Das Comeback des Pornobalken

Darum ist Gündogans Bart schlimmer als sein Erdogan-Foto

Haben den selben Bartgeschmack: Der deutschtürkische Fußballer Fußballer Ilkay Gündogan und Türkeis Präsident Recep Tayyip Erdogan.
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Haben den selben Bartgeschmack: Der deutschtürkische Fußballer Fußballer Ilkay Gündogan und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan.

Mit seiner Huldigung für den türkischen Präsidenten Erdogan schoss Ilkay Gündogan ein Eigentor. Viel schlimmer ist jedoch der Bart des Fußballers. Der Schnäuzer ist eine Mode-Sünde.

Für manchen Deutschen gibt es in diesen Tagen gleich mehrere Gründe, warum Ilkay Gündogan nicht mehr für die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) spielen sollte. Da ist das Trikot, das der Profi von Manchester City dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan mit seinem Kollegen Mesut Özil in London überreichte. Dann meldete die "Bild"-Zeitung, dass der Ex-Dortmunder vor Länderspielen nicht die Nationalhymne singe, was manche Leitkultur-Anhänger gern mit der Zwangsausbürgerung bestrafen wollen. Einen Tag später korrigierte "Bild" übrigens: Gündogan singt doch mit.

Schlimmer als alles andere ist jedoch dieser Schnurrbart, den der 27-Jährige seit neuestem trägt. Für Musik-Fans geht Gündogan damit als Doppelgänger des Kasseler Pop-Stars Clemens Rehbein vom Duo Milky Chance durch. Ein Kollege findet dagegen, dass er jetzt aussieht wie ein türkischer Gemüsehändler: "Es fehlt nur noch die grüne Schürze." Die hat er wahrscheinlich auch an Erdogan überreicht. Und der hat das Tuch in der Farbe der Hoffnung gleich vergraben lassen, damit niemand unnötig Gedanken an eine Demokratisierung des autoritären Staates verschwendet.

Nach dem Foto bleiben zwei Fragen: Was hat sich Gündogan mit seinem Besuch bei Erdogan gedacht? Und was will er uns mit seinem Schnäuzer sagen? Für Ersteres hat er sich bereits entschuldigt. Über die viel heiklere zweite Sache schweigt er indes.

Der gebürtige Gelsenkirchener gilt als moderner Mittelfeldspieler. Seine Gesichtsbehaarung stammt dagegen aus einer Zeit, als es noch Libero und Vorstopper gab. Statistiker haben herausgefunden, dass 1985 sage und schreibe 162 Bundesliga-Profis zwischen Mund und Nase Haare hatten. VokuHilaOliba (vorne kurz, hinten lang plus Oberlippenbart) war der letzte Schrei. Online-Fotogalerien mit Panini-Bildern aus dieser Zeit klickt man heute fasziniert durch. Es ist wie bei einer Unfallstelle, die man auf der Autobahn passiert - man kann einfach nicht wegschauen.

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Prominentester Schauzbartträger damals war vermutlich Schauspieler Tom Selleck ("Magnum"), aber auch zahlreiche Sex-Darsteller rasierten sich nicht, weshalb Haar-Experten heute den Begriff "Pornobalken" verwenden. Schon in den 90er-Jahren war der wieder verpönt. 1996 zählte man nur noch 14 Fußball-Profis mit Schnäuzer.

Wieso er nun wieder in Mode kommt, ist ein Rätsel. Lange Hipster-Bärte finden immerhin viele Frauen cool. Es ist jedoch kein Zitat einer weiblichen Schönheit überliefert, das die Ästhetik des Schnäuzers feiert. Dafür antwortete Schauspieler Brad Pitt bereits 2010 auf die Frage, warum er sich an der Oberlippe nicht mehr rasiere: "Die Schnurrbärte werden einfach nicht genügend respektiert."

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Man kann den Schnäuzer nur als ironisches Zitat verstehen. Darum sieht es ja auch lustig aus, wenn sich etwa die Bundesliga Handballer der MT Melsungen für die Benefiz-Aktion Movember einen Bart stehen lassen, um auf die Vorsorge vor Prostatakrebs hinzuweisen.

Gündogan wird trotz allem weiter für die deutsche Nationalmannschaft spielen - und das ist gut so. Schließlich kann der Bart auch ein Symbol für eine bessere Zukunft sein. Als der Zweitligist VfL Bochum vor einigen Jahren in der Krise war, hängten Fans ein Plakat auf: "Die Hoffnung trägt Schnäuzer." Sie wollten ihren alten Trainer Peter Neururer zurückhaben, der schon einen Bart hatte, als Gündogan noch nicht geboren war.

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