Haiti: Täglich 10.000 Tote in Massengräbern beerdigt

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Hilfe nach dem Erdbeeben in Haiti.

Port-au-Prince - Auf Haiti werden inzwischen bis zu 10.000 Erdbebenopfer pro Tag in Massengräbern beigesetzt. Sogar Bulldozer kamen zum Einsatz.

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Mit dem schweren Gerät wurden nördlich der Hauptstadt Port-au-Prince acht Meter tiefe Gräben ausgehobe. Ein AP-Reporter zählte 15 Grabhügel. Mit den drastischen Maßnahmen wollen die Behörden verhindern, dass die Zahl der rund 200.000 Toten durch Seuchen noch rasant steigt. Etwa 80.000 Opfer sind nach Behördenangaben bereits beigesetzt worden. Viele der Arbeiter an den Massengräbern sind inzwischen traumatisiert. “Ich habe so viele Kinder gesehen, so viele Kinder. Ich kann nachts nicht mehr schlafen. Und wenn ich es kann, dann habe ich Alpträume“, sagt der 38-jährige Foultone Fequiert. “Allein gestern sind 10.000 Leichen angekommen.“

Zeit für religiöse Zeremonien gibt es nicht. Und die Möglichkeit, dass Angehörige später ihre Verstorbenen wiederfinden und in persönliche Gräber legen können, ist gleich null. Die Suche nach Überlebenden wurde auch den neunten Tag in Folge fortgesetzt. Noch am Mittwoch konnte ein fünfjähriger Junge nahezu unverletzt gerettet werden.

Das Kind wurde eher durch Zufall in den Trümmern eines Hauses in Port-au-Prince gefunden, wie die US-Hilfsorganisation International Medical Corps (IMC) mitteilte. Der Junge leide an Austrocknung, sei aber sonst unverletzt, sagte eine Sprecherin, Margaret Aguirre.

Ein Onkel des Jungen berichtete, Verwandte hätten einen Toten aus den Trümmern bergen wollen, als plötzlich jemanden gerufen habe: “Hier bin ich, hier bin ich“. Unterdessen steigt die Sorge, dass die Zahl der Toten bei Ausbruch von Seuchen rasant steigen könnte. Grund sei vor allem die katastrophale sanitäre Situation in den Lagern, in denen die Zigtausenden Obdachlosen Unterschlupf gefunden hätten, erklärte Greg Elder, der stellvertretende örtliche Leiter von Ärzte ohne Grenzen. Nach jüngsten Schätzungen der Vereinten Nationen sind von dem Beben vom 12. Januar insgesamt drei Millionen Menschen betroffen.

Haiti: Der Kampf ums Überleben

Haiti: Der Kampf ums Überleben
Männer suchen unter den Toten Angehörige © AP
Haiti: Der Kampf ums Überleben
Auch eine junge Frau vermisst Angehörige © AP
Haiti: Der Kampf ums Überleben
Identifizierte Tote werden mit einem Band um den großen Zehen markiert © AP
Haiti: Der Kampf ums Überleben
Ein Mann schützt sich mit Kleiderfetzen vor dem Verwesungsgeruch © AP
Haiti: Der Kampf ums Überleben
Ein Mann hat sich an einer Tankstelle zwei Kanister Benzin abgefüllt. Vielerorts wurden Geschäfte geplündert © AP
Haiti: Der Kampf ums Überleben
Fast alle Anwesenden versuchen, sich umsonst Benzin abzuzapfen © AP
Haiti: Der Kampf ums Überleben
Ein Mann steht einer verletzten Frau bis zu deren Behandlung bei © AP
Haiti: Der Kampf ums Überleben
Nur der Arm eines verschütteten Opfers ragt aus den Trümmern © AP
Haiti: Der Kampf ums Überleben
Ein verletztes Kind wird notdürftig genäht © AP
Haiti: Der Kampf ums Überleben
Ein spanischer Helfer rettet den Zweijährigen Redjeson Hausteen © AP
Haiti: Der Kampf ums Überleben
Der Kleine klammert sich an seinen Lebensretter © AP
Haiti: Der Kampf ums Überleben
Schnell durfte er wieder in die Arme seiner Mutter © AP
Haiti: Der Kampf ums Überleben
Ein Kind wird unter mütterlichem Beistand vom Arzt behandelt © AP
Haiti: Der Kampf ums Überleben
Ein Überblick des Grauens © AP
Haiti: Der Kampf ums Überleben
Gladys Louis Jeune ist eine der Überlebenden © AP
Haiti: Der Kampf ums Überleben
Die Retter haben sie nach 43 Stunden aus den Trümmern befreit © AP
Haiti: Der Kampf ums Überleben
Prominenter Beistand: Rapper Wyclef Jean reist in seine Heimat © AP
Haiti: Der Kampf ums Überleben
Ein chinesischer Arzt versorgt ein verletztes Kind © AP
Haiti: Der Kampf ums Überleben
In einer notdürftig errichteten Klinik werden Verletzte so gut es geht versorgt © AP
Haiti: Der Kampf ums Überleben
Der Franzose Pascal Simon koordiniert die Versorgung mit Arzneimitteln © AP
Haiti: Der Kampf ums Überleben
Auch Sarla Chand, 65, aus New Jersey zählt zu den Geretteten © AP
Haiti: Der Kampf ums Überleben
Französische Feuerwehrmänner haben sie von den Trümmern befreit und bringen sie ins Krankenhaus © AP

In den Krankenhäusern hat sich für Behandlungen ein Rückstau von bis zu zwölf Tage gebildet, wie Ärzte erklärten. Die unbehandelten Wunden der zahllosen Verletzten schwären weiter. Die USA bereiten ihren Militärstützpunkt Guantanamo auf Kuba für einen möglichen Ansturm haitianischer Flüchtlinge vor. Auf dem Gelände wurden bereits etwa 100 Zelte für jeweils zehn Personen errichtet, wie Konteradmiral Thomas Copeman am Mittwoch sagte.

Sollten Überlebende der Erdbebenkatastrophe tatsächlich massenweise ihr Land verlassen, stünden mehr als 1.000 weitere Zelte zur Verfügung. Auch Feldbetten und andere Dinge seien für den Notfall gelagert, erklärte Copeman. Der Admiral ist Befehlshaber der Sondereinheit für das umstrittene US-Gefangenenlager für Terrorverdächtige auf dem Marinestützpunkt.

Die Flüchtlinge aus Haiti würden allerdings getrennt von den noch rund 200 Lagerinsassen untergebracht. Das Gefangenenlager und das Auffanglager für Flüchtlinge liegen etwa vier Kilometer auseinander. Anfang der 1990er Jahre waren bereits Tausende Bootsflüchtlinge aus Haiti vorübergehend auf dem Stützpunkt Guantanamo untergebracht worden.

Paul Haven und Mike Melia, ap

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