Abenteuer auf der Schiene

Halb Auto, halb Zug: Künstler erkunden alte Bahnstrecken mit Spezialfahrzeug

Mexiko-Stadt. Mit einem umgebauten Auto verlassene Eisenbahnstrecken abfahren - diese Idee hatten die mexikanischen Künstler Ivan Puig und Andrés Padilla Domene. Die Abenteuerreise führte sie von 2010 bis 2012 quer durch die entlegendsten Ecken Mexikos und Ecuadors.

In beiden Ländern wurden in den 1850er- und 70er-Jahren die ersten Eisenbahnstrecken gebaut. Unerreichbare Bereiche waren auf einmal erreichbar - und wirtschaftlicher Aufschwung setzte über Jahrzehnte spür- und sichtbar ein. Doch nach der Privatisierung der mexikanischen Eisenbahn 1996 wurden fast 9000 Kilometer des ursprünglich 26.000 Kilometer umfassenden Schienennetzes Mexikos stillgelegt. Umwelteinflüsse und Geldmangel legten auch Teile der ecuadorianischen Eisenbahn lahm. Mit einher ging der Niedergang abgeschnittener Regionen. Jene stillgelegten Eisenbahnlinien suchten Puig und Domene und befuhren sie - auf der Suche nach Bildern, Geschichten und Mitbringseln, um die Entwicklungen vor Ort zu dokumentieren.

Bilder von dem Gefährt sowie Aufnahmen und Eindrücke von der Reise finden sie unter diesem Link auf Twitter.

Der Name der Abenteuerreise „Seft-1“ leitete sich von „Sonda de Exploración Ferroviaria Tripulada“ ab, zu Deutsch „bemannte Eisenbahn-Forschungssonde“. Dementsprechend futuristisch sieht auch „Seft-1“ aus: Basis der „Forschungssonde“ ist ein von der mexikanischen Eisenbahngesellschaft ausrangierter Pick-up, Modell Ford F-150, der mit einem  Zwei-Wege-Antrieb ausgestattet ist. Für Straßen gibt es die normalen Räder, für die Schienen dagegen absenkbare Stahlräder. Der Straßenantrieb ist weiterhin nötig, weil auf den verlassenen Bahnstrecken die Schienen häufig nicht mehr intakt, Tunnel oder Brücken beschädigt sind.

Da der Trip auf über zwei Jahre angelegt war, musste die Sonde auch Wohnwagen-Qualitäten aufweisen. Die selbstkonstruierte, kuppelartige Aluminiumkarosserie macht das Auto geräumiger - und gibt ihm als i-Tüpfelchen die außerirdische Anmutung. Wie die Astronauten hätten die beiden im Auto geschlafen, gegessen, gelebt - daher nannten sich Puig und Domene auch „Ferronauten“.

Mit einer beeindruckenden und umfangreichen Sammlung von Artefakten, Geschichten und Bildern sind die Künstler von ihrer Abenteuerreise zurückgegekehrt. Jene Dokumentation ist derzeit bis zum 27. Juli in einer Ausstellung in der Furtherfield Gallery in London zu sehen - samt der „Eisenbahn-Forschungssonde Seft-1“.

Von Alexander Koch

Rubriklistenbild: © dpa

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