Statue für Aktivistin abgelehnt

Handtasche gegen Nazi: Schweden protestieren für Denkmal

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Kein Denkmal für Attacke: Die Schwedin Danuta Danielsson schlug 1985 den Teilnehmer einer Neonazi-Demo mit einer Handtasche. Weil sie dafür kein Denkmal bekommt, hängen Schweden landesweit Handtaschen über existierende Statuen. 

Stockholm. Vielleicht war es etwas zu viel an Zivilcourage, als Danuta Danielsson am 13. April 1985 einem Neonazi ihre Handtasche über den Kopf schlug.

Als ein rechter Demonstrationszug damals durch das südschwedische Städtchen Växjö marschierten, rastete die aus Polen eingewanderte Frau, deren Mutter die Qualen eines Konzentrationslagers durchgemacht hatte, aus. In diesem Moment drückte ein Fotograf auf den Auslöser seiner Kamera.

Das Pressefoto „Tante mit Tasche“ erlangte als Symbol für Zivilcourage in ganz Schweden Bekanntheit und wurde zigfach abgedruckt. In Växjö wollten unter anderem die Sozialdemokraten der Dame mit ihrer Handtasche als erhobener Waffe ein Denkmal errichten. Doch daraus wird nichts.

Man könne mit Worten, aber nicht mit Gewalt gegen andersgeartete Meinungen in der Demokratie vorgehen, argumentierte letztlich erfolgreich die rechtsliberale Stadtpolitikern Eva Johansson, die seit Jahreswechsel als Vorsitzende im Kulturausschuss der Stadt sitzt.

Även sjöjungfrun vid Lilla torg har fått en väska. #kalmar #tantenmedväskan #tantentillväxjö

Ein von Inger Wedeberg (@ingerwedeberg) gepostetes Foto am

Viele Schweden halten diese Entscheidung für falsch. Aus Protest hängen sie an bereits existierende Statuen im Land Damenhandtaschen auf, um die Tantenstatue von Växjö zu unterstützen. Bilder davon häufen sich im Internet auf Twitter und Instagram unter dem Stichwörtern #tantgate und #tantentillVäxjö.

Danuta Danielsson selbst kann sich zu der Debatte nicht mehr äußern. 1988 nahm sie sich selbst das Leben. Ob sie mit einem Denkmal einverstanden gewesen wäre, ist zumindest zweifelhaft. Die damals 38-Jährige habe das Foto von sich nie gemocht und wollte nicht als alte Tante mit Handtasche gesehen werden, berichten Angehörige der Frau. (yeu/mhs)

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