Isao Takahata starb an Lungenkrebs

Heidi-Zeichner ist tot: Woher das Zeichentrick-Mädchen kommt und was aus ihm geworden ist

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Heidi gilt für die einen als urdeutsch, für die anderen ist sie der Inbegriff eines Schweizer Mädchens. Ihr Gesicht hat sie allerdings von einem Japaner.

Der Zeichner der Serie „Heidi“ ist tot: Im Alter von 82 Jahren starb Isao Takahata an Lungenkrebs. Wie ein Japaner uns bis heute dazu bringt, bei dem Namen eines Schweizer Mädchens loszujodeln.

Isao Takahato, japanischer Zeichentrickfilm-Regisseur und –Produzent, ist in einem Krankenhaus in Tokio an Lungenkrebs gestorben, das berichteten japanische Medien am Freitag. Zuletzt soll der 82-Jährige bereits gesundheitlich angeschlagen gewesen sein.

2015 war sein jüngster Film „Die Legende Der Prinzessin Kaguya“ für den Oscar „Bester animierter Spielfilm“ ausgezeichnet worden. In Deutschland zaubert aber ein ganz anderes Werk bis heute ein Lächeln auf Zuschauergesichter: Die Animeserie „Heidi“ aus den 70er-Jahren kennt fast jedes Kind. 

Bei ihrem Großvater lernt Heidi die Welt der Alpen kennen.

Sie erzählt die Geschichte eines Waisenmädchens in perfekter Schweizer Idylle. Doch wie kam es überhaupt dazu, dass ein Japaner der Welt die Alpen zeigte?

Heidi: Roman einer Schweizer Autorin

Eigentlich ist Heidi längst kein kleines Mädchen mehr: Sie ist mindestens 138 Jahre alt und heißt mit vollem Namen Adelheid. Und obwohl die Zeichnungen eines Japaners für ihre Berühmtheit sorgten, stammt sie ursprünglich gar nicht aus Japan: Sie wurde 1880 in der Schweiz geboren. In diesem Jahr zumindest veröffentlichte die Autorin Johanna Spyri den ersten Heidi-Roman. „Heidis Lehr- und Wanderjahre“ heißt er und erzählt, wie Heidi zunächst zu ihrem Großvater und später nach Frankfurt am Main zu der im Rollstuhl sitzenden Klara Sesemann geschickt wird. Dort vermisst sie bald aber die Berge so sehr, dass sie sich eine Rückkehr in die Alpen wünscht – und schließlich auch in einen Zug in Richtung Schweiz gesetzt wird.

Heidi-Ausgabe von 1887

Im zweiten Heidi-Roman „Heidi kann brauchen, was es gelernt hat“ aus dem Jahr 1881 lebt sie wieder bei ihrem Großvater und empfängt Besuch von Klara. Das Mädchen aus der Stadt lernt in den Bergen laufen – und Heidi und ihr Freund Peter lernen nach und nach das Lesen.

Umstritten ist die These, dass Heidi sogar noch älter sein könnte: 1830 schrieb der deutsche Lehrer und Autor des Liedes „Alles neu macht der Mai“ Hermann Adam von Kamp die Erzählung „Adelaide, das Mädchen vom Alpengebirge“. Der Frankfurter Germanist Peter Büttner bezeichnete sie 2010 als Inspirationsquelle für Spyris Romane – bewiesen ist diese These allerdings nicht.

Heidi: Die Zeichentrickserie

Heidi mit ihrem Freund Peter: In der Zeichentrickserie ist er sympathischer als im Roman.

Wer heute an Heidi denkt, hat sie als das rotbäckige Mädchen im Kopf, das Isao Takahata geschaffen hat: "Arupusu no shojo Haiji" heißt der Heimatfilm-Import in Japan ursprünglich und hält sich erstaunlich genau an die literarische Vorgabe. In 52 Folgen werden alle Haupt- und Nebenhandlungen des Romans erzählt. Es gibt allerdings auch feine Unterschiede und Ergänzungen: Peter ist sympathischer als im Roman, der Vogel Piep sowie der Bernhardiner Joseph sind neu und die christlichen Untertöne, die im Roman eine wichtige Rolle gespielt haben, verschwinden in der Fernsehserie: In Japan wären sie für viele Zuschauer wohl etwas verwirrend gewesen.

Wurde zum Inbegriff der Schweizer Idylle: Die Zeichentrickserie "Heidi".

Hierzulande lernen Kinder die Serie 1977 als „Heidi, das Mädchen aus den Alpen“ kennen: Ausgestrahlt vom ZDF wird die Übersetzung in Deutschland als urdeutsch empfunden. Gleichzeitig gilt sie als Identifikationsobjekt der Schweiz. Heidi taucht bald als Motiv auf Bettwäsche auf, ihr werden Puppen nachempfunden und das Titellied können sämtliche Kinder aus dem deutschsprachigen Raum mitsingen.

Heidi: Lied von Gitti und Erika

„Heidi, Heidi, deine Welt sind die Berge“ – mit dieser Melodie wurden die Schlagerstars Gitti und Erika berühmt. 40 Millionen Platten des Songs wurden verkauft, Woche für Woche jodelten Heidifans vor dem Fernseher mit. 

So klingt das Titellied auf Japanisch:

„Holadihooo!“, sangen Gitti und Erika, bis 2015 der Dämpfer für das Schwestern-Duo kam: Das ZDF hatte den Rocker Andreas Gabalier beauftragt, eine neue Version des Klassikers aufzunehmen. „Heidi hat mit dieser Version ihre Seele verloren“, ließ sich Gitti anschließend enttäuscht von der Bildzeitung zitieren.

Heidi: Zeichentrickserie in neuer Version

2015 strahlte das ZDF nicht nur eine neue Version des Titelliedes aus – auch die klassische Serie aus Japan wurde nicht länger gezeigt. Stattdessen gibt es Heidi nun animiert und in 3D: Das Aussehen wurde aus der Serie aus den 70er-Jahren übernommen, aber erneuert und modernisiert. Fans des Klassikers dürften diese Bilder einen Stich versetzen – vor allem nach dem Tod des Zeichners Takahata. Vielleicht können Gitti und Erika sie aber trösten. „Dort in den hohen Bergen, lebt eine kleine Meid. Gut Freund mit allen Tieren, ist glücklich alle Zeit“, singen sie.

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