Sonntag heißester Tag des Jahres?

Hitzewelle bringt Deutschland ins Schwitzen

Offenbach - Die Hitzewelle hat Deutschland fest im Griff: Bereits am Samstagvormittag war es vielerorts ungewöhnlich heiß. Und am Sonntag könnte es temperaturtechnisch sogar einen Jahresrekord geben.

Sie sind buchstäblich ein heißes Paar: Hoch „Achim“ und Tief „Xenja“ bringen Deutschland am vorletzten August-Wochenende mit heißer Luft aus Afrika Kaiserwetter. Bereits am Samstagvormittag registrierte der Deutsche Wetterdienst (DWD) mit Werten bis zu 28 Grad örtlich ungewöhnlich hohe Temperaturen für die Tageszeit. Großstädtern im Westen stehen tropische Nächte bevor. Am Sonntag könne sogar die 40-Grad-Marke in Sicht kommen, sagte Meteorologin Dorothea Paetzold in Offenbach.

So zeigte das Thermometer im Westen - etwa im Raum Köln/Aachen - am Vormittag bereits 27 Grad an, in Obrigheim in Baden-Württemberg sogar 28 Grad. Selbst auf der Ostseeinsel Fehmarn wurden 25 Grad gemessen. „Das ist für diese Uhrzeit ziemlich viel“, sagte Paetzold. Ihrer Prognose zufolge sollte es am Samstag 28 bis 33 Grad warm werden, im Westen und Südwesten auch heißer. An Küstenabschnitten mit Seewind wurden Werte um 23 Grad erwartet.

Hitze-Tipps: Finger weg von eiskalten Getränken!

Einen über den Durst trinken. Aber bitte nur Wasser! „An heißen Tagen braucht der Körper mindestens drei Liter Flüssigkeit“, sagt der Münchner Arzt Dr. Nikolaus Frühwein. © dpa
Da der Körper bei Hitze mehr Natrium verbraucht, natriumreiches Mineralwasser trinken und beim Essen eine Extraprise Kochsalz verwenden. © dpa
Finger weg von eiskalten Getränken! Die bewirken eher Magen-Darm-Verstimmungen als Abkühlung. Besser sind lauwarmer Zitronentee oder ungekühlte Schorlen. © dpa
Ein Gläschen Weißwein oder eine Mass Bier sind auch im Hochsommer erlaubt. Aber Vorsicht: „Alkohl verstärkt die Verdunstung. Deshalb nicht tagsüber trinken“, rät Frühwein. Oder gleich auf alkoholfreies Weißbier umsteigen. © dpa
Kochen wie die Südeuropäer: Jetzt sollten leichte Gerichte wie Tomaten mit Mozzarella oder Hähnchenfleisch auf dem Speiseplan stehen. „Ein deftiges Wiener Schnitzel lässt sich bei Hitze nur schwer verdauen“, erklärt Frühwein. © picture alliance / AP Images
Durch ständiges Schwitzen verliert der Körper Mineralien. Gegen nächtliche Krämpfe helfen Magnesiumtabletten. © dpa
Wenn die Hitze doch zuschlägt: „Ein Sprung ins kalte Wasser ist keine gute Idee gegen Schwindelgefühl“, sagt Frühwein. Besser mit einem feuchten Handtuch zudecken. © dpa
Luftige Kleidung tragen © dpa
In kühlen Räumen aufhalten © dpa
Ungewohnte körperliche Anstrengung vermeiden © dpa
Keine pralle Sonne, etwa bei der Arbeit im Garten © dpa
Verlängerte Mittagspause machen, Siesta einplanen © dpa

Am Sonntag kann sogar die 40-Grad-Marke näher rücken. „Hätten wir jetzt noch den Sonnenstand vom Juli, wäre das keine Frage, aber jetzt im August hat die Sonne nicht mehr ganz den passenden Einfallswinkel. Gottseidank“, erklärte Petzold. Der Höhepunkt wird für Sonntag erwartet - mit Werten bis zu 38 Grad. Mit einem neuen Rekord rechnen die Meteorologen aber nicht. Die bisher höchste in Deutschland gemessene Temperatur von 40,2 Grad werde wohl nicht erreicht.

