Großrazzia gegen Mädchenhändler

Stuttgart - Rund 50 Mädchen soll ein Familienclan aus dem Kosovo illegal unter anderem nach Deutschland geschleust haben. Bei einer bundesweiten Razzia ging der mutmaßliche Mädchenhändlerring nun der Polizei ins Netz.

Mit einer bundesweiten Razzia hat die Polizei einen mutmaßlichen Mädchenhändlerring aus dem Kosovo gesprengt. Wie das Landeskriminalamt am Mittwoch in Stuttgart mitteilte, wurden im Zuge der Ermittlungen mindestens zwei „sklavenartig“ gehaltene Mädchen befreit. Am Dienstag durchsuchten demnach rund 150 Einsatzkräfte 14 Wohnungen in Baden-Württemberg, Hessen und Niedersachsen. Razzien gab es auch in Frankreich und Belgien. Im Raum Singen im südlichen Baden-Württemberg wurden vier Hauptverdächtige im Alter zwischen 18 und 57 Jahren festgenommen.

Im Kreis Esslingen befreiten die Beamten am Dienstag eine 14-Jährige und gaben sie in die Obhut einer Opferschutzorganisation. Ein Familienclan aus dem Kosovo soll etwa 50 Mädchen illegal nach Deutschland sowie Frankreich, Belgien und Skandinavien geschleust haben.

Im September 2011 brachte eine Wohnungsdurchsuchung im Landkreis Konstanz die Ermittlungen ins Rollen. Den Beamten war ein 15-jähriges Mädchen aufgefallen, das dort gefangen gehalten und körperlich und sexuell misshandelt worden war. Bei den folgenden Ermittlungen wegen Menschenhandel, Vergewaltigung und Freiheitsberaubung hatte die Staatsanwaltschaft Konstanz insgesamt 22 Personen im Alter von 18 bis 60 Jahren im Visier, darunter vier Frauen.

Die Beamten durchsuchten Wohnungen in den Kreisen Konstanz und Esslingen sowie im Rems-Murr-Kreis, Stuttgart und Heidelberg. In Hessen wurden zwei Wohnungen im Schwalm-Eder-Kreis und in Niedersachsen eine Wohnung im Kreis Cuxhaven durchsucht. Dabei wurde umfangreiches Beweismittel sichergestellt, darunter rund 27 000 Euro Bargeld sowie mehrere Computer und Datenträger.

Die Opfer stammen der Polizei zufolge überwiegend aus dem Kosovo und anderen Nachfolgestaaten des früheren Jugoslawien. Sie wurden demnach mit falschen Personaldokumenten via Italien und Frankreich über die Grenzen gebracht und ohne soziale Bindungen und Entlohnung wie Sklavinnen als Hauspersonal gefangen gehalten.

dpa

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