Fettverbrennung setzt erst nach drei Tagen ein

Heilfasten und Clean Eating: So kann man abnehmen und den Körper entgiften

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Schlank nach dem Heilfasten: Ein positiver Nebeneffekt der flüssigen Ernährung ist, dass man relativ schnell einiges an Gewicht abnimmt. Allerdings nicht sofort. Denn der Körper braucht ein paar Tage Zeit, bis es an die Fettverbrennung geht.

Heilfasten - wer es nicht aus religösen Gründen macht, will meist Pfunde verlieren und seinen Körper entgiften. Was dabei zu beachten ist und wie viel man abnehmen kann, beantworten wir hier.

Nach fast zwei Jahrtausenden ist der Satz des Kirchenvaters Hieronymus aktueller denn je. Der Gelehrte (347 bis 420) sagte einst: „Mit vollem Magen lässt sich leicht vom Fasten reden.“ Heute leben wir in einer Welt des Überflusses, und wer in der aktuellen Fastenzeit nicht bewusst auf etwas verzichtet, wird von gesundheitsbewussten Selbstoptimierern für einen schrägen Vogel mit vollem Magen gehalten. Wir beantworten die wichtigsten Fragen um das nichtreligiöse Heilfasten, das für manche zur Ersatzreligion geworden ist.

Was ist Heilfasten nach Buchinger eigentlich?

Der Versuch, den Körper durch den Verzicht auf feste Nahrung zu entgiften. Als Begründer gilt der deutsche Arzt Otto Buchinger (1878 bis 1966), der in den 1930er-Jahren die These aufstellte, alles Ungesunde müsse hin und wieder aus dem Körper raus, vor allem aus dem Darm. Heilpraktiker Christian T. Grünemei bietet Heilfasten seit 1998 im Bad Wildunger Stadtteil Bergfreiheit an – der 43-Jährige ist einer der Vorreiter in der Region Nordhessen. Eine Kur in seinem Gesundheitszentrum im Kellerwald dauert mindestens eine Woche. Die ersten Tage dienen der Umgewöhnung. Während der eigentlichen Fastenzeit nehmen die Patienten nur frisch gepresste Gemüse- und Obstsäfte zu sich. Das fördert die Entsäuerung. Danach folgen einige Aufbautage.

Gesund und kalorienarm: Solche grünen Säfte kann man schnell selbst herstellen. Sie eignen sich beispielsweise als frisch gepresste Variante gut für das Heilfasten.

Für wen eignet sich Heilfasten? 

Die Frage ist eher: Wer sollte das nicht machen? Hubert Sostmann, Internist und Gastroenterologe an den Kasseler Diakoniekliniken, rät lediglich Menschen mit Herzkreislauf- und Nierenerkrankungen vom Heilfasten ab. Auch Schwangere, Kinder und Menschen mit Essstörungen sollten darauf verzichten. Für alle anderen sei es unbedenklich: „Das kann eine interessante Erfahrung sein.“

Wie viel nimmt man durchs Heilfasten ab? 

Ab dem dritten Tag jeden Tag ein Stück Butter, also 250 Gramm, rechnet Heilpraktiker Christian Tobias Grünemei vor: „Dann hat der Körper auf Fettverbrennung umgeschaltet. Das Hungergefühl lässt nach.“ 

Wunder beim Abnehmen darf man indes nicht erwarten. Internist Sostmann warnt: „So ein Hauruckverfahren führt nur zu einem Jo-Jo-Effekt.“ Grünemei sieht das Heilfasten darum als Art Neustart: „Wie beim Reebooten eines Computers kann man danach ein neues Leben beginnen.“

Er ist Heilpraktiker und kennt sich mit dem Heilfasten aus: Christian Tobias Grünemei betreibt eine Praxis.

Führt das Heilfasten zum Jo-Jo-Effekt?

Das Ende des Fastens führt nicht zwangsläufig bei jedem Menschen zu einer erneuten Gewichtszunahme.

Wer nach einer Fastenkur schnell wieder in alte Essgewohnheiten zurückfällt, der hat allerdings mit großer Wahrscheinlichkeit mit dem Jo-Jo-Effekt zu kämpfen. Im schlimmsten Fall bedeutet das, dass sogar ein noch höheres Gewicht erreicht wird als vor Beginn des Fastens. 

