Heute Blutmond! Warum der Mond rot wird

Berlin - Roter Mond über Europa: Am Mittwoch kommt es zwischen 20.30 Uhr und Mitternacht zu einer besonders langen Mondfinsternis am Sternenhimmel. Doch was lässt den Mond eigentlich blutrot leuchten?

Hobby-Astronomen fiebern dem Abend vom 15. Juni entgegen. Denn wenn der Mond am Mittwoch aufgeht, wird er nicht in seinem gewohnten Licht erscheinen, sondern rot leuchten. 

Grund ist die längste Mondfinsternis seit mehr als zehn Jahren. Deren zweite Hälfte wird von ganz Deutschland aus zu sehen sein - sofern das Wetter mitspielt. Zwischen Mondaufgang und Mitternacht können Beobachter das rostrot schimmernde Himmelsphänomen am Südosthorizont verfolgen.

So entsteht eine Mondfinsternis

Am Mittwoch wird in Deutschland der Blutmond aufgehen. Doch wie entsteht eigentlich eine Mondfinsternis? © Nasa/Goddard Space Flight Center Scientific Visualization Studio
Der Mond umläuft rund alle 29 Tage die Erde. Dabei verändert er scheinbar täglich sein Aussehen. © Nasa/Goddard Space Flight Center Scientific Visualization Studio
Dabei bestimmt die Stellung der Sonne, der Erde und unseres Trabanten zueinander die Größe und Form des Schattens, der auf den Mond fällt. © Nasa/Goddard Space Flight Center Scientific Visualization Studio
Folge sind die Mondphasen wie Vollmond und Neumond. © Nasa/Goddard Space Flight Center Scientific Visualization Studio
Etwa zweimal im Jahr stehen Sonne, Erde und Mond in einer Linie zueinander. Dann kann es passieren, dass die Erde die Strahlen der Sonne vollkommen von unserem Trabanten abschirmt. © Nasa/Goddard Space Flight Center Scientific Visualization Studio
Von der Erde aus betrachtet kann man dann beobachten, wie sich der Mond verdunkelt. © Nasa/Goddard Space Flight Center Scientific Visualization Studio
Außerdem nimmt er eine tiefrote Färbung an. © Nasa/Goddard Space Flight Center Scientific Visualization Studio
Bevor er wieder in seiner üblichen Farbe erscheint. © Nasa/Goddard Space Flight Center Scientific Visualization Studio
Vom All aus betrachtet läuft eine Mondfinsternis etwa so ab: © Nasa/Goddard Space Flight Center Scientific Visualization Studio
Zunächst tritt der Mond in den Halbschatten (Penumbra) der Erde ein © Nasa/Goddard Space Flight Center Scientific Visualization Studio
Dabei verdunkelt sich der Mond aber nur geringfügig © Nasa/Goddard Space Flight Center Scientific Visualization Studio
Dann tritt unser Trabant in den zentralen Schatten (Umbra) © Nasa/Goddard Space Flight Center Scientific Visualization Studio
Doch wenn das gesamte Licht abgeschirmt wird, warum erscheint der Mond dann rötlich? © Nasa/Goddard Space Flight Center Scientific Visualization Studio
Grund ist die Erdatmosphäre. Sie lenkt den roten Spektralanteil des Sonnenlichts in den Schattenkegel unseres Planeten hinein. Aus diesem Grund leuchtet der Erdtrabant auch während einer Mondfinsternis in einem roten Lichtschein. © Nasa/Goddard Space Flight Center Scientific Visualization Studio
Während des Auf- und Untergangs der Sonne ist das gleiche Phänomen auf der Erde zu beobachten © Nasa/Goddard Space Flight Center Scientific Visualization Studio

Wie kommt es zu dem spektakulären Himmelsphänomen? Rund alle 29 Tage umrundet der Mond unseren Heimatplaneten. Wer den Trabanten beobachtet, könnte den Eindruck bekommen, dass er jeden Tag anders aussieht. Doch tatsächlich ist die Form unseres Trabanten von der Stellung von Sonne, Mond und Erde zueinander abhängig.

