Drohnen sind in Hallstatt verboten

Asiaten lieben Hallstatt: Nun wehren sich die Österreicher gegen den Touristen-Boom

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Asiatische Touristen bei der Arbeit: Urlauber aus Fernost lieben Hallstatt im Salzkammergut, weil der Ort in China nachgebaut wurde.

Jedes Jahr kommt mehr als eine Million Touristen nach Hallstatt in Österreich - vor allem Asiaten. Nun hat der 800-Einwohner-Ort eine radikale Maßnahme beschlossen.

Wer im Urlaub seine neue Drohne ausprobieren möchte, sollte auf keinen Fall nach Hallstatt fahren. Seitdem der 800-Einwohner-Ort am Hallstätter See in Österreich von chinesischen Touristen entdeckt wurde, sind die Flugobjekte dort verboten. Gäste aus Fernost filmten und fotografierten mit den Drohnen in die pittoresken Wohnhäuser. Es ist ja auch zu schön hier. 

So schön, dass die Gemeinde vor allem von Asiaten überrollt wird. Zuletzt war die Zahl der Busse von 8000 auf 20.000 gestiegen. Nun wehrt sich Hallstatt: Von 2020 dürfen nur noch Reisebusse in den Ort, wenn die ein Zufahrts-Ticket gekauft haben. Und die sind rar. Der Ansturm der Busse soll so um ein Drittel verringert werden. Zugleich sollen die Gäste, die wie am Fließband kommen und gehen, mindestens 150 Minuten bleiben. Die Entscheidung im Gemeinderat fiel einstimmig.

Es lieben aber nicht nur wohlhabende Urlauber aus Fernost das Salzkammergut. Es ist auch der ideale Ort für Ferien mit der Familie. „Bei uns ist für jedermann alles dabei“, sagt Wanderführerin Betty Jehle, die mit kleinen und großen Gästen die Natur rund um das Dachsteingebirge erkundet. Stimmt das wirklich? Wir haben uns zwischen all den Gästen aus Fernost umgeschaut.

Dieser Beitrag stammt von der Video-Plattform Glomex und wurde nicht von HNA.de erstellt.

Hallstätter See

Zumindest ist die Region von der Unesco gleich doppelt ausgezeichnet: Sie ist Weltnatur- und Kulturerbe, eine Seltenheit. Die Berge sind fast 3000 Meter hoch und „von einzigartiger Schönheit“, wie es das Welterbe-Komitee formuliert. Zudem ist der Ort ein Denkmal für frühe wirtschaftliche und kulturelle Tätigkeiten. 

Schon vor 7000 Jahren wurde hier Salz abgebaut. Die Berge boten Schutz vor Feinden, der See lieferte Nahrung und das Salz brachte Wohlstand. Ihre Häuser bauten die Hallstätter quasi direkt in den Berg, alles wurde über den See transportiert. Erst in den 60er-Jahren entstand die Randstraße, über die heute bis zu 80 Busse pro Tag die Touristen ankarren. 

Die Chinesen sind so verrückt nach diesem Paradies, dass sie 2012 eine Kopie von Hallstatt in der Provinz Guang dong errichteten. Seitdem kommen noch mehr Asiaten nach Europa, um das Original zu bewundern. Viele Einheimische sind genervt von den mehr als eine Million Touristen im Jahr, sie wissen aber auch das, was die Fremdenführerin sagt: „Ohne die Gäste wäre Hallstatt ein toter Ort.“

Blick auf den Hallstätter See.

Salz aus Hallstatt

Richtig lebendig ist es auch in den Salzwelten hoch oben über dem See. Im ältesten Salzbergwerk der Welt können Besucher auf einer Rutsche 64 Meter in die Tiefe sausen. Entstanden ist hier eine Art Salz-Disneyland. In drei Kinos unter Tage wird erklärt, wie das Meersalz vor Millionen von Jahren in den Berg kam und wie es heute noch per Sole abgebaut wird.

Es fehlt nur noch ein Salz-Musical, vielleicht mit Hits von Salt’n’Pepa. Dafür kann man mit der Zunge das Salz von den Wänden lecken. Man sollte sich aber bewusst machen, dass das viele der jährlich 150.000 Besucher ebenfalls tun.

Die Berge bei Hallstatt

Wer schon mal mit Kindern in den Alpen wandern war, weiß, wie anstrengend das sein kann. Man muss ein großer Motivator sein – oder man bucht eine Tour mit der Wanderführerin Betty Jehle. Die ehemalige Kellnerin hat sich vor acht Jahren selbstständig gemacht und erklärt Kindern beim Ausflug auf die Alm Enzian und Alpen-Kuhschelle.

Über das Wandern sagt Betty: „Du kannst nicht einfach nur gehen, du brauchst ein Thema.“ So schaut sie mit Familien zu, wie Käse auf der Alm hergestellt wird. Trekking-Touren mit dem Esel kann man ebenfalls bei ihr buchen.

Ihr Angebot steht für eine Wende im Alpen-Tourismus. Durch den Klimawandel werden immer mehr Skigebiete zurückgebaut. Dafür wird die Saison von Mai bis Oktober vielfältiger – etwa mit Klettersteigen auch für Jugendliche. Das alles macht den Kindern so viel Spaß, dass sie am Ende sagen: „Das war der beste Urlaub überhaupt.“ 

Zudem haben sie beim Wandern etwas fürs Leben gelernt. Es tut zwar etwas weh, wenn man im Gelände mal ausrutscht und auf dem Hosenboden landet. Aber Betty gibt ihnen mit auf den Weg: „Wer hinfällt, bekommt gute Knie und Hände.“

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