Flusspegel steigen - Aufräumen in Kaufungen

Hochwasser nach Sturmtief "Burglind": Überflutungen und gesperrte Straßen in der Region

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Im Landkreis Northeim sind nach starken Regenfällen Straßen gesperrt und Flächen überflutet.

Northeim/Bad Hersfeld/Hann.Münden/Kaufungen. Die Hochwasserlage in Hessen und Südniedersachsen spitzt sich weiter zu. In der Region steigen die Flusspegel, in Northeim mussten Straßen gesperrt werden.

Aktualisiert um 19.21 Uhr - Nach dem Tief "Burglind", das am Mittwoch für Sturmschäden und starke Regenfälle in der Region gesorgt hat, steigen die Pegel mehrerer Flüsse in der Region weiter. Vor allem Anwohner entlang der Fulda müssen damit rechnen, dass das Wasser über die Ufer treten kann. Das geht aus Daten des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLUG) in Wiesbaden hervor. 

Für den Schwalm-Eder-Kreis und den Kreis Waldeck-Frankenberg warnt der Deutsche Wetterdienst vor weiteren Sturmböen ab Donnerstagnachmittag um 16 Uhr bis zum frühen Freitagmorgen. Die Feuerwehr rechnet deutschlandweit mit steigenden Flusspegeln.

Aufräumen in Kaufungen

Nach der schweren Überschwemmung am Mittwoch an der Dautenbachstraße ist aktuell in Oberkaufungen großes Aufräumen angesagt. Überall gilt es Schlamm und Schmutz zu entfernen, auf Straßen, in Gärten, in Kellern. Kübelweise Dreck, Laub und Astwerk schaufeln die Anwohner weg, die Feuerwehr leistet dabei wertvolle Hilfe. Mit Spezialfahrzeugen werden zeitgleich zugelaufene Kanalrohre gereinigt, der Gemeindebauhof leistet Soforthilfe in Sachen Straßenreparatur.

Straßen in Northeim gesperrt

Aufgrund starker Regenfälle sind in der Nacht zu Donnerstag Gewässer wie Leine und Rhume in manchen Bereichen des Landkreises Northeim über die Ufer getreten. Flächen wurden überflutet, Straßen mussten gesperrt werden - Aktuelles dazu gibt es hier

Hochwasser im Landkreis Northeim

Hochwasser im Landkreis Northeim
 © Mennecke/HNA
Hochwasser im Landkreis Northeim
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Hochwasser im Landkreis Northeim
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Hochwasser im Landkreis Northeim
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Hochwasser im Landkreis Northeim
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Hochwasser im Landkreis Northeim
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Seit Donnerstagmorgen stagnieren die Pegelstände in Northeim oder gehen sogar zurück. Jetzt hänge in Sachen Hochwasser alles davon ab, ob es in den nächsten Stunden weiter starke Regenfälle gibt, so eine Sprecherin des Niedersächsischem Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz.

Kurzclip: Hochwasserrückhaltebecken Salzderhelden

Steigende Flusspegel in Hann.Münden

Auch in Hann.Münden sind die Pegelstände in der Nacht zu Donnerstag weiter gestiegen: Um 9.30 Uhr betrug der Stand der Weser in Hann.Münden 4,68 Meter. Am Mittwoch lag er noch bei 4,44 Metern. Auch für Fulda und Werra werden höhere Pegelstände verzeichnet.

Die Pegelstände in Witzenhausen

Wegen des anhaltenden Regens steigt auch der Pegel der Werra an. Bei Bad Sooden-Allendorf wurde in der Nacht zu Donnerstag die Hochwasser-Meldestufe 1 (310 Meter) erreicht. Aktuell (um 14 Uhr) liegt der Pegelstand bei 3,25 Metern. Die Experten des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) gehen allerdings davon aus, dass der Höhepunkt schon überschritten ist und das Wasser nicht weiter steigen wird, spätestens ab Sonntag soll eine deutliche Verbesserung der Lage eintreten. Der Wasserstand am Pegel Wanfried-Heldra liegt mit aktuell 3,30 Metern deutlich unter der Meldestufe 1, die bei Wasserständen von 3,80 Metern ausgelöst wird. Aktuelle Informationen zum Stand der Werra gibt es hier.

Mäßige Hochwassergefahr in Waldeck-Frankenberg

In Waldeck-Frankenberg herrscht laut HLNUG eine mäßige Hochwassergefahr. Die Scheitelwerte im Oberlauf der Eder sind bereits erreicht und die Wasserstände sollten im Laufe des Tages wieder fallen, heißt es aus dem RP Kassel. Die Edertalsperre und Diemeltalsperre stauen ein, die Abgabe aus der Edertalsperre ist momentan bei 60 Kubikmeter pro Sekunde und damit deutlich unter dem Warnwert von 110.

Kreis Kassel: Deutlich mehr Wasser in Nieste und Losse

An Nieste und Losse ist es bislang ruhig. Zwar führen beide Flüsse deutlich mehr Wasser als üblich, aber bislang gibt es keine Überschwemmungen. Die Nieste an der Messstelle bei Dahlheim befindet sich unter der kritischen Marke und der Wasserstand fällt seit gestern wieder. An der Losse bei Helsa galt in der Nacht zu Donnerstag Meldestufe I. Mittlerweile sinkt auch hier der Pegel wieder.