Es gibt aber auch Menschen, die das Heilfasten als Auftakt sehen. Sie stellen ihr Essverhalten langfristig um und halten dadurch das neue Gewicht. Möglich ist es auch, durch eine solche Ernährungsumstellung noch weiter abzunehmen - und so langfristig das Wunschgewicht zu erreichen. Wer sich nach dem Fasten also bewusst und gesund ernährt, hat gute Chancen, auf längere Sicht schlanker zu bleiben.

Also gibt es ein Leben nach dem Heilfasten? 

Ja, und das fühlt sich oft besser an. Heilpraktiker Grünemei selbst hat mit dem Rauchen aufgehört, trinkt kaum noch Alkohol, isst keine Süßigkeiten mehr und kaum Fleisch. Wenn man ihn fragt, ob sein Leben überhaupt noch Spaß macht, antwortet er: „Es macht immer mehr Spaß, denn ich muss nicht verzichten, ich darf.“

Was kann man beim Heilfasten falsch machen? 

Man sollte auf ausreichend Flüssigkeit achten – mindestens zweieinhalb Liter am Tag. Wichtig sind auch Einläufe oder die Einnahme von Magnesiumsulfat, um den Darm zu reinigen. „Die eigentliche Kunst“, sagt Grünemei, „ist aber nicht das Fasten, sondern das Fastenbrechen.“ 

Ein Patient schlang sich am Tag nach der Kur Würstchen mit Kartoffelsalat hinein. Er bekam heftiges Bauchgrummeln und landete schließlich mit Verdacht auf Darmverschluss in einem Krankenhaus. Sein Verdauungstrakt war schlicht überlastet.

Heilfasten und Abführmittel

Beim Heilfasten gibt es verschiedene Methoden des Abführens. Sie alle sollen prinzipiell der Reinigung des Darmes dienen. Bei einer Fastenkur wird empfohlen alle zwei Tage abzuführen. Beispielhaft sind hier drei Varianten von Abführmitteln aufgeführt. 

  • Bittersalz: Ein bekanntes Mittel ist beispielsweise Magnesiumsulfat-Heptahydrat. Im Volksmund ist es besser unter dem Namen Bittersalz bekannt. Der Grund für die Bezeichnung liegt auf der Hand: Das Salz, das in Wasser aufgelöst wird, schmeckt sehr bitter. Das Mittel ist ziemlich preiswert: maximal  1 bis 2 Euro kosten 100 Gramm in der Apotheke. In der Zeitspanne von einer halben Stunde bis vier Stunden setzt der abführende Effekt normalerweise ein. Wenn man Bittersalz zu oft benutzt, kann das zu Darmträgheit führen. Deswegen sollte man höchstens vier- bis fünfmal pro Jahr damit abführen. Bittersalz darf auch von schwangeren Frauen benutzt werden. Kinder, die unter sechs Jahre alt sind, und Nierenkranke sollten aber die Finger von diesem Mittel lassen. Auch Menschen, die ohnehin an Magen-Darm-Krankheiten leiden, sollten Bittersalz nicht konsumieren.
  • Sauerkrautsaft: Auch Sauerkrautsaft eignet sich in vielen Fällen fürs Abführen. Es handelt sich um ein relativ mildes Abführmittel, das in den meisten Supermärkten für weniger als einen Euro angeboten wird. Der Saft hat kaum Kalorien und viele Ballaststoffe. Ein bis zwei Gläser am Morgen reichen in der Regel zum Abführen. Alternativen zum Sauerkrautsaft sind Apfelessig und Pflaumensaft. Beides ist günstig und in fast jedem Supermarkt erhältlich. Apfelessig sollte man verdünnt einnehmen. Etwa zwei Esslöffel werden dazu mit 300 ml Wasser vermischt.
  • Einlauf: Für viele mag es befremdlich sein, doch es gibt Menschen, die beim Fasten auf Einläufe schwören. Schon seit Jahrhunderten wird der Einlauf in der Medizin eingesetzt. Dabei wird Flüssigkeit in den unteren Teil des Darms gebracht, um ihn zu reinigen. In der Regel wird warmes Wasser benutzt, dass mit einem Schlauch über den After in den Darm eingeführt wird. Damit das Einführen des Schlauches nicht so schmerzhaft ist, sollten Schlauchspitze und After mit Vaseline eingeschmiert werden. Die Menge des Wasser kann variabel sein. Für wen die Einlaufpraxis noch neu ist, der kann zum Beispiel einen Mini-Klistier benutzen. Er fasst etwa einen halben Liter Wasser. Man kann auch einen Irrigator benutzen. In diesen Flüssigkeitsbehälter passen bis zu zwei Liter. Ein Irrigator-Set ist in der Apotheke für 10 bis 15 Euro erhältlich. Wichtig ist, dass man sich beim Kauf noch einmal genau vom Apotheker erklären lässt, wie man den Einlauf selbst im heimischen Badezimmer macht. 