Kommende Woche geht es dann mit hochsommerlichen Temperaturen weiter, die 30-Grad-Marke wird von Dienstag an jedoch nicht mehr flächendeckend überschritten. Laut Paetzold muss mit heftigen Gewittern gerechnet werden, die zum Teil als Unwetter daherkommen.

Hoch „Achim“ und Tief „Xenja“ sind nach Darstellung der Meteorologen „ein ideales Paar“: „Achim“ liegt mit seinem Zentrum derzeit über Polen und sorgt für Sonnenschein, „Xenja“ über dem Atlantik lenkt mit südlicher Luftströmung heiße Luft nach Deutschland. Beide schaffen heiße Luft aus Afrika hierher.

Hitze im Auto: Was ist erlaubt und was verboten?

Hitze im Auto
Wenn es im Auto richtig heiß wird, sollten Autofahrer einen kühlen Kopf bewahren. Bei der Hitze haben manche hinterm Steuer die tollsten Einfälle - doch manches ist verboten. © dpa
Hitze im Auto
Barfuß Autofahren - ist privat eigentlich nicht verboten. Doch es kann ganz schön gefährlich sein. Kommt es zu einem Unfall, drohen dem Fahrer Geldbußen und sogar strafrechtliche Folgen. © dpa
Hitze im Auto
Das gilt auch für Autofahrer, die Flip Flops oder lockeren Sandalen tragen. © dpa
Hitze im Auto
Männer dürfen mit nacktem Oberkörper Auto fahren. © dpa
Hitze im Auto
Bei Frauen kann dies aber als Belästigung angesehen werden. © dpa
Hitze im Auto
Während der Fahrt darf getrunken oder auch ein Eis geschleckt werden. © dpa
Ein Ventilator am Amaturenbrett ist erlaubt, sofern dieser sicher montiert ist und die Sicht unbeeinträchtigt beleibt. © dpa
Hitze im Auto
Sonnenbrillen sind kein Problem. Auch Sonnenhüte oder Kappen sind erlaubt. © dpa
Hitze im Auto
Wassersportgeräte sollten vorschiftsmäßig transportiert werden. Bei einer Vollbremsung kann ein Surfbrett zu einem Geschoss werden. Auch darf die Sicht des  Autofahrers  auf keinen Fall behindert werden. © dpa
Hitze im Auto
Zur Ladungssicherung dürfen nur anerkannte Zurrgurte mit Klemmschlössern oder Ratschen verwendet werden, die nach einmaligem Anziehen die Spannkraft halten. Seile oder Gummibänder sind nicht zulässig, da sie sich bereits nach kurzer Zeit lockern. © dpa

Auf eine nahezu tropische Nacht zum Sonntag müssen sich laut DWD vor allem die Bewohner der westdeutschen Großstädte einstellen: Es kühlt zum Teil nicht unter 20 Grad ab, ansonsten gehen die Temperaturen auf 19 bis 14 Grad zurück.

Auch am Sonntag scheint meist die Sonne, im Nordwesten sind vereinzelt Wärmegewitter möglich. Die Temperatur steigt auf 30 bis 35 Grad, im Westen und Südwesten örtlich bis auf 38 Grad. An Küstenabschnitten mit Seewind und im höheren Bergland wird es immerhin noch bis zu 29 Grad warm. Auch die Nacht zum Montag bleibt warm: „In größeren Städten kühlt es sich kaum unter 20 Grad ab“, so der DWD. Ansonsten gehen die Temperaturen auf 19 bis 15 Grad zurück.

