Maschine aus Calden nicht in Absturz verwickelt

20 Tote bei Absturz der Ju-52 in der Schweiz - ähnliches Modell startete schon in Calden

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Flims. Bei einem Flugzeugabsturz in der Schweiz sind 20 Menschen ums Leben gekommen. Ein historisches Flugzeug des Typs Junkers Ju-52 fliegt auch in der Region immer wieder.

Bei einem Flugzeugunglück in den Schweizer Alpen sind nach Polizeiangaben 20 Menschen ums Leben gekommen. Das Oldtimer-Flugzeug vom Typ Junkers Ju-52 war am Samstagnachmittag am Berg Piz Segnas abgestürzt. Die Unglücksstelle liegt abgelegen in den Bergen Graubündens auf 2500 Metern Höhe.

Die fast 80 Jahre alte Maschine gehörte der Ju-Air, die touristische Rundflüge anbietet. "Das Team der Ju-Air ist tief traurig und denkt an die Passagiere, die Crew und Familien und Freunde der Verunglückten", teilte das Unternehmen mit. Der Flugbetrieb werde bis auf Weiteres eingestellt. Die Maschinen sind im Volksmund als "Tante Ju" bekannt und werden oft zu Geburtstagen oder Jubiläen von Familien, Firmen oder Vereinen gebucht.

Historisches Flugzeug fliegt auch in der Region

Auch in der Region werden immer wieder Rundflüge mit der "Tante Ju" angeboten. Zuletzt war sie im Mai am Kassel Airport in Calden zu Gast. Zuvor war sie im Juli 2015 für vier Rundflüge in Calden abgehoben. 

Bei dem in der Schweiz abgestürzten historischen Flugzeug Junkers Ju 52 („Tante Ju“) handelt es sich nicht um die seit 1989 regelmäßig am Flugplatz in Calden startende Maschine, sondern um eine von insgesamt vier Ju 52, die der Verein Freunde der Luftwaffe (VFL) in Dübendorf (Schweiz) zu Rundflügen einsetzte. Drei Maschinen hatte der VFL im Jahr 1981 von der schweizerischen Luftwaffe übernommen, als diese die Maschinen ausmusterte. Die abgestürzte Maschine trug das Kennzeichen HB-HOT, die übrigen VFL-Junkers tragen die Kennzeichnungen HB-HOS, HB-HOP und HB-HOY, wobei letztere meist in Mönchengladbach stationiert ist. 

In Calden startet seit Ende der 1980er Jahre die 1984 von der Lufthansa-Stiftung angekaufte und zwei Jahre lang aufwändig restaurierte Maschine D-CDLH, die aber mit dem historischen Lufthansa-Design der 1930er Jahre und der Aufschrift D-AQUI versehen ist. Sie war auch 1999, 2000, 29001, 2003, 2004, 2009, 2015, 2017 und 2018 zu Rundflügen in Calden. Die 16 Passagierplätze waren meist sehr schnell ausgebucht. 

Ursprünglich wurden von der dreimotorigen Junkers 52/3m über 4800 Exemplare gebaut, davon etwa 1800 vor 1945 und die übrigen danach als Lizenbauten. Von den zuletzt weltweit noch acht flugfähigen „Tante Ju“ waren drei Vorkriegsmaschinen, darunter die jetzt abgestürzte aus der Schweiz sowie die D-AQUI der Lufthansa-Stiftung. Weitere mindestens 23 Junkers Ju-52 stehen weltweit in Museen. Die meisten anderen gingen bei militärischen Einsätzen verloren

Die Kantonspolizei Graubünden hatte am Samstag zunächst lediglich den Absturz an der Westflanke des Berges Piz Segnas gemeldet, auf etwa 2540 Metern Höhe. Rettungs- und Bergungskräfte stiegen mit mehreren Hubschraubern auf. Die Bergungsarbeiten wurden am Sonntag fortgesetzt.

Die Maschine hat Platz für 17 Passagiere, zwei Piloten und ein weiteres Besatzungsmitglied. Sie stammte aus dem Jahr 1939. Ju-Air gehört einem Verein von Freunden der schweizerischen Luftwaffe (VFL), der 1981 die drei von der Luftwaffe ausgemusterten Maschinen übernommen hatte. Sie hat vom Militärflughafen Dübendorf aus - etwa zehn Kilometer nordöstlich von Zürich - seitdem nach eigenen Angaben mehr als 14.000 Passagiere geflogen.

Am Samstag war außerdem bei Hergiswil - rund zehn Kilometer südlich von Luzern am Vierwaldstättersee - ein Flugzeug abgestürzt. Eine vierköpfige Familie aus der Region mit zwei minderjährigen Kindern kam dabei ums Leben, wie die Polizei in Nidwalden berichtete.

Schweizer Medien zitierten Flugexperten mit Spekulationen, dass die Hitze bei den Unglücken eine Rolle gespielt haben könnte. Bei Hitze sei die Luft dünner, was die Leistung von Maschinen beeinträchtigte. Ju-Air und Polizei machten zunächst keine Angaben zu den Ursachen der beiden Unglücke. 

Standardmaschine der Lufthansa in den 30er Jahren

Die Ju-52 wurde ab dem Jahr 1932 von der Junkers Flugzeugwerk AG in Dessau gebaut. Bei dem im Volksmund auch „Tante Ju“ genannten Flugzeug handelt es sich um eine dreimotorige Propellermaschine. Sie konnte bis zu 17 Passagiere transportieren und eine Geschwindigkeit von bis zu 290 km/h erreichen. Von 1932 bis in den Mai 1945 war die Ju-52 die Standardmaschine der Lufthansa und bei den Fluggästen als besonders komfortabel geschätzt. Noch heute ist eine im Jahr 1936 hergestellte Maschine dieses Typs Teil der Lufthansa-Flotte.

Auch für den Bau von Kriegsflugzeugen stellte die Ju-52 ebenfalls eine wichtige Neuerung dar, konnte sie doch ohne großen Aufwand zu einer militärischen Maschine umgebaut werden. Sie wurde daher auch im Zweiten Weltkrieg eingesetzt.

Die erste „Tante Ju“ flog am 7. März 1932. Bis heute ist sie eines der bekanntesten historischen, in Deutschland gefertigten Flugzeuge überhaupt. Charakteristisch ist besonders die Beplankung aus Wellblech. Insgesamt wurden ungefähr 5000 Exemplare des Flugzeugs gebaut. (dpa/sib/sch/sal/tty)

Rundflug mit der Tante Ju über Nordhessen

"Tante Ju" drehte Runden über dem Flughafen Kassel

Tante Ju am Flughafen Kassel in Calden
 © Schünemann
Tante Ju am Flughafen Kassel in Calden
 © Schünemann
Tante Ju am Flughafen Kassel in Calden
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Tante Ju am Flughafen Kassel in Calden
 © Schünemann
Tante Ju am Flughafen Kassel in Calden
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Tante Ju am Flughafen Kassel in Calden
 © Schünemann
Tante Ju am Flughafen Kassel in Calden
 © Schünemann
Tante Ju am Flughafen Kassel in Calden
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Tante Ju am Flughafen Kassel in Calden
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Tante Ju am Flughafen Kassel in Calden
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Tante Ju am Flughafen Kassel in Calden
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