Outlaw-Boss ermordet

Hells-Angel gesteht tödliche Attacke

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Ein Mitglied der Rockerbande Hells Angels hat zum Prozessauftakt in Kaiserslautern ein schockierendes Geständnis abgelegt.

Kaiserslautern - Mit sieben Messerstichen ist ein Rocker vor drei Jahren getötet worden. Ein Mitglied der Hells Angels räumt die Tat vor Gericht ein. Das überrascht selbst die Staatsanwaltschaft.

Mit einem überraschenden Teilgeständnis hat der Mordprozess gegen ein Mitglied der Rockerbande Hells Angels in Kaiserslautern begonnen. Der 30-jährige Angeklagte gab vor dem Landgericht am Dienstag zu, vor drei Jahren mehrmals auf den Chef einer verfeindeten Bande eingestochen zu haben. Geplant seien die tödlichen Stiche aber nicht gewesen. Die Staatsanwaltschaft zeigte sich überrascht von der Erklärung und will nun überprüfen, ob sie ihren Mordvorwurf gegen den Angeklagten aufrechterhält.

Der 30-Jährige erklärte, mit zwei Freunden habe er sich an rivalisierenden Outlaws-Rockern wegen einer Prügelei rächen wollen. Deshalb hätten sie den 45-jährigen Chef einer neuen Untergruppe der Outlaws nachts mit ihrem Auto verfolgt und ihn auf einer Landstraße mit seinem Motorrad ausgebremst. Dabei sei es nicht um einen „Kampf auf Leben und Tod“ gegangen, sondern um eine Prügelei: „Der Tod des Outlaws war nicht geplant“, hieß es in der Erklärung des Angeklagten, die sein Verteidiger verlas. Doch er habe befürchtet, sein Gegner würde ein Messer oder eine Pistole ziehen - und deshalb zugestochen.

Großalarm für Polizei: Hells Angels kommen

Hells Angels
Wer sie nicht kennt: Die Hells Angels sind ein Rocker- und Motorradclub, dessen Mitglieder öfter mit dem Gesetz in Konflikt geraten. © dpa
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Die Werte der „Höllenengel“ lauten Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Respekt und Freiheit. © dpa
Hells Angels
Gegründet wurde der Club 1948 in Kalifornien. © dpa
Als „Backpatch“, also Logo auf der Lederjacke, wird ein Totenkopf mit Flügeln verwendet, der als „Deathhead“ bezeichnet wird. Der Schriftzug, und damit die Clubfarben, ist rot auf weiß.
Als „Backpatch“, also Logo auf der Lederjacke, wird ein Totenkopf mit Flügeln verwendet, der als „Deathhead“ bezeichnet wird. Der Schriftzug, und damit die Clubfarben, ist rot auf weiß. © dpa
Rocker der Hells Angels auf dem Weg zu einem Treffen in Prag.
Rocker der Hells Angels auf dem Weg zu einem Treffen in Prag. © dpa
Hells Angels
Vor einem Treffen werden zwei Hells Angels von der Polizei durchsucht. © dpa
Hells Angels
Ein Rocker macht mit seinem Motorrad den „Burn out“. © dpa
Hells Angels
Mitglieder der Hells Angels werden auf dem Weg zur Autobahn von Polizeifahrzeugen eskortiert. © dpa
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Mitglieder der Hells Angels werden auf dem Weg zur Autobahn von Polizeifahrzeugen eskortiert. © dpa
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Ein Polizist überwacht ein Treffen der Hells Angels. © dpa
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Ein Treffen der Hells Angels. © dpa
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Ein Polizist überwacht ein Treffen der Hells Angels. © dpa
Hells Angels
Europatreffen der Hells Angels mit Kaffeefahrt: Die Mitglieder sitzen in einem Boot, einem so genannten "Auswanderer", um zu der Insel Wilhelmstein im Steinhuder Meer überzusetzen. Dort gibt es erst Kaffee und Kuchen. Anschließend beginnt eine Party. © dpa
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Rund 1500 Mitglieder waren mit ihrem Motorrädern zum Europatreffen gekommen. Dafür ist extra ein Gelände in einem Industriegebiet angemietet worden. © dpa
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Hells Angels © dpa
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Eine Kutte der Hells Angels und bei einer Razzia beschlagnahmte Waffen in der Asservatenkammer des Polizeipräsidiums in Kassel. © dpa
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Nach einer Gerichtsverhandlung haben sich Mitglieder der früher verfeindeten Rockergruppen Bandidos und Hells Angels eine Schlägerei geliefert. Die Polizei hat einige von ihenn verhaftet. © dpa
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Nach der Schlägerei auf offener Straße wurde dieses Mitglied der Hells Angels verhaftet. © dpa
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Hells Angels auf ihren schweren Maschinen. © dpa
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Ein festgenommener Rocker. © dpa
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Die „Kutte“ der Hells Angels. © dpa

Oberstaatsanwalt Hans Bachmann hatte zuvor die Anklage verlesen, in der er dem 30-Jährigen gemeinschaftlichen und heimtückischen Mord an einem arg- und wehrlosen Opfer vorwarf. Nach dem Teilgeständnis sagte er am Rande des Prozesses, nun müsse geprüft werden, ob eventuell auch Totschlag in Betracht komme. Die Aussage sei sehr ungewöhnlich: „Eine Zusammenarbeit mit Strafverfolgungsbehörden gibt es in diesen Fällen normalerweise nicht“, sagte Bachmann.

Der Angeklagte erschien in einem T-Shirt mit einem Hells-Angels-Schriftzug im Gerichtssaal. Er wurde scharf bewacht. Im Gerichtssaal war eine durchsichtige, schusssichere Wand zwischen den Prozessbeteiligten und dem Zuschauerraum aufgestellt. Die Zuschauer wurden genau kontrolliert, auch unter ihnen waren Anhänger der Hells Angels. Die Bande steht derzeit bundesweit im Visier der Sicherheitsbehörden, vergangene Woche gab es mehrere Razzien.

Die beiden Komplizen des Angeklagten sind bereits zu langen Haftstrafen verurteilt worden. Der inzwischen 30-Jährige steht erst jetzt vor Gericht, weil er nach der Tat ins Ausland geflohen war und sich erst Ende vergangenen Jahres gestellt hatte.

dpa

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