Wetter-Weisheiten: Welche Sprüche wirklich stimmen

Wetter Bauernregeln
Ist der Januar feucht und lau, wird das Frühjahr trocken und rau. Falsch! Es gibt keinen gesicherten Zusammenhang zwischen einem feuchten Januar und einem trockenen Frühjahr – die Wahrscheinlichkeit liegt gerade mal bei 50 Prozent. © dpa
Wetter Bauernregeln
Ist der Januar hell und weiß, wird der Sommer sicher heiß. Stimmt! Allerdings ist dieser Zusammenhang nur sehr schwach. Für den kommenden Sommer hieße das trotzdem: viel Sonne und tropische Temperaturen, denn heuer war’s im Januar weiß und kalt. © dpa
Wetter Bauernregeln
Friert es auf Vigilius (31.1.), im Märzen Kälte kommen muss. Volltreffer! Liegen die Temperaturen Ende Januar unter dem Gefrierpunkt, ist es oft auch im März bitterkalt. Heuer gab‘s in München an diesem Tag keinen Frost, der März könnte also mild ausfallen. © dpa
Wetter Bauernregeln
Ist der Februar sehr warm, friert man Ostern bis in den Darm. Quatsch! Auch wenn die Wortwahl das Wetter nun sehr anschaulich beschreibt: An dieser Bauernregel ist nix dran. © dpa
Wetter Bauernregeln
Scheint an Lichtmess (2.2.) die Sonne heiß, kommt noch sehr viel Schnee und Eis. Richtig! Scheint die Sonne Anfang Februar häufiger als normal, ist es mit einer Wahrscheinlichkeit von über 70 Prozent im Februar und März frostig und kalt. Das liegt an der sogenannten Erhaltungsneigung des Wetters: Bringt ein Hochdruckgebiet Anfang Februar viel Sonne, bleibt das Wetter oft gleich über mehrere Wochen schön. © dpa
Wetter Bauernregeln
Felix und Petrus (21./22.2.) zeigen an, was wir 40 Tage für Wetter han. Richtig! In ganz Deutschland stimmt diese Regel in zwei Drittel aller Fälle. Regnet es an diesen Tagen nicht, bleiben auch die kommenden Wochen trocken – gleicher Zusammenhang gilt für die Temperaturen. © dpa
Wetter Bauernregeln
Im Februar Schnee und Eis, macht den Sommer lang und heiß. Schön wär’s! Auf einen kalten Februar folgt nicht zwangsläufig ein schöner Sommer – die Wahrscheinlichkeit liegt gerade einmal bei 50 Prozent. Schade eigentlich… © dpa
Wetter Bauernregeln
Im März viel Schnee und Regen bringt wenig Sommersegen. Blödsinn! Untersuchungen zeigen keinen Zusammenhang. Man darf also auch nach einem verschneiten März auf einen Super-Sommer hoffen! © dpa
Wetter Bauernregeln
Wenn es Kunigunden (3.3.) friert, sie’s noch 40 Nächte spürt. Stimmt nur tendenziell! In Süddeutschland trifft diese Regel mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent zu. © dpa
Wetter Bauernregeln
Friert es auf Gertrude (17.3.), der Winter 40 Tage nicht ruht. Stimmt überwiegend! Ist es Mitte März unterdurchschnittlich kalt, bleibt die zweite Märzhälfte zumindest mit einer Wahrscheinlichkeit von um die 60 Prozent kalt. © dpa
Wetter Bauernregeln
Wie das Wetter zu Frühlingsanfang (21.3.), ist es den ganzen Sommer lang. Stimmt! Entscheidend sind die Tage um diesen Stichtag. Wahr ist, dass es bei wenig Regen in diesen Tagen in sechs von zehn Sommern niederschlagsarm bleibt. Ist es hier zu warm und sonnig, bleiben Juni und Juli zu fast 70 Prozent schön. © dpa
Wetter Bauernregeln
Hält St. Ruprecht (28.3.) den Himmel rein, so wird es auch im Juli sein. Stimmt! Scheint dann die Sonne, ist der Juli mit über 72 Prozent Wahrscheinlichkeit sonniger als normal. Schlechtes Wetter um den 28.3. bringt mit 60-prozentiger Sicherheit auch einen trüben Juli. © dpa
Wetter Bauernregeln
Gibt’s im April mehr Regen als Sonnenschein, wird warm und trocken der Juni sein. Stimmt überwiegend nicht! Lediglich im Osten der Republik trifft die Regel in sechs von zehn Jahren zu. Prinzipiell ist aber kaum ein Zusammenhang zwischen April- und Juniwetter nachgewiesen. © dpa
Wetter Bauernregeln
Wenn’s viel regnet am Amantiustag (8.4.), ein dürrer Sommer folgen mag. Stimmt nur für den Süden! Hier liegt die Wahrscheinlichkeit für einen trockenen Sommer sogar zwischen 70 und 80 Prozent, wenn es Anfang April mindestens doppelt so viel geregnet hat wie üblich. © dpa
Wetter Bauernregeln
Auf einen nassen Mai folgt ein trockener Juni. Stimmt nur für den Süden! Im Großteil Deutschlands folgen auf einen nassen Mai genauso oft feuchte wie trockene Monate, in Ostdeutschland stimmt sogar das Gegenteil. © dpa
Wetter Bauernregeln
Das Wetter am Siebenschläfertag (27.6.), sieben Wochen bleiben mag. Stimmt! Diese bekannte Regel trifft vor allem dann zu, wenn man als Datum den 7. Juli hernimmt – das ist nämlich nach der Kalenderreform der wahre Siebenschläfertag. Am meisten trifft die Regel für uns im Süden zu. Dieser Tag ist übrigens der Gedenktag für die Sieben Schläfer von Ephesus und Lostag für Bauernregeln und hat nichts mit dem Nagetier zu tun. © dpa
Wetter Bauernregeln
Gießt’s an St. Gallus (16.10.) wie ein Fass, wird der nächste Sommer nass. Stimmt nicht! Hier besteht kein nachweisbarer Zusammenhang. Wieder einmal trifft die Bauernregel am ehesten für den Süden Deutschlands zu. © dpa
Wetter Bauernregeln
Ist’s an Weihnachten kalt, ist kurz der Winter, das Frühjahr kommt bald. Stimmt! Durchschnittlich folgt in fast sieben von zehn Fällen auf ein kaltes Fest ein zu warmer Februar. Heuer an Weihnachten war’s in München mit Temperaturen knapp über null Grad relativ mild, der Frühling lässt noch auf sich warten. © dpa
Wetter Bauernregeln
Ist’s an Weihnachten kalt, ist kurz der Winter, das Frühjahr kommt bald. Stimmt! Durchschnittlich folgt in fast sieben von zehn Fällen auf ein kaltes Fest ein zu warmer Februar. Heuer an Weihnachten war’s in München mit Temperaturen knapp über null Grad relativ mild, der Frühling lässt noch auf sich warten. © dpa

