Gunter Sachs: Freitod in der Schweiz

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Gunter Sachs

Berlin/Gstaad - Der Fotograf und legendäre Playboy Gunter Sachs ist tot. Der 78-Jährige erschoss sich am Samstag in seinem Haus in Gstaad in der Schweiz.

Das sagte ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur dapd am Sonntag. Sachs' Sohn Rolf kündigte für Sonntagabend eine Presseerklärung an, wie die Illustrierte “Bunte“ mitteilte.

Sachs, dessen erster Vorname Fritz war, wurde auf Schloss Mainberg bei Schweinfurt geboren. Noch vor Gunter Sachs' drittem Geburtstag trennten sich seine Eltern, und er wuchs, nach einiger Zeit im Waisenhaus, mit seinem älteren Bruder bei seiner Mutter, Elinor von Opel, in der Schweiz auf.

Sachs war von klein auf für Sensationen gut - mit 14 gewann er im Simultanschach gegen neun Lehrer seines Internats. Er studierte Mathematik und Wirtschaft, absolvierte eine Feinmechaniker- sowie eine Banklehre und erwarb schließlich noch ein französisches Dolmetscherdiplom. Bis in die sechziger Jahre vertrat er die Auslandsaktivitäten der Schweinfurter Sachs-Gruppe, die sein Bruder Ernst Wilhelm nach dem Tod des Vaters leitete.

Deutschlands einziger Playboy

Der Ururenkel des Opel-Gründers Adam Opel hatte sich als “Deutschlands einziger Playboy“ einen Namen gemacht. Seit im Sommer 1962 seine Liaison mit der persischen Exkaiserin Soraya Schlagzeilen machte, verfolgten die Fotografen ihn auf Schritt und Tritt. In den 60er und 70er Jahren gehörte er zum europäischen Jetset erster Güte. Sein Name fiel im Zusammenhang mit Promis wie Twiggy, Jean-Paul Belmondo, Alain Delon, Helmut Berger, Aristoteles Onassis oder Romy Schneider.

Er galt als Mitentdecker von St. Tropez, propagierte die freie Liebe und trumpfte mit seinen Liaisons und Affären auf, bis er 1966 die umschwärmte Filmdiva Brigitte Bardot in Las Vegas ehelichte. Seinem Ruf entsprechend hatte er die damalige Sexgöttin des französischen Films umworben, indem er unzählige rote Rosen auf ihr Grundstück regnen ließ. Drei Jahre später trennte sich das Glamour-Paar aus Gründen, die beide bis heute für sich behalten haben.

Im November 1969, einen Monat nach der Scheidung, heiratete Sachs das schwedische Fotomodell Mirja Larsson in dritter Ehe. Aus dieser Ehe stammen seine beiden Söhne Christian Gunnar und Claus Alexander.

“Ich muss immer schmunzeln, wenn ich das Wort "Playboy" im Zusammenhang mit meiner Person lese“, sagte er erst vergangenes Jahr der Nachrichtenagentur dpa. Aber: Es sei doch schön, dass er mit weit über 70 noch immer als “boy“ bezeichnet werde. “Mir würde etwas fehlen, wenn diese Bezeichnung plötzlich nicht mehr fallen würde". Ein “Playboy“ sei für ihn ein Mann, der mit seiner Ausstrahlung Frauen begeistere, ohne den Respekt vor ihnen zu verlieren. “Ich befürchte allerdings, dass es immer weniger echte Playboys gibt.“

Gunter Sachs: Bilder aus seinem Leben

Gunter Sachs: Bilder aus seinem Leben

Sachs' Leben wurde von Schicksalsschlägen begleitet. Sein Vater Willy, Inhaber der Kugellager- und Motorenwerke Fichtel & Sachs, hatte sich 1958 ebenfalls mit einem Schuss das Leben genommen. Seine erste Frau, Anne-Marie Faure war 1958 an den Folgen eines Narkosefehlers gestorben. Aus dieser Ehe stammt sein Sohn Rolf. Sein Bruder Ernst Wilhelm kam 1977 bei einem Lawinenunglück ums Leben.

Erfolg als Fotograf, Filmer und Kunstsammler 

Sachs machte sich später als Fotograf einen Namen: Seine Hauptmotive waren weibliche Akte und surreale Szenen. Seine Werke wurden in zahlreichen Ausstellungen gezeigt und entpuppten sich oft als Zuschauermagneten. Sachs war 1974 Fotograf des offiziellen Plakats der Messe “Photokina“. Sämtliche Erlöse aus den Verkäufen der fotografischen Werke von Sachs kamen der Stiftung seiner Frau Mirja für Not leidende Kinder in aller Welt zugute.

Der Industriellensohn drehte auch Dokumentarfilme. Sein Wintersport-Film “Happening in White“ erhielt vor rund 40 Jahren den ersten Preis des Internationalen Olympischen Komitees.

1995 gründete er ein “Institut zur empirischen und mathematischen Untersuchung des möglichen Wahrheitsgehaltes der Astrologie in bezug auf den menschlichen Charakter“. Er selbst sah seine typischste Eigenschaft als Skorpion “mein Eulenspiegel-Zwinkern“. Sein Buch “Die Akte Astrologie“ brachte ihm nicht nur wohlwollende Kritiken ein.

Seine Schau “Die Kunst ist weiblich“ im Leipziger Museum der bildenden Künste sahen 2008 rund 53.800 Besucher. Die Rekordmarke für das Haus wurde erst zwei Jahre später von Neo Rauch übertroffen. Auch der Kunstsammler Sachs hatte im internationalen Vergleich eine Sonderrolle inne. Weil er zu Salvador Dalí, Yves Klein und Roy Lichtenstein enge persönliche Kontakte pflegte, zählte seine Sammlung zeitgenössischer Kunst zu den bedeutendsten in Europa.

Sachs stand zu seiner Vorliebe für die schönen Dinge des Lebens. “Ob Pfau oder Frau, Fauna oder Flora. Jeder präsentiert sich lieber attraktiv als unscheinbar“, sagte er 2009 anlässlich einer Ausstellung im Museum Frieder Burda.

Brigitte Bardot "am Boden zerstört"

Brigitte Bardot sei unterrichtet worden und “am Boden zerstört“. Sie habe in den letzten 20 Jahren ein sehr enges Verhältnis zu ihrem Ex-Mann behalten.

dapd/dpa

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