Pflanzenabwehrstoff kann Leber schaden

Grüne-Soße-Kraut Borretsch enthält laut Wissenschaftlern Giftstoffe

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Beliebt bei Grüne-Soße-Köchen: Borretsch.

Braunschweig. Sieben Kräuter hacken hessische Köche in die beliebte Grüne Soße. Eines davon steht nun im Verdacht, ihnen den Appetit gründlich verderben zu können. In Borretsch, warnen Wissenschaftler und Verbraucherschützer, steckten Pyrrolizidinalkaloide (PA), chemische Stoffe, mit dem sich das Kraut hungrige Raupen und Käfer vom Stängel hält.

Doch die Pflanzenabwehrstoffe, von denen es mehr als 500 gibt, können laut Untersuchungen, auch die menschliche Leber schädigen sowie, wenn sie über lange Zeiträume aufgenommen werden, das Erbgut verändern oder sogar Krebs auslösen.

Die Technische Universität Braunschweig hat frische, getrocknete und tiefgekühlte Kräuter-Produkte aus Supermärkten untersucht. „Alle Produkte, die laut Inhaltsliste Borretsch enthalten sollten, waren bei den Untersuchungen PA-positiv“, sagt der Lebensmittelchemiker Till Beuerle dazu. Sieben Gramm Borretsch, die Menge für eine Portion grüne Soße, enthielten das Drei- bis 16-Fache der Tagesdosis, die europäische Behörden bei einem Erwachsenen für unbedenklich halten.

„Wer das gesundheitliche Risiko vermeiden will, verzichtet vorsorglich auf das Küchenkraut und ersetzt es durch unbedenkliche Kräuter wie Dill oder Zitronenmelisse“, rät die Verbraucherzentrale Hessen. Auch Beuerle plädiert dafür, das Kraut aus dem Rezept zu streichen – zumal Borretsch „nicht unbedingt der Geschmack- oder Aromaträger der Grünen Soße“ sei. Doch die Wissenschaftler tun sich schwer mit dem bis zu 70 Zentimeter hohen Kraut mit den blauen Blüten und den derben, behaarten Blättern. Denn den Zusammenhang zwischen Pyrrolizidinalkaloiden und Krebs bei Menschen Krebs nachzuweisen ist schwierig.

Die Erkenntnisse stützen sich auf Tierversuche und Untersuchungen in menschlichen Zellkulturen im Labor. Auch die Frage, ob die Pflanzenstoffe Embryos schädigen können, ist noch nichtabschließend geklärt Schon vor Jahren riet das BfR vorsichtshalber, die Aufnahme von PA so gering wie möglich zu halten. Ein Erwachsener sollte, bei einem Körpergewicht von 60 Kilogramm, nicht mehr als 0,42 Mikrogramm am Tag aufnehmen.

Auch in Tee und Honig hat das BfR die giftigen Stoffe entdeckt. Sie können etwa über Huflattich oder Greiskraut hineingelangen. Letzteres wurde 2009 etwa in Rucola und Salatmischungen gefunden. Gewaltige Rückrufaktionen waren die Folge. Wer gern Kräutertee trinkt, sollte es bei weniger als drei Tassen pro Tag bewenden lassen, rät die Verbraucherzentrale.

Von Barbara Will

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