Das ersehnte Bilderbuch-Wetter lockt die Menschen ins Freie. In Niedersachsen strömten bereits am Morgen Sonnenhungrige ans Meer. Die Reederei Norden-Frisia erlebte am Vormittag einen regelrechten Ansturm, berichtete Prokurist Heiko Knieper. Es habe bis zum Mittag gedauert, die Warteschlange Richtung Nordseeinsel Norderney abzubauen. „Darauf haben wir lange gewartet, wir sind ganz glücklich“, sagte der Leiter der Geschäftsstelle in Norddeich. In Hamburg genossen Einwohner und Touristen die diesjährigen „Cruise Days“ unter blauem Himmel. Bereits am Freitag waren nach Angaben der Veranstalter rund 170 000 Besucher zum Auftakt gekommen.

Auch in den vergangenen Wochen blieben trotz meist mäßiger Temperaturen die Urlauber in Schleswig-Holstein nicht aus. „Buchungsrückgang wegen Regen? Von wegen“, so die vorläufige Zwischenbilanz der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein.

Unterdessen müssen Schiffskapitäne auf der Donau geduldig längere Pausen einlegen. Denn der Fluss ist an einigen Stellen nicht mehr tief genug. „Vor allem zwischen Straubing und Vilshofen wird die Donau derzeit zu einem Nadelöhr. Da fehlt einfach jeder Zentimeter Wasser“, sagte Helmut Rubenbauer, kommissarischer Fachbereichsleiter beim Wasser- und Schifffahrtsamt Regensburg, der dpa. An anderen Flüssen in Deutschland gab es bisher keine größeren Probleme.

dpa/dapd

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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