Zweifelhafter Trend aus den USA greift auch in Deutschland um sich

Gruselclowns auch bei uns: Fragen und Antworten zum unheimlichen Phänomen

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Treiben ihr Unwesen: Als Gruselclowns verkleidete Menschen machen sich einen Spaß daraus, andere zu erschrecken.

Kassel. Halloween, das Fest der Geister und des Spuks, ist noch ein paar Tage hin, doch schon jetzt geht es in Deutschland unheimlich zu.

Gruselige Clowns treiben hierzulande ihr Unwesen. Mit Baseballschlägern oder Messern bewaffnet lauern maskierte Menschen hinter Büschen und warten darauf, Passanten zu erschrecken. Mittlerweile meldet die Polizei bundesweit Fälle, es gibt erste Verletzte.

Was hat es mit den Clowns auf sich? 

Der zweifelhafte Trend der Gruselclowns hat seinen Ursprung in den USA. Seit zwei Jahren registrieren die Behörden dort entsprechende Vorfälle. Als Videos tauchen die makabren Streiche dann oft im Internet auf. Allmählich kommt der Trend auch in Deutschland an.

Welche Fälle gab es in Deutschland? 

Allein in Nordrhein-Westfalen gab es seit Donnerstagabend mindestens drei neue Fälle: In Wesel erschreckte ein mit Kettensäge ausgerüsteter Clown eine Frau. Ein 26-Jähriger wurde in Essen von einem Clown angegriffen, der mit einer Holzlatte bewaffnet war. Wenige Stunden später verängstigte ein Clown eine 17-jährige Essenerin. Auch andere Bundesländer melden Attacken: Horrorclown-Begegnungen gab es auch in Greifswald, Dortmund, Lüneburg, Hockenheim, Bochum und Leipzig. In Rostock und Gelsenkirchen wurden zwei Menschen sogar verletzt. Besonders makaber: „Ihr werdet alle sterben“ stand auf einem Plakat, das ein Clown an einer Grundschule in Stendal in der Hand hielt.

Gibt es auch schon Fälle in der Region? 

Bislang seien keine Fälle in Nordhessen bekannt, sagt Matthias Mänz vom Polizeipräsidium Nordhessen. Gerade an und um Halloween sei die Polizei in diesem Jahr für das Phänomen aber besonders sensibilisiert. Auch Karsten Lotze, Sprecher der Polizei in Göttingen, sind keine Fälle bekannt. Dennoch rückt das Phänomen näher: Wie die Hildesheimer Zeitung gestern berichtete, sollen in Hildesheim Clowns gesichtet worden sein. Die Polizei wurde alarmiert, bei Eintreffen der Beamten sei aber niemand gesehen worden.

Was bringt Menschen dazu, andere so zu erschrecken? 

„Für viele ist das ein Spaß, einige wenige scheinen aber eine sadistische Motivation zu haben, wenn man sich die Aggressivität einiger Taten anschaut“, sagt Jens Hoffmann, Leiter des Instituts für Psychologie und Bedrohungsmanagement in Darmstadt. „Das Erschrecken hat eine lange Tradition, besonders zu Halloween. Das hat sich verselbstständigt, da gibt es einen großen Nachahmungseffekt.“

Drohen den Verkleideten Strafen? 

Spätestens, wenn mit einem Messer oder einer anderen Waffe gedroht wird, ist das kein Spaß mehr, sagt Polizeisprecher Mänz. Jemanden zu erschrecken, sei an sich keine Straftat, wenn jemand bedroht oder verletzt wird, erfüllt es allerdings einen Straftatbestand. Ein Beispiel: In Gelsenkirchen hat ein 16-Jähriger einen 14-jährigen Mitschüler angegriffen, bewaffnet mit einem Baseballschläger. Der Jüngere flüchtete und verletzte sich schwer an der Hand. Gegen den Täter wird nun wegen Bedrohung und Körperverletzung ermittelt. Er hatte sich der Polizei gestellt.

Was soll ich bei einem Clown-Angriff tun?

Jens Hoffmann rät jedem, der auf einen Gruselclown trifft, keine Angst zu zeigen und sich nicht provozieren zu lassen. „Fordern sie die Person deutlich auf, wegzugehen“, sagt der Psychologe. Wenn man sich - wie in einigen Fällen bereits geschehen - gegen Clowns zur Wehr setzt, kann es sich dabei je nach Bedrohungslage um Notwehr handeln, sagt der Kasseler Polizeisprecher Matthias Mänz. Die Polizei rate aber ab, einen Maskierten anzugreifen: Wer sich bedroht fühlt, sollte sich in Sicherheit bringen, andere auf die Situation aufmerksam machen und die Polizei verständigen. (mit dpa)

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