Der französische Schauspieler Pierre Brice wird 85 und ist untrennbar mit den Karl-May-Filmen verbunden

Immer Häuptling Winnetou geblieben

Pierre Brice

Es gibt Schauspieler, die auf ewig mit einer einzigen Figur verbunden sind. Mark Hamill bleibt für immer Luke Skywalker, Macaulay Culkin wird man nie sehen können, ohne an den vergessenen Kevin zu denken. Und so ist es mit Pierre Brice, der zwischen 1962 und 1968 in elf Filmen Karl Mays Indianerhäuptling Winnetou sein Gesicht lieh. Heute wird der gebürtige Bretone 85 Jahre alt.

Fast hätte Brice, der eigentlich Pierre Louis Baron Le Bris heißt, die Rolle des Apachenhäuptlings, die ihm der Fernsehproduzent Horst Wendlandt bei den Berliner Filmfestspielen 1962 anbot, sogar abgelehnt. Das aus den Western der späten 50er-Jahre bekannte, negativ besetzte Indianerbild gefiel ihm nicht. Als Brice eröffnet wurde, wer die zweite Hauptrolle in „Der Schatz im Silbersee“ spielen sollte, sagte er dennoch zu. Der Amerikaner Lex Barker, der als Landvermesser Old Shatterhand in sieben Filmen an Winnetous Seite reiten sollte, war bereits ein gefeierter und von Brice verehrter Star. Bis zu dessen frühem Tod 1973 verband beide eine enge Freundschaft.

Entgegen Brice’ Erwartungen wurden die Winnetou-Filme ein internationaler Erfolg. Und so verfolgte ihn die Rolle über die nächsten Jahrzehnte. Ob bei den Karl-May-Festspielen in Elspe und Bad Segeberg oder einem missglückten TV-Comeback 1998 - in die helle Leinenkluft schlüpfte Brice immer wieder. An die Erfolge der Karl-May-Verfilmungen konnte der Franzose weder mit anderen Rollen – darunter zwei Staffeln der RTL-Kitschserie „Ein Schloss am Wörthersee“ – noch mit einer begleitenden Gesangskarriere anknüpfen. Auch wichtige Filmpreise blieben aus. Zwölf Goldene Ottos der Jugendzeitschrift „Bravo“ zeugen vielmehr von seinem Status als Teenie-Idol. Das Magazin ehrte Brice mit insgesamt drei Starschnitten - so oft wie keinen anderen.

Mit dem von ihm verkörperten Winnetou hat Brice vor allem seinen Gerechtigkeitssinn gemein. Hatte er sich im Alter von 19 Jahren noch als Soldat für den Indochinakrieg gemeldet, machte er in den 90er-Jahren als Unicef-Botschafter von sich reden. Er organisierte und begleitete Hilfskonvois nach Bosnien und setzte sich für den Tierschutz ein. Für sein Lebenswerk erhielt er 1992 das Bundesverdienstkreuz. Mit seiner Frau Hella Krekel will Brice in diesem Jahr nach Bayern ziehen. Seinen Landsitz bei Paris hat er bereits verkauft.

Von Lasse Deppe

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