Blutmond über Deutschland 

Die Folge sind verschiedene Mondphasen wie der Vollmond und Neumond. Beim Vollmond steht der Trabant der Sonne direkt gegenüber. Zweimal im Jahr ergibt sich dabei eine ungewöhnliche Konstellation: Dann schiebt sich die Erde genau zwischen Sonne und Mond, die drei Himmelskörper stehen also in einer Linie. Wandert unser Trabant genau durch den zentralen Schatten, den die Erde wirft, kommt es zu einer totalen Mondfinsternis. Der Kernschatten ist der Bereich, in dem unser Planet das Licht der Sonne fast komplett abschirmt. 

Der Begriff Mondfinsternis ist dabei allerdings irreführend. Denn unser Trabant ist die gesamte Zeit über sichtbar. Der Grund: Die Erdatmosphäre bricht langwelliges rotes Licht in den zentralen Schatten der Erde hinein. Es handelt sich um das gleiche Phänomen, das beim Auf- und Untergang der Sonne auf der Erde zu beobachten ist.

Längste Mondfinsternis seit zehn Jahren

Die Mondfinsternis am heutigen Abend ist die längste seit fast elf Jahren, sagt der Stuttgarter Astronom Hans-Ulrich Keller. “Alles in allem, also mit dem Durchlaufen von Kern- und Halbschatten, dauert sie vier Stunden und vierzig Minuten.“

Allerdings lässt sich nur der zweite Teil der Finsternis in Deutschland beobachten. Denn bereits um 20.23 Uhr beginnt der Mond, sich in den Kernschatten der Erde zu schieben. Davon ist in Deutschland noch nichts zu sehen, um diese Uhrzeit ist der Mond noch nicht aufgegangen. Erst nach 21 Uhr erscheint der Erdtrabant tief am Südosthorizont. An den meisten Orten ist er dann bereits vollständig verfinstert, also bereits vollständig in den zentralen Schatten der Erde eingetreten. Die sogenannte Totalität beginnt um 21.22 Uhr und dauert bis 23.03 Uhr. Um 0.03 Uhr ist der Zauber vorbei, der Mond hat den Kernschatten wieder verlassen.

Gute Chancen auf Wolkenlücken 

In dieser Länge werde bis 2015 keine weitere totale Mondfinsternis von Deutschland aus zu sehen sein, sagte Monika Staesche, Leiterin des Planetariums am Insulaner in Berlin. Zwar verfinstere sich der Mond zwei- bis dreimal pro Jahr, aber so gut sichtbar wie am Mittwoch sei das Phänomen nur selten. “Wer die Möglichkeit hat, sollte sich das also anschauen.“ Der Deutsche Wetterdienst sieht vor allem für den Süden und Osten Deutschlands gute Chancen auf Wolkenlücken am Himmel. “Es werden am Mittwochabend noch ein paar Wolkenfelder herumdriften, aber im Süden, Osten und auch in der Mitte Deutschlands könnten die transparent oder aufgelockert sein, so dass der Mond zumindest zeitweise zu sehen ist“, sagte der Meteorologe Olaf Pels Leusden vom Deutschen Wetterdienst. Im Nordwesten sei die Wahrscheinlichkeit allerdings hoch, dass Wolken den Mond verdeckten.

Auch in anderen Ländern ist der Hingucker am Abendhimmel zu bestaunen. In Europa haben Hobbyastronomen an der türkischen Riviera die beste Sicht - dort steht der Mond am höchsten. Nordamerika und alle Länder östlich von Indien bekämen dagegen nichts von der Finsternis mit, erläuterte Planetariumschefin Staesche.

sr/dpa

Rubriklistenbild: © Nasa

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