Auch in Deutschland geplant

Handy-App ortet Schulschwänzer

Sydney. In Australien wird nun Jagd auf Schulschwänzer gemacht. Eine Applikation für das Telefon verrät den Aufenthaltsort der Blaumacher. Auch in Notfällen können Eltern ihre Kinder mit dem Angebot aufspüren. Teilweise wird das System auch bereits in Deutschland verwendet.

Australische Eltern haben die Nase voll vom Schule schwänzen ihrer Kinder. Denn in manchen Gegenden tauchen nur 70 Prozent der Schüler täglich in der Schule auf. Doch damit soll bald Schluss sein. Ein australisches Software-Unternehmen hat eine Applikation (App) für ein intelligentes Telefon entwickelt, mit deren Hilfe Eltern und Schule die Schwänzer aufspüren können. Die neue Software, die mit GPS-Technologie arbeitet, soll ab Juni in australischen Schulen zum Einsatz kommen. 

Google-Link verrät den Aufenthaltsort

Die neue Software kontrolliert die täglichen Anwesenheitslisten der Schulen. Gibt es bei einem abwesenden Schüler keine Entschuldigung oder Erklärung, so alarmiert die App mit dem Namen "MGM PinPoint" die Eltern. Diese erhalten eine SMS auf ihr Mobiltelefon und einen Link zu den interaktiven Landkarten von Google Maps. Die wiederum zeigen den genauen Aufenthaltsort des Schülers in Echtzeit an.

Neben der Kartenansicht kann auch die 360 Grad-Straßenansicht gewählt werden. MGM PinPoint muss dafür natürlich auf dem Telefon des Schülers installiert sein. Löschen kann er die App nicht, sie ist durch ein Passwort geschützt, aber er muss sein Telefon natürlich bei sich tragen, damit die Überwachung während der Schulstunden auch funktioniert.

Der Anbieter der App, das australische Unternehmen MGM Wireless, hat bisher schon eine Technologie angeboten, die automatisierte SMS-Nachrichten an Eltern verschickte, sobald ihr Kind ohne Begründung in der Schule fehlte. Die neue App, die den Aufenthaltsort des Schülers nun auch noch nachverfolgt, ist ein Zusatzangebot zum ursprünglichen Produkt. Für Eltern ist die App kostenlos. Finanziert wird das Angebot von MGM Wireless über die bereits 1000 Schulen, die in Australien Kunden des Unternehmens sind.

Auch Eltern droht Strafe

Für Schulen wird die App vor allem interessant, wenn sie entdecken, dass eine ganze Gruppe von Schulschwänzern sich zum Beispiel im gleichen Park oder im gleichen Einkaufszentrum trifft. Die App kann aber natürlich auch bei einem ernsthafteren Grund helfen, sollte ein Kind oder Jugendlicher auf dem Schulweg entführt worden sein oder einen Unfall haben.

Allerdings kann der Schuss für die Eltern auch leicht nach hinten losgehen. Denn wenn sie ihr Kind krank melden und die App zeigt der Schule an, dass das Kind in Fidschi am Strand liegt, dann können sie sich selbst ebenfalls Ärger und unter Umständen sogar ein heftiges Bußgeld einhandeln.

Deutsche Bundesländer reagieren unterschiedlich

Schulschwänzer sind auch in Deutschland ein immer größeres Problem. Nach Schätzungen von Josef Kraus, dem Präsidenten des Deutschen Lehrerverbandes, schwänzten 2012 täglich bis zu 200.000 der zwölf Millionen Schüler die Schule. Jedes Bundesland handhabt das Problem bisher jedoch auf unterschiedliche Art und Weise.

Berlin, wo laut „Tagesspiegel“ über 3000 Schüler regelmäßig den Schulbesuch verweigern, testet ebenfalls schon einen SMS-Alarm wie ihn Australien eingeführt hat, bisher jedoch ohne Verfolgungssystem.

In Hannover kann das Amtsgericht den Eltern von notorischen Schulschwänzern seit Dezember 2012 das Sorgerecht in schulischen Dingen entziehen. Den Jugendlichen wird dann ein Betreuer für Bildungsangelegenheiten zugeordnet. Mecklenburg-Vorpommern verhängt hohe Bußgelder, Hamburg einwöchigen Jugendarrest und die Bayern schicken gar eine Polizeieskorte, die den Schwänzer persönlich ins Klassenzimmer begleitet. (ce)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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