Hochwasser in der Weser: Auch in Oberweser steigt der Flusspegel. 

Das Sturmtief "Burglind" in Bad Hersfeld

Im Falle der Fulda wurde die Meldehöhe II bei Bad Hersfeld und Kämmerzell am Donnerstagmorgen überschritten. Die Meldestufe III, die bedeutet, dass auch bebaute Gebiete in größerem Umfang überflutet werden können, wird voraussichtlich nicht erreicht. Das Wasser soll im Laufe des Samstags allmählich wieder absinken.

Nachdem Sturmtief „Burglind“ kräftigen Regen gebracht hat, sind am Mittwoch die Pegelstände im Landkreis Hersfeld-Rotenburg weiter gestiegen. In Bad Hersfeld kletterte die Fulda auf 4,56 Meter und erreichte die erste von drei Warnstufen. Am Dienstag hatte die Hersfelder Messstation noch rund 60 Zentimeter weniger gemeldet.

Die Hochwasservorhersagezentrale des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) rechnet damit, dass am heutigen Donnerstag in der Kreisstadt die zweite Warnstufe erreicht wird. „Die Wasserstände werden weiter steigen“, so das Regierungspräsidium Kassel, das eine erneute Hochwasserwarnung veröffentlicht hat.

Sturmschäden blieben in Bad Hersfeld aus

Während „Burglind“ in weiten Teilen Nordhessens Bäume entwurzelt und vielerorts für Sachschäden gesorgt hat, blieben große Sturmschäden nach Auskunft der Polizei im Landkreis Hersfeld-Rotenburg aber aus.

Das Tief "Burglind" löste in Kaufungen (Kreis Kassel) sogar eine Flutwelle aus:

Kräftiger Regen in Rotenburg

In Rotenburg war die Fulda am Mittwoch auf 3,63 Meter gestiegen. Zum Vergleich: Am Dienstag lag der Pegelstand noch bei 3,11 Meter. Nach der HLNUG-Prognose könnte infolge weiterer vom Deutschen Wetterdienst vorhergesagten Regenfälle heute in Rotenburg die erste Meldestufe (vier Meter) erreicht werden.

Bis ans Ufer: Die Fulda stand gestern am Bootshaus des Rotenburger Rudervereins so hoch wie lange nicht. Nach Einschätzung der hessischen Hochwasservorhersagezentrale könnte der Pegel heute die erste Warnstufe erreichen.

In Rotenburg ist beispielsweise der Radweg am alten Schlosspark vorsorglich gesperrt worden, am Bootshaus des Rudervereins stieg das Wasser fast über das Ufer, am Breitenbacher See in Bebra flutete der Regen ein Beachvolleyballfeld, in vielen Gemeinden standen Felder unter Wasser.

Grund zur Sorge besteht aber vorerst nicht. Die HLNUG-Experten gehen ohnehin davon aus, dass die Pegelstände ab Donnerstagabend langsam sinken.

Keine Gefahr im Werra-Meißner-Kreis

Entlang der Werra im Werra-Meißner-Kreis besteht nach Angaben von Kreisbrandinspektor Christian Sasse vorerst keine Hochwassergefahr. Am Donnerstagmorgen wurden am Pegel Heldra 3,35 Meter gemessen. Für das Wasser- und Schifffahrtsamt in Hann. Münden ist damit die Meldestufe eins noch unterschritten.

Im Rückhaltebecken der Schwalm ist noch Platz

Alle drei Becken des Wasserverbandes Schwalm sind bereits seit Dienstagmorgen eingestaut, um die unterhalb gelegenen Ortschaften vor Hochwasser zu schützen. Insgesamt steht noch ausreichend Rückhaltevolumen zur Verfügung,  teilt Peter Kugler vom Wasserverband mit.

Hochwasserlage in Hessen

Die Hochwasserlage an der Lahn bei Gießen könnte sich verschärfen. Dort waren am Donnerstag die Pegelstände zunächst weiter gestiegen. Die höchste Hochwassermeldestufe III könnte knapp erreicht werden, sagte ein Sprecher des Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLUG) in Wiesbaden. Die Lage bleibe zunächst angespannt. Längerfristig sei in Hessen aber mit einer Entspannung der Situation im Laufe des Tages zu rechnen. 

Betroffen von Hochwasser waren vor allem Anwohner entlang der Lahn und der Fulda. Hier wurde an mehreren Messstellen die Meldestufe II erreicht. 

Während des Sturms am Mittwoch war in Melsungen (Schwalm-Eder-Kreis) eine Tanne auf ein Hausdach gestürzt: 

Bei Marburg war die Meldestufe III mit über 4,50 Metern in der Lahn kurzzeitig erreicht worden. Dann sank der Wasserstand wieder. Bei Gießen wurde die Marke von sechs Metern und damit die Meldestufe II überschritten. 

Hochwassermeldungen gab es unter anderem für die Werra, die Weser, die Aar und die Kinzig. Die großen Flüsse Rhein und Main blieben unter der Meldestufe I.

mit dpa

Eine Zusammenfassung der Sturmschäden durch Tief "Burglind" von Mittwoch gibt es hier.

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