Corona-Pandemie zusammen. In der Vergangenheit waren es oft etwas ältere Menschen, die die Rolle übernahmen – heute gehören sie zu den größten Risikogruppen im Falle einer Corona-Infektion. Viele dürften sich gegen den Weihnachtsmann-Job entscheiden, da dieser in den meisten Fällen mit vielen Kontakten einhergeht.

Insgesamt sieht der Job-Experte Kennedy weniger Nachfrage nach saisonalen Jobs. Die gelegentlichen Einsätze gehörten deshalb nicht mehr zu den attraktivsten Optionen zum Geldverdienen, da es derzeit in vielen Branchen Stellenangebote gebe.

Großbritannien: Dreiviertel der Bevölkerung rechnen damit dieses Jahr keinen Santa zu sehen

Das Problem hat sich das Netzwerk Nextdoor, das Menschen online mit Nachbarn verbindet, genauer angeschaut. Das Meinungsforschungsinstitut Opinium hat im November eine Online-Umfrage unter 2000 britischen Erwachsenen durchgeführt, welche ergab, dass mehr als drei Viertel der Befragten (78 Prozent) nicht damit rechnen, in diesem Jahr irgendwo auf einen Weihnachtsmann zu treffen. Für einige fehlt damit etwas Wichtiges: Fast ein Drittel (31 Prozent) gaben an, enttäuscht zu sein, sollte ihre Weihnachtszeit ganz ohne Santa auskommen müssen.

Genug Grund für das Netzwerk zu versuchen, Abhilfe zu schaffen: In mehreren Städten organisierten die Verantwortlichen Santa-Trainings, wie Nextdoors Community-Chefin Roisin O‘Niell berichtete. „Darin lernen unsere Santa-Helfer alles, was sie brauchen, vom richtigen „Ho, Ho, Ho“ über Rentier-Namen, wie man sich verkleidet und schminkt, welche Wörter man verwendet, wie man Kinder begrüßt, bis hin zu festlichen Quiz-Spielen.“ So habe man in London, Manchester, aber auch Wales und Schottland in diesen Wochen bis zu 100 freiwillige Helfer ausgebildet. „Die Reaktionen waren unglaublich“, erzählte O‘Niell.

Santa Pressestelle trotz Mangel in Großbritannien zufrieden: „Grüße vom Nordpol-Hauptsitz (…)

Immerhin scheinen jene professionelle Santas, die die weihnachtliche Arbeit auch in diesem Jahr verrichten, trotz aller Hürden zufrieden zu sein. Auf Anfrage heißt es aus der Pressestelle von Rent-A-Santa nur: „Grüße vom Nordpol-Hauptsitz – es gibt nur einen Santa, und alles ist wunderbar und sehr geschäftig.“ (lz/dpa)

Rubriklistenbild: © Danny Lawson/dpa

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