Weitreichende Konsequenzen

Forscher: Hitlers Einfluss auf die Kindererziehung könnte bis heute nachwirken

Adolf Hitler amm Hintersee bei Berchtesgaden.
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Die Kinder-Erziehung in Zeiten von Adolf Hitler hat auch heute noch großen Einfluss auf das Leben vieler Menschen.

Erziehung hat einen großen Einfluss auf das Leben von Menschen. Dass auch heutzutage Hitler immer noch Einfluss auf diese haben könnte, wissen viele jedoch nicht. 

Erziehungsratgeber gibt es, seit es Kindererziehung gibt. Auch zur Zeit des Dritten Reichs erfreuten sich diese Handbücher großer Beliebtheit. Selbstverständlich auch mit dem Hintergedanken, den Nachwuchs von klein auf nach den vorherrschenden Wertvorstellungen zu erziehen. Bedenklich: Die Methoden von damals scheinen bis zum heutigen Tag nachzuwirken.

Wie das Wissenschaftsmagazin spektrum.de berichtet, könnten die fragwürdigen Erziehungsansichten etwa in den Büchern von Johanna Haarer überdauert haben. Die Lungenärztin galt als eine der angesehensten Erziehungsexpertinnen des Dritten Reichs und schrieb Ratgeber, die sich als Bestseller zu dieser Zeit herausstellten. Die darin empfohlenen Methoden wurden jedoch nicht nur während des Nationalsozialismus von einer großen Zahl der Deutschen praktiziert, sondern anscheinend auch lange über den Zweiten Weltkrieg hinaus.

Johanna Haarer: Hitlers Erziehungs-Konzept und seine Folgen

Im Jahr 1934 wurde Haarers Ratgeber „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“ veröffentlicht - und zum Verkaufsschlager für alle Mütter dieser Zeit. 1,2 Millionen Mal verkaufte sich das Erziehungshandbuch. Zudem galt es unter anderem als Grundlage für eine korrekte Kindererziehung während der Nazi-Zeit. In Kindergärten und Heimen praktizierte man Haarers Methodik genauso wie in den „Reichsmütterschulungen“.

Forscher gehen jedoch davon aus, dass die Erziehungsmethoden auch Auswirkungen auf unser jetziges Leben haben könnten. So vermuten sie, dass geringe Geburtenraten, Burnouts oder sogar psychische Erkrankungen ihre Wurzel in den damaligen pädagogischen Praktiken haben könnten.

Erziehung in der Hitler-Zeit: Kaum Zuneigung und Aufmerksamkeit für die Kinder

Kern-These der Haarer-Methoden war das Verweigern von Zuneigung, Körperkontakt und Aufmerksamkeit für Kinder. Wenn ein Baby schrie, sollte die Mutter dies im besten Fall gänzlich ignorieren. Grundsätzlich verboten war es, das schreiende Kind zu trösten, es in den Arm zu nehmen oder zu stillen.

Die fragwürdige Annahme: Durch das Schreien würde die Lunge des Kindes gestärkt werden und abhärten. Auch im Alltag sollten die jungen Mütter versuchen, den Körperkontakt zwischen ihnen und dem Baby so gering wie möglich zu halten.

Die Konsequenzen der Hitler-Erziehungsmethoden

Im Zuge dieser Methode wurde ausschließlich auf das physische Wohlergehen des Kindes geachtet. Es wurde gefüttert, gebadet, gewickelt - allerdings nichts darüber hinaus. Denn: Der heranwachsende Mensch sollte zu Härte, Stärke und Durchhaltevermögen erzogen werden, nicht aber zu Mitgefühl und einer angenommenen damit einhergehenden Schwäche.

Das Fehlen von Zuneigung und psychischer Hingabe hatte jedoch unter Umständen langfristige Auswirkungen auf das Leben des jeweiligen Kindes. So berichten Psychotherapeuten von Patienten aus jener Zeit, die mit einer ausgeprägten Bindungsunfähigkeit zu kämpfen hatten.

Betroffene berichteten, dass sie selbst nicht in der Lage waren, eine liebevolle Beziehung zu den eigenen Kindern aufzubauen. Das könnte laut Forschern wiederum auch deren Kinder beziehungsweise Enkelkinder nachhaltig geprägt haben - wodurch die Erziehungsmethoden in der NS-Zeit womöglich bis heute nachwirken.

Dass Exemplare von Johanna Haarers Ratgebern auch nach dem Zweiten Weltkrieg noch im Bücherregal einer Vielzahl von deutschen Haushalten standen, zeigt zudem, dass deren fragwürdige Erziehungsmethoden wohl auch nach Ende des Dritten Reichs weiterhin praktiziert worden sein könnten.

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