Insolvenz: Traumschiff treibt im Schuldenmeer

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TV-Chef: Sascha Hehn, Traumschiff-Kapitän des ZDF.

Da kann auch TV-Kapitän Sascha Hahn nicht helfen: Die Eigentümer des ZDF-Traumschiffs, der MS Deutschland, sitzen auf einem Berg von Schulden. Was mit Crew und Schiff wird, ist offen.

Sascha Hehn wird Kapitän - das war die vorerst letzte gute Nachricht vom Kreuzfahrtschiff MS Deutschland. Jetzt, ein Jahr später, dümpelt der Luxuskahn vor Gibraltar. Weltreise abgesagt, das Geld für die letzten 40 Mann an Bord und die Heimat-Crew in Neustadt/Holstein reicht nur noch bis Silvester. Der vorläufige Insolvenzverwalter sucht dringend Käufer. Das ZDF hat die 1998 in Dienst gestellte MS Deutschland für die Endlos-Serie Das Traumschiff in praktisch alle blauen Meere dieser Welt geschickt. Im Februar wollen ZDF und TV-Käpt’n Hehn in der Südsee neue Folgen drehen.

Falls das letzte große Passagierschiff unter deutscher Flagge dann noch fährt. Das wahre Leben hat mit der TV-Welt wenig zu tun: Die Eignergesellschaft der MS Deutschland sitzt auf 56 Mio. Euro Schulden. Die Holding dahinter wird nach der Münchner Investmentfirma Aurelius AG nun von der Callista Private Equity beherrscht. Zwei Töchtern des 2003 gestorbenen Ex-Schiffseeigners Peter Deilmann blieb nach der Insolvenz ihrer Reederei nur eine Mini-Beteiligung.

Im Nebel tappen gutgläubige Anleger, die nun ungläubig 50 Mio. Euro hinterhertrauern. So viel spielte eine MS-Deutschland-Anleihe ein, die 2012 noch zu Aurelius-Zeiten für fünf Jahre aufgelegt wurde. Die Top-Zinsen von fast sieben Prozent gab‘s nur 2013. Vorgestern wären sie wieder fällig gewesen - Fehlanzeige.

Unklar ist der Verbleib der 50 Millionen. Sie werden 2017 zur Rückzahlung fällig. Dass das Geld nicht nur in den Traumschiff-Betrieb fließen sollte, habe man bei genauem Studium schon dem Anleihe-Verkaufsprospekt entnehmen können, sagt ein Insider. Gut 20 Millionen seien „für Zins und Tilgung von Darlehen von Aurelius oder Firmen aus dem Aurelius-Umfeld“ genutzt worden, zitiert das Manager-Magazin den vorläufigen Insolvenzverwalter. Aurelius hat das strikt dementiert. Auch der Wert des Schiffes im Prospekt gilt mit 77 Mio. Euro als überzogen. Den aktuellen Buchwert beziffern die Betreiber auf 34 Millionen. Schiffsmakler gingen noch tiefer - bis auf acht Millionen.

Ernsthafte Kaufinteressenten gebe es, sagt Andreas Jung, Sprecher des Insolvenzverwalters. Was müssten die zahlen? „So viel wie möglich!“ Allein der Schiffs-TÜV, den eine Werft im spanischen Cadiz besorgen sollte, hätte zwei Millionen Euro gekostet. Zu teuer, man griff zur billigeren Kurzverlängerung bis Februar. Danach, so Jung, dürfe die Deutschland nur noch am Schlepperhaken fahren.

Im ordentlichen Insolvenzverfahren, das 2015 ansteht, wäre die Versteigerung des Traumschiffs denkbar. Was Jung aber für unwahrscheinlich hält. Das ZDF offenbar auch: „Wir gehen nach wie vor davon aus, dass 2015 gedreht werden kann“, hieß es auf Anfrage unserer Zeitung. Seinen eigenen Plan B für das Schiff im Schuldenmeer verriet TV-Kapitän Hehn dem Kölner Express: Das ZDF solle den Kahn endlich kaufen - „dann fahren wir dahin, wo wir wollen“. Wird wohl nichts - das ZDF beteuerte gestern: „Der einzige Kahn, den wir unter Vertrag haben, ist der Oli.“ (wrk)

Hintergrund: Echter Kapitän schied im Streit 

Vor der Eröffnung des vorläufigen Insolvenzverfahrens Anfang November hatte zuletzt das Theater um den langjährigen echten Deutschland-Kapitän Andreas Jungblut unschöne Schlagzeilen produziert: Jungblut hatte im Herbst 2012 mit Besatzung, Gewerkschaft Verdi und Politikern gegen Pläne der Reederei Deilmann protestiert, die Deutschland aus Kostengründen unter der Flagge Maltas fahren zu lassen. Die Reederei, 2010 von Aurelius übernommen, kündigte Jungblut. Die Klage auf Wiedereinstellung endete mit Vergleich und 170 000 Euro Abfindung nach 28 Dienstjahren. (dpa)

Traumschiff-ZDF-Sendetermine: 26.12., 20.15 Uhr, Mauritius 1.1.2015, 20.15 Uhr, Kanada

• Mehr Details der Reederei: http://zu.hna.de/problemschiff

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