Tierheilpraktikerin erklärt in Seminaren alternative Behandlungsmethoden

Homöopathie für Milchkühe: Ziel sind weniger Antibiotika im Stall

Milchkühe im Stall: Zur klassischen Behandlung der Tiere etwa beim Kalben oder bei Eutererkrankungen werden alternative Methoden angeboten. Foto: dpa

Usseln. Der Titel des Seminars wirkt auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich: „Homöopathie für Milchkühe“. Angeboten wurde der zweitägige Lehrgang für Landwirte vor wenigen Tagen in der Upländer Bauernmolkerei in Usseln. Das Thema mag zunächst ein Schmunzeln auslösen, hat aber einen durchaus ernsten Hintergrund.

Mit alternativen Heilmethoden wie Homöopathie soll versucht werden, den Verbrauch von Antibiotika und anderen klassischen Medikamenten in den Ställen einzuschränken. Nach Ansicht der Tierheilpraktikerin Birgit Gnadl, die das Seminar in Usseln leitete, kann in manchen Fällen sogar ganz auf eine schulmedizinische Behandlung verzichtet werden, in anderen können sich beide Methoden ergänzen.

Antibiotika seien eigentlich für lebensbedrohliche Krankheiten bei Tieren erfunden worden, und nur dann sollten sie auch eingesetzt werden, erklärte sie im Gespräch mit unserer Zeitung weiter. Die Niederlande seien Vorreiter darin, Antibiotika im Nutztierbereich drastisch einzuschränken, auch einige skandinavische Länder praktizierten das bereits. Eines Tages könnten die Mittel nur für Erkrankungen beim Menschen vorgehalten werden.

Das Prinzip der homöopathischen Behandlung sei, mögliche Krankheiten zu erkennen, bevor sie ausbrechen (siehe Stichwort). Während schulmedizinische Präparate Symptome unterdrückten, stärkten homöopathische Mittel das Immunsystem. Gnadl: „Der eigene Körper ist der beste Arzt“. Das gelte auch für Tiere. Die Homöopathie beschäftige sich in erster Linie mit den Ursachen und Auslösern von Krankheiten.

Eingesetzt werden die Mittel vor allem nach dem Kalben, bei Eutererkrankungen, und bei Verhaltensstörungen. Die Seminare Gnadls beziehen sich ausschließlich auf Kühe, prinzipiell sei homöopathische Behandlung aber auch bei anderen Nutztieren wie Geflügel oder Schweinen möglich.

Homöopathie wird bereits seit Jahren in vielen Ställen eingesetzt. Bauern suchen auch nach alternativen Heilmethoden, um ihre Tiere gesund zu halten und nicht bei jeder Krankheit die ganze Herde behandeln zu müssen.

Landwirte müssen nach den Worten Gnadls nicht mit höheren Kosten rechnen, wenn sie alternative Heilmethoden wählen. Wenn Krankheiten dadurch vermieden werden könnten, werde sogar Geld gespart.

Die Seminare werden im Winterhalbjahr in ganz Deutschland angeboten. Zu dem Lehrgang in Usseln hatten sich nach Angaben von Cornelia Hellwig, Sprecherin der Molkerei, 30 Interessierte angemeldet. Im nächsten Jahr soll es einen weiteren Termin geben.

Hintergrund: Antibiotika in der Tiermedizin

Die Gabe von Antibiotika in deutschen Ställen ist seit langem in der Kritik. Vor allem Geflügel und Schweine in der Intensivhaltung werden damit behandelt. Kritiker befürchten, dass Menschen über Fleisch Reste der Medikamente aufnehmen und irgendwann Resistenzen entwickeln können. Dann schlagen Antibiotika bei Krankheiten nicht mehr richtig an. Mit dem Thema beschäftigte sich auch der Weltgesundheitsgipfel in Berlin.

In der Kuhmilch gibt es keine Rückstände von Antibiotika. Die Molkereien prüfen nach Angaben von Tierheilpraktikerin Birgit Gnadl täglich die Produktion. Aber Antibiotika können durch Ausscheidungen der Tiere die Umwelt belasten.

Stichwort: Homöopathie aktiviert Selbstheilungskräfte

Die alternative Heilmethode Homöopathie wirkt nach dem Grundsatz: Ähnliches soll durch Ähnliches geheilt werden. Sie beruht auf den bereits 1796 veröffentlichten Vorstellungen des Arztes Samuel Hahnemann. Homöopathische Arzneimittel werden von vielen Menschen eingenommen, im Jahr 2013 wurden 482 Millionen Euro mit den Präparaten umgesetzt, das sind über acht Prozent aller rezeptfreien Arzneimittel.

Das homöopathische Prinzip soll auch bei Kühen funktionieren. Hat das Tier beispielsweise eine Euterentzündung (Mastitis), wird es mit einem Mittel behandelt, das solche Symptome im Körper hervorruft. Dadurch werden die Selbstheilungskräfte aktiviert. Wichtig ist , dass der Tier-Homöopath die Krankheiten möglichst früh erkennt. Dazu müssen die Kühe in den Ställen regelmäßig beobachtet werden.

Homöopathie ist nicht unumstritten. Rein wissenschaftlich gesehen ist sie nach Ansicht von Kritikern aus der klassischen Schulmedizin wirkungslos. Sie ginge nicht über den Placebo-Effekt hinaus. Placebos sind Scheinmedikamente ohne Wirkstoff, die lediglich das subjektive Befinden beeinflussen.

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