Verbrannte Leiche in Nationalpark entdeckt

Australierin kurz vor Hochzeit ermordet: Brautkleider im Netz als Zeichen der Trauer

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Die australische Lehrerin Stephanie Scott (links) wurde eine Woche vor ihrer Hochzeit ermordet. Nun trauern Australier im ganzen Land mit ihrem Verlobten und der Familie und laden Fotos von Brautkleidern im Internet hoch. Es ist auch eine Aktion, die Gewalt gegen Frauen verurteilt. Das Bild zeigt die junge Lehrerin mit ihrer Mutter.

Sydney. Die australische Lehrerin Stephanie Scott wurde eine Woche vor ihrer Hochzeit ermordet. Nun trauern Australier im ganzen Land mit ihrem Verlobten und der Familie und laden Fotos von Brautkleidern im Internet hoch. Es ist auch eine Aktion, die Gewalt gegen Frauen verurteilt.

Eigentlich hätte es der glücklichste Tag im Leben der jungen Australierin Stephanie Scott werden sollen. Am Samstag wollte die 26-Jährige ihre Jugendliebe heiraten. Doch am Ostersonntag wurde sie von einem Kollegen ermordet. Das ganze Land nimmt auf ungewöhnliche Art Anteil.

Alles war vorbereitet

Am Ostersonntag schrieb Stephanie Scott noch eine letzte E-Mail an die Busfirma, die die rund 100 geladenen Gäste transportieren sollte. Gegen elf Uhr ging sie nochmal an der Schule in Leeton vorbei, einem kleinen Ort rund 340 Kilometer westlich von Canberra, wo sie als Lehrerin Englisch und Theater unterrichtete. Sie wollte noch einige Stunden für die Kollegin vorbereiten, die sie während ihrer Hochzeitsreise vertreten sollte.

Dort begegnete die junge Frau dann vermutlich ihrem mutmaßlichen Mörder, dem 24-jährigen Putzmann Vincent S., der an der gleichen Schule wie sie arbeitete. Was danach passierte, ist bis heute noch unklar. Die Polizei nimmt jedoch an, dass der Mann seine Kollegin irgendwann am Nachmittag am Ostersonntag ermordete.

Hochzeitsgäste suchten nach der Braut Als Stephanie nicht wie geplant zu einem Abendessen mit ihrem zukünftigen Verlobten auftauchte, dachten Freunde und Familie noch an ein Missverständnis, dass die junge Frau vielleicht kalte Füße so kurz vor der Hochzeit bekommen hätte oder an einen Unfall. Sie starteten eine verzweifelte Suchaktion, baten die Hochzeitsgäste, die teils von weither angereist kamen, um Mithilfe bei der Suche.

Doch bereits Mitte der Woche sah sich die Familie mit der Horrornachricht konfrontiert, dass die Polizei den Putzmann der Schule verhaftet habe, nachdem Blutspuren in seinem Auto und das Foto einer verbrannten Leiche auf seinem Telefon gefunden wurden. Am Freitag stieß die Polizei in einem Nationalpark dann tatsächlich auf eine Frauenleiche, nachdem Telfondaten den Aufenthaltsort des mutmaßlichen Mörders am Sonntag nachvollziehen ließen.

Ganz Australien nimmt Anteil

Am Samstag, an dem die beliebte junge Lehrerin nun eigentlich hätte heiraten sollen, versammelten sich Freunde und Familie, um zu trauern. Australier im ganzen Land reagierten mit einer Aktion, die an die Geste erinnert, mit der Australien im November um den Cricketspieler Phillip Hughes trauerte, der starb, nachdem ihn ein Ball während eines Spieles unglücklich am Kopf traf. Tausende stellten damals als Zeichen ihrer Anteilnahme ihre Cricketschläger vor ihre Haustüren, fotografierten die Schläger und luden die Bilder auf Twitter unter dem Hashtag hoch.

https://twitter.com/hashtag/PutYourDressOut?src=hash

Doch die Aktion, die in kürzester Zeit Tausende Likes und Reaktionen hervorrief, wächst inzwischen noch über die Trauer um die beliebte junge Lehrerin hinaus. Sie will Solidarität für die Familie zeigen, aber auch ein Zeichen gegen Gewalt gegen Frauen setzen. So lud Emma Schenk ein Bild ihres Hochzeitskleides mit den Worten hoch: „Für alle Frauen, die zu früh von uns gegangen sind.“

Und Renee Mundy schrieb: „Mein Hochzeitskleid hängt draußen, um Stephanie Scott zu ehren. Stoppt Gewalt gegen Frauen.”

Im Durchschnitt werden in Australien zwei Frauen pro Woche ermordet, entweder von ihrem eigenen Partner, jemanden den sie kannten oder einem völlig Fremden. Laut der Tageszeitung „NT News“ sind seit Beginn des Jahres bereits 30 Frauen in Australien getötet worden. (yeu)

Von Barbara Barkhausen

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