Hafenunglück in Genua

Schiff kracht in Kontrollturm - viele Tote

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Ein Frachtschiff hat am späten Dienstagabend einen Kontrollturm im Hafen von Genua gerammt

Genua - Bei einem Schiffsunfall in Italien sind mindestens sieben Menschen ums Leben gekommen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Kapitän des havarierten Frachtschiffs und einen Hafenlotsen.

Nach der Kollision eines Frachtschiffs mit einem Kontrolltrum im Hafen von Genua rätselt die Polizei weiter über die Unfallursache. Mindestens sieben Menschen kamen ums Leben, wie ein Sprecher der Feuerwehr sagte. Am Donnerstag galten noch immer zwei Menschen als vermisst. Ungeklärt blieb zunächst, warum und wie das Containerschiff bei als perfekt beschriebenen See- und Wetterbedingungen derart außer Kontrolle geraten konnte. Beim Auslaufen war ein Lotse an Bord; das 40 000-Tonnen-Schiff wurde von zwei Schleppern begleitet.

Das Unglück hatte sich am Dienstag gegen 23.00 Uhr während eines Schichtwechsels der Kontrolleure ereignet. Der Kontrollturm hatte direkt an einem Dock am Wasser gestanden. Am Morgen war davon nur noch eine schwer beschädigte Außentreppe übrig. Der Turm selbst war entweder im Wasser oder unter einem Trümmerhaufen am Dock verschwunden. „Dieses Ereignis ist unglaublich, weil wir beste Wetterbedingungen für die Schifffahrt hatten“, sagte Luigi Merlo, Präsident der Hafenbehörde von Genua.

Bei dem Frachtschiff handelte es sich um die „Jolly Nero“ der italienischen Schifffahrtsgesellschaft Ignazio Messina & C.SpA. Das Schiff ist 239 Meter lang und 30 Meter breit. Laut Medienberichten soll es bei der Ausfahrt aus dem Hafen von Genua wegen eines Motorschadens unmanövrierbar geworden sein. Von der Schiffscrew wurde offenbar niemand vermisst. Die vier Verletzten wurden nach Angaben der Rettungsdienste in Krankenhäuser von Genua gebracht. Ihr Zustand sei kritisch, hieß es.

Unter den Toten waren laut Behörden drei Mitglieder der Küstenwache, ein Hafenkapitän sowie der Betreiber eines Schleppschiffs. Wie am Mittwoch bekannt wurde, ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Kapitän des havarierten Frachtschiffs und den Hafenlotsen, der sich an Bord des Schiffs befand, wegen fahrlässiger Tötung. Derartige Ermittlungen sind bei solchen Zwischenfällen in Italien nicht ungewöhnlich.

Ein Sprecher der Schifffahrtsgesellschaft, Stefano Messina, wurde von der Nachrichtenagentur ANSA mit den Worten zitiert, ein solcher Unfall sei in der Geschichte des 1921 gegründeten Unternehmens noch nicht vorgekommen. „Wir sind am Boden zerstört“, sagte er.

Das Parlament hielt eine Schweigeminute für die Opfer von Genua und der Bürgermeister der Stadt rief eine Zeit der Trauer aus. Italiens Präsident Giorgio Napolitano kondolierte den Angehörigen. Die Stadt an der ligurischen Küste ist der wichtigste Frachthafen Italiens. Dort landen auch Kreuzfahrtschiffe. Italien hatte erst 2012 eine Schifffahrtskatastrophe erlebt, als bei der Havarie der „Costa Concordia“ 32 Menschen starben.

Bilder vom Unglücksort

Tödliches Hafenunglück in Genua

AP

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