Verstorbener "Derrick"-Darsteller

Horst Tappert war bei SS-Flakabteilung in Arolsen

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Horst Tappert.

Berlin/Bad Arolsen. Was sein Privatleben anging, hielt sich Schauspieler Horst Tappert (1923-2008) zu Lebzeiten bedeckt. Jetzt kam heraus, dass er im Zweiten Weltkrieg bei der Waffen-SS diente – unter anderem in Bad Arolsen. Das hat der Soziologe Jörg Becker bei Recherchen für ein Buch herausgefunden.

Weder in seiner Autobiografie noch in Interviews hatte der verstorbene „Derrick“-Darsteller viel über seine Zeit während des Nationalsozialismus erzählt. Jetzt meldet aber die „FAZ“, dass der Schauspieler Mitglied der SS-Flak-Ersatzabteilung in Bad Arolsen war. Diese unterstand dem Kommando-Amt der Waffen-SS. Wer in der Flak-Ersatzabteilung war, war Nachrücker für die Waffen-SS. Flak ist die Abkürzung für Fliegerabwehrkommando. Wie lange Tappert in Arolsen war, ist nicht bekannt.

Laut Akten-Auszug war der Schauspieler spätestens im März 1943 Mitglied der berüchtigten Waffen-SS – im Rang eines einfachen Grenadiers. In welchem Zusammenhang der Schauspieler eingetreten ist, ist auch unklar: ob er freiwillig zur Waffen-SS ging oder zwangsrekrutiert wurde.

Tappert 1943 in Arolsen?

Die Flak-Ersatzabteilung war laut Dr. Bernd Joachim Zimmer nur für kurze Zeit in Bad Arolsen. Zimmer hat in seinem Buch „Deckname Arthur" über das Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald, das in der Arolser SS-Kaserne untergebracht war, geschrieben.

Er geht davon aus, dass Horst Tappert nur von März bis Juni 1943 in Arolsen gewesen sein kann. Denn dann wurde die SS-Flak von Arolsen nach München verlegt. In der Zeit vom 17. bis 25 Mai wurden Teile dieser SS-Flak für Rettungs- und Bergungsarbeiten in Edertal eingesetzt, nachdem die Edertalsperre bombardiert wurde. Es wäre möglich, dass Tappert dabei gewesen ist, vermutet der Historiker Zimmer.

Dies würde mit dem Akten-Auszug der "Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der deutschen Wehrmacht" (WaSt) übereinstimmen. Diese bestätigt, dass Tappert ab März 1943 Mitglied der berüchtigten Waffen-SS war. 

Recherche von Soziologen

Die Mitgliedschaft Tapperts bei der Waffen-SS hat der Soziologe Jörg Becker aus Solingen herausgefunden. Er rechecherierte für eine Biografie von Elisabeth Noelle-Neumann. Diesbezüglich hatte er eine Anfrage bei der in Berlin angesiedelten "Deutschen Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der deutschen Wehrmacht" (WaSt) gestellt, die es seit 1939 gibt. Dort finden sich Unterlagen über die Truppenzugehörigkeit deutscher Soldaten während des Zweiten Weltkriegs.

Mehr zur Kaserne in Bad Arolsen gibt es im Regiowiki der HNA.

Arolsen galt schon vor dem Zweiten Weltkrieg als Hochburg der SS der NSDAP. Unmittelbar nach der Machtübertragung an Hitler zog ein Kommando der SA-Hilfspolizei in ein Gebäude der Polizeiverwaltung Arolsen.

Das 2. Regiment der SS-Verfügungstruppe Germania zog in die Kasernen an der Großen Allee. Die Kasernen dienten unter anderem als SA-Sportschule, SS-Führerschule und bis zum Ende des Krieges als Unterkunft für Wehrmachts-Ersatzeinheiten. (bas/mow)

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