Kann Heilfasten high machen? 

Ja. Was wie ein Kiffertraum klingt, hat der Göttinger Hirnforscher Gerald Hüther herausgefunden: Bei freiwilligem Nahrungsverzicht schüttet das Gehirn die Glückshormone Dopamin und Serotonin aus. Grünemei sagt: „Beim Fasten fühlt man sich oft sehr wohl.“ Manche warten jedoch vergeblich auf das Highsein. Trotzdem hat er festgestellt: Wer einmal fastet, macht es meist immer wieder.

Clean Eating - Definition

Wer bei Instagram den Hashtag #CleanEating sucht, findet fast 37 Millionen Beiträge. Der natürlich aus den USA kommende Ernährungstrend muss also ziemlich angesagt sein. Clean Eating (reines Essen) klingt wie die coole Variante von bewusster Vollwerternährung. Meist stehen pflanzliche Lebensmittel auf dem Essensplan, die allenfalls gering verarbeitet wurden – also Obst und Gemüse aus der jeweiligen Jahreszeit, Salat und Vollkornprodukte, aber auch Fleisch, Fisch und Ei. Im Vergleich zu radikalen Kohlenhydrat-Verächtern hört sich das sehr vernünftig an. 

Trotzdem fragen manche schon, ob uns die immer neuen Essenstrends irremachen. Das liegt an Typen wie der australischen Food-Bloggerin Leanne Ratcliffe, die sich nur von rohem Obst und Gemüse ernährt. Ihre Fans nennen sie das Bananagirl, weil sie bis zu 50 Bananen am Tag isst. Dann doch lieber Fasten.

On the left I was eating a #paleodiet, low carbs with excess protein and fat causing a bunch of terrible health problems. At an age where I should have been my happiest and healthiest i was constantly depressed, lethargic (relied on caffeine and for energy), had CFS and irritable bowel syndrome (which I saw at least 3 expensive 'specialists' for), brittle nails, constant thrush, cystic acne and low thyroid function to name a few. On the right on #rawtill4 & #rawvegan LIFESTYLE honestly feeling better than ever. 40lbs of excess weight lost in total and (most importantly) kept off for years, healed digestive system, skin, hormones, no longer depressed and fitter at 37 years old than I was at 20! But there is a lot of I,me,my in this post. Easily the most powerful and satisfying change has been the fact that I no longer take the life of innocent beings for my meals. I no longer eat my friends or byproducts that cause them pain and suffering. Please never forget the voiceless victims of your meals www.thebananagirl.com #freeleethebananagirl #atkins#kaylaitsines#sarahsday#shredit#vegan#fitfam#transformation#801010#health#paleolife#bbgcommunity#bbggirls#noshortcuts#fitspo#fitlife#rawfood#fruit#vegansofig

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Die junge Frau zeigt sich auf diesem Instagram-Account (inzwischen hat sie einen neuen) ihren Fans. Auf dem linken Bild ist sie 20 Jahre Alt, das rechte Foto zeigt sie mit Mitte 30.

Wasserfasten im Selbstversuch

Einen ganzen Tag lang hat HNA-Redakteurin Jessica Berger nur Flüssigkeit zu sich genommen - sie testete das Wasserfasten. Insgesamt waren es fünf Liter, die die Journalistin an dem Tag in Form von Wasser und Tee zu sich genommen hat. Wie es ihr dabei ging und wie sich das Gewicht verändert hat, sehen Sie in diesem Video zum Selbstversuch.

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