Eigener Sender für Vierbeiner

DogTV kommt nach Deutschland: Tierschützer sind empört

+

Berlin. Einen Fernsehsender für Hunde, braucht man - oder Hund - das? Der amerikanische Sender DogTV sagt ja. Und deswegen kann man auch hierzulande seinem Vierbeiner Fernsehen lassen.

Dieser Fernsehsender zeigt vor allem eins: Hunde. Und zwar Hunde in allen möglichen Situationen. Welpen räkeln sich im Körbchen, das Fell eines schlafenden Cocker-Spaniels bewegt sich sanft im Wind. Wer sich dafür interessieren soll? Hunde eben. Der Sender DogTV ist kürzlich in Deutschland gestartet und sendet rund um die Uhr ein speziell auf die Vierbeiner zugeschnittenes Programm.

Der Hundekanal solle die Tiere beruhigen und beschäftigen, wenn Herrchen und Frauchen außer Haus seien, sagt Gilad Neumann, Mitgründer des Senders. Die TV-Macher beteuern: Hunde gucken wirklich auf die Mattscheibe, wenn auch in der Regel wenige Minuten. Und wenn nicht, freuten sie sich über Geräusche und Musik. „Wir wollen das Leben der 300 Millionen Hunde auf der Welt verbessern“, hat sich Neumann zur Mission gemacht.

Dazu habe manmit Wissenschaftlern die Fernseh-Bedürfnisse von Hunden erforscht. Herausgekommen ist ein Programm, das mit herkömmlichem TV nicht viel gemein hat. Die Hunde-Sendungen sind fast ausnahmslos aus Hundeperspektive gefilmt.

Weil die Tiere rot-grün-blind sind, werden auf den Bildern nachträglich die Farben Gelb und Blau verstärkt. Laute Geräusche sowie Werbung sucht man vergebens.

Am Vormittag bestimmt Entspannung das Programm. Kurz nach der Trennung vom Halter sei der Stress-Level besonders hoch. Schneebedeckte Gipfel oder Wiesen flimmern über den Bildschirm, Artgenossen lümmeln herum. „Wenn die Hunde diese Entspannungsfilme sehen, schlafen sie oft ein“, sagt Neumann. Weil zu viel Schlaf laut Verhaltensforschern aber auch nicht gut für die tierische Psyche ist, sorgen actionreichere Sequenzen für Abwechslung. Die Idee für Hundefernsehen stammt aus den USA. Dort gibt es DogTV seit 2013. In Deutschland ist es nun zunächst über das Telekom-Angebot Entertain zu empfangen. Hier wird das Fernsehprogramm über das Internet an das TV-Gerät übermittelt, was drei Millionen Deutsche nutzen.

Tierschützer sehen das Hundefernsehen kritisch. Es bestehe die Gefahr, dass Halter das Programm als artgerechte Beschäftigung fehlinterpretierten, mahnt der Tierschutzbund. „Fernsehen kann Spaziergänge oder Spielen keinesfalls ersetzen.“ Erfinder Neumann ist trotzdem überzeugt: „Kein Hund würde Fernsehen einem Spaziergang vorziehen.“ (dpa/rpp)

Lesen Sie auch:  Kommentar zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.