Buch über den schwierigen Alltag

Polizistin packt aus: „Mich nennen sie eine Verräterin“

Seit zwölf Jahren im Polizeidienst: Jetzt hat Tania Kambouri über ihre Arbeit ein Buch geschrieben. Foto: privat/nh

Gewalt auf offener Straße, Respektlosigkeit und Beleidigungen erleben Polizeibeamte immer öfter – auch Tania Kambouri. Sie hat über ihren Polizeialltag ein Buch geschrieben.

Es heißt: „Deutschland im Blaulicht – Notruf einer Polizistin“

Frau Kambouri, was sehen Sie in ihrem Alltag als Polizistin, was andere Menschen nicht sehen oder nicht sehen wollen?

Tania Kambouri: Der Alltag wird für meine Kollegen und mich immer schwieriger. Wir erleben mehr Gewalt auf der Straße. Meistens geht sie von jungen Männern mit muslimischem Migrationshintergrund aus. Vor allem in Stadtvierteln mit vielen Migranten ist es schlimm, dort kommt es häufig zu Gewaltausbrüchen.

Was ist die Ursache?

Kambouri: Wir merken, dass in der gesamten Gesellschaft die Respektlosigkeit stärker wird. Als Polizisten erleben wir mehr Konflikte mit anderen Nationalitäten.

Wie äußert sich das?

Kambouri: Es ist vor allem psychische Gewalt, die immer stärker wird. Häufig wird versucht, die Polizei einzuschüchtern. Bei Einsätzen werden Beamte beispielsweise eingekesselt. Erst sind es ein oder zwei Personen, die können aber innerhalb von kürzester Zeit Freunde und Bekannte dazuholen oder andere mischen sich in die Maßnahme ein. Es ist ein immer stärkerer psychischer Druck, mit dem wir zurechtkommen müssen. Einsätze können auch schnell zu physischer Gewalt führen und die nimmt ebenfalls zu. Ich werde regelmäßig im Dienst verletzt, die blauen Flecken zähle ich schon gar nicht mehr.

Haben Sie als Frau einen besonders schweren Stand?

Kambouri: Auf der Straße sind meist mehr männliche Kollegen im Einsatz und die werden auch häufiger verletzt als Beamtinnen. Polizistinnen werden vor allem von muslimischen Migranten oft nicht respektiert. Mich nennen sie wegen meines südländischen Aussehens häufig eine Verräterin. Andere versuchen, mich auf ihre Seite zu ziehen, weil sie denken, ich sei eine von ihnen.

Wo liegen die tieferen Probleme?

Kambouri: Wir Deutschen sprechen die Probleme mit gescheiterter Integration nicht an. Zum Glück sind die meisten Migranten gut integriert, ansonsten hätten wir noch größere Schwierigkeiten. Die Nicht-Integrierten sind aber ein Problem und darüber spricht niemand in der Politik.

Was wünschen Sie sich also von der Politik?

Kambouri: Die Polizei sollte mit Kameras ausgestattet werden, denn nur so können wir die Realität zeigen und Tathergänge dokumentieren. Nur so erfährt die Öffentlichkeit die Wahrheit. Aber nicht nur die Polizei, auch die Justiz ist gefragt. Ich finde, das Strafmaß für den Widerstand gegen Polizisten muss erhöht werden. Als Opfer wird man zu oft im Stich gelassen. Die Täter bekommen entweder nur geringe Geldstrafen aufgebrummt oder kommen ganz unbeschadet davon.

Was kann dagegen getan werden?

Kambouri: Ich denke, die, die sich nicht integrieren wollen und bereits Intensivtäter sind, sind verloren. In diesen Fällen können wir nur noch mit juristischen Sanktionen oder härteren Gesetzen reagieren. Bei den Jüngeren müssen wir ansetzen, damit sie unsere Werte und Normen kennenlernen und sich erfolgreich integrieren wollen. Das dürfen wir nicht versäumen.

Können Sie sich vorstellen, den Job in 20 Jahren noch auszuüben?

Kambouri: Ich hoffe es, denn ich liebe meinen Beruf. Es wird aber immer schwerer, wir werden immer öfter attackiert. Dies ist nicht nur ein Problem der Polizei. Sanitäter und Erzieher, Personen in öffentlichen Rollen, haben die gleichen Probleme.

Wie reagieren ihre Kollegen auf ihren schriftlichen Notruf?

Kambouri: Aus ganz Deutschland bekomme ich Reaktionen von Kollegen und Bürgern. 95 Prozent freuen sich, dass ich die Wahrheit schreibe und auf die Probleme, mit denen wir alltäglich konfrontiert sind, aufmerksam mache.

Von Christiane Geier

Zur Person

Tania Kambouri (32) wurde 1983 als Kind einer griechischstämmigen Familie in Bochum geboren. Als Polizeikommissarin fährt sie heute dort auch Streife. Ihren Protest über die wachsende Zahl verbaler und körperlicher Übergriffe auf sie selbst und ihre Kollegen formulierte Tania Kambouri im Herbst 2013 in einem Leserbrief an die Gewerkschaftszeitung „Deutsche Polizei“. Im Oktober dieses Jahres veröffentlichte sie im Piper-Verlag das Buch „Deutschland im Blaulicht – Notruf einer Polizistin“, 14,99 Euro. (cge)

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.