Interview: Auswanderung ist für viele ein Karriere-Baustein

Fernsehsendungen wie „Goodbye Deutschland" und „Auf und davon" präsentieren den Traum vom Leben außerhalb Deutschlands.

Dass die Realität eine andere ist, erklärt der Soziologe Dr. Marcel Erlinghagen, der an der Studie über die Migrations-Motive deutscher Staatsangehöriger beteiligt war.

Herr Erlinghagen, warum zieht es die Menschen in die Ferne? 

Marcel Erlinghagen: Aus- und Zuwanderung gehören zur Gesellschaft dazu. Dass bei der Auswanderung ein leichter Anstieg zu verzeichnen ist, hat damit zu tun, dass die internationale Mobilität - gerade unter Jüngeren - zunimmt. Die jüngeren Generationen verfügen beispielsweise über bessere Fremdsprachenkenntnisse.

Warum sind bei Auswanderern besonders die Schweiz und Österreich so beliebt?

Prof. Dr. Marcel Erlinghagen

Erlinghagen: Das hängt natürlich auch mit der deutschen Sprache zusammen. Die Hürde sich dort zu integrieren ist dadurch wesentlich niedriger, genauso wie in englischsprachigen Ländern wie Großbritannien und die USA. In der Schweiz gibt es zudem gute Beschäftigungsbedingungen, was die Entlohnung und die Aufstiegschancen angeht.

Vielen Auswanderern geht es nicht nur darum, ihr Einkommen zu verbessern. Welche Sehnsüchte werden noch gestillt?

Erlinghagen: Generell spielen berufliche Gründe eine wichtige Rolle bei der Entscheidung ins Ausland zu gehen. Beruflich spielt die Entlohnung eine Rolle, aber auch Arbeitsbedingungen wie zum Beispiel Arbeitszeit. Für Hochqualifizierte ist der Auslandsaufenthalt zudem ein wichtiger Baustein in der Karriere.

Wie wichtig ist für Auswanderer die Option wieder zurückzukehren?

Erlinghagen: Sehr wichtig. 40 Prozent der Befragten wissen bereits vor der Abreise ins Ausland, dass ihr Aufenthalt befristet ist. Nur eine Minderheit kann sich vorstellen dauerhaft zu bleiben. Gerade Fachkräfte bleiben nur für eine gewisse Zeit im Ausland, um dort Erfahrungen zu sammeln, die sie dann zurück nach Deutschland bringen.

Wird Auswanderung weiter ansteigen?

Erlinghagen: Mit Blick auf den demografischen Wandel, der sich in den nächsten Jahren noch verstärken wird, müssen alle Länder, auch Deutschland, mit einem Fachkräftemangel rechnen. Einzelne Länder werden sich um hochqualifizierte Facharbeiter bemühen und die internationale Mobilität ankurbeln.

Zur Person: Prof. Dr. Marcel Erlinghagen (43) ist Professor für Soziologie an der Universität Duisburg-Essen, die an der Studie über Migrations-Motive Deutscher beteiligt war. Geboren wurde Erlinghagen in Wuppertal (Nordrhein-Westfalen), studiert hat er Sozialwissenschaften in Bochum.

Stiftung Mercator: Die Stiftung Mercator ist eine private, unabhängige Stiftung. Ihr Ziel ist es, Europa zu stärken und Wissenschaft sowie Forschung zu ihren Themen und Zielen zu fördern. Das Vermögen der Stiftung stammt aus Finanzmitteln der Stifterfamilie Schmidt aus Essen. (lin) 

www.stiftung-mercator.de

Rubriklistenbild: © AFP

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.