Gurlitt-Sammlung: Doch kein deutsches Kulturgut?

München/Bern - Das Bayerische Kultusministerium will die Sammlung Gurlitt nach ersten Erkenntnissen nicht zum deutschen Kulturgut erklären.

Das Bayerische Kultusministerium will die Sammlung Gurlitt voraussichtlich nicht zum deutschen Kulturgut erklären. „Wir sehen nach derzeitigem Stand keinerlei Handlungsbedarf“, sagte am Montag ein Ministeriumssprecher und bestätigte einen Bericht des „Focus“.

Das zuständige Ministerium hatte im Mai angekündigt, die Sammlung des verstorbenen Kunsthändlersohns Cornelius Gurlitt auf ihre Bedeutung für das deutsche Kulturgut zu prüfen, nachdem bekanntwurde, dass Gurlitt seine Bilder dem Kunstmuseum Bern vermacht hat. Denn bei einer Ausfuhr der Sammlung in die Schweiz könnte unter Umständen das Gesetz zum Schutz deutschen Kulturgutes gegen Abwanderung greifen. Das Gesetz besagt, dass Werke, die im „Verzeichnis national wertvolles Kulturgut“ aufgelistet sind, bei Ausfuhr ins Ausland eine amtliche Genehmigung benötigen.

Nazi-Raubkunst: Werke aus dem Gurlitt-Fund

Vier der insgesamt 25 Werke aus dem spektakulären Münchner Kunstfund, die seit 11.11.2013 online einsehbar in der Lostart-Datenbank aufgelistet sind. Juristen nehmen an, dass es sich bei den Bildern um Nazi-Raubkunst handelt. © dpa
Hans Christoph: "Paar", Aquarell, 1924. © dpa
Eugène Delacroix: "Conversation mauresque sur une terrasse", undatierte Bleistiftzeichnung. © dpa
Carl Spitzweg: "Das Klavierspiel", Zeichnung, um 1840. © dpa
Antonio Canaletto: "Sa. Giustina in Prà della Vale" in Padua, Druckgrafik, 1751/1800. © dpa
Max Liebermann: "Reiter am Strand", Gemälde, 1901. © dpa
Christoph Voll: "Mönch", Aquarell, 1921. © dpa
Fritz Maskos: "Sinnende Frau", Druckgrafik, 1922. © dpa
Conrad Felixmüller: "Paar in Landschaft", Aquarell, 1924. © dpa
Wilhelm Lachnit: "Mann und Frau am Fenster", Aquarell, 1923. © dpa
Otto Griebel: "Die Verschleierte", Aquarell, 1926. © dpa
Antonio Canaletto: "Sa. Giustina in Prà della Vale" in Padua, Druckgrafik, 1751/1800. © dpa
Ludwig Godenschweg: "Männliches Bildnis", undatierte Druckgrafik. © dpa
Otto Dix: "Dompteuse", Aquarell, 1922. © dpa
Auguste Rodin: "Etude de femme nue debout, les bras relevés, les mains croisées au-dessus de la tête", undatierte Zeichnung. © dpa
Bonaventura Genelli: "Männlicher Akt", undatierte Zeichnung. © dpa
Erich Fraaß: "Mutter und Kind", Aquarell, 1924. © dpa
Henri Matisse: "Sitzende Frau / In einem Sessel sitzende Frau", Gemälde, um 1924 © dpa
Wilhelm Lachnit: "Mädchen am Tisch", 1923. © dpa
Marc Chagall: "Allegorische Szene", Gemälde.  © dpa
Bernhard Kretschmar: "Straßenbahn", Aquarell. © dpa
Christoph Voll: "Sprengmeister Hantsch", Zeichnung, 1922. © dpa
Théodore Rousseau: "Vue de la vallée de la Seine", undatierte Zeichnung. © dpa
Ludwig Godenschweg: "Weiblicher Akt", undatierte Druckgrafik. © dpa
Die Bilder sind außerdem zu sehen unter www.lostart.de. © dpa

„Unser Experte im Haus hat das geprüft und sieht derzeit keinen Grund, das zu tun“, sagte der Ministeriumssprecher. Die gesamte Sammlung auf die Liste zu setzen habe ohnehin nie zur Debatte gestanden. „Es ging immer nur - wenn überhaupt - um einzelne Bilder.“

Derweil ist noch immer nicht klar, ob das Kunstmuseum Bern das Erbe antreten will. Museumsdirektor Matthias Frehner hatte angekündigt, das Haus wolle das Für und Wider prüfen. Beim Amtsgericht München war nach Angaben einer Sprecherin am Montag noch keine Stellungnahme des Museums eingegangen.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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