Interview: Harald Schmidt über die Rückkehr von Dirty Harry

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Wieder in seinem Wohnzimmer: Harald Schmidt kehrt nach einem Ausflug in die ARD heute mit seiner Show zurück zum Privatsender Sat 1. In der Eröffnungsshow sind Hape Kerkeling und die Göttinger Musiker von Guano Apes zu Gast.

Deutschlands Chefzyniker geht wieder in seinem alten Revier auf Pointenjagd. Am Dienstag kehrt Harald Schmidt mit seiner Late-Night-Show von der ARD zu Sat 1 zurück.

In „Die Harald Schmidt Show“ lästert der 54-Jährige künftig zweimal pro Woche, dienstags und mittwochs, jeweils ab 23.15 Uhr, über Prominente, nimmt die Ereignisse der Woche satirisch aufs Korn, plaudert mit Studiogästen und gibt seinem altgedienten Bandleader Helmut Zerlett das Zeichen zum Einsatz.

Herr Schmidt, Sie kehren nach siebenjähriger Kreativpause bei der ARD zu Sat 1 zurück – was wird anders in der neuen Show?

Harald Schmidt: Nichts. Sie wissen doch, das deutsche Publikum will nichts anderes, das deutsche Volk überhaupt will nichts anderes. Wir wollen die D-Mark, Dr. Kohl und die Mauer mit Reisemöglichkeiten – und all das bietet meine Show bei Sat 1, oder anders ausgedrückt: Es wird sich nichts Wesentliches ändern.

Sie haben aber erst kürzlich in einem anderen Interview behauptet, dass in der neuen Sendung alles ein bisschen extremer wird.

Schmidt: Stimmt, aber das war so zwischen Tür und Angel schnell rausgehauen, um frech und jung zu klingen. Der deutsche Zuschauer will aber Verlässlichkeit, gerade in Zeiten des Schuldenschnittes und der Eurokrise. Wer bei uns abends reinschaut, wird sehen: Die Welt ist noch in Ordnung. Nicht unbedingt die Welt des Zuschauers, aber auf jeden Fall die Welt der Late Night in Sat 1.

Warum verlassen Sie die ARD dann überhaupt? Da konnten Sie eine ruhige Kugel schieben, bei Sat 1 müssen Sie im Jahr siebzig Mal und damit mehr als doppelt so oft ran.

Schmidt: Ich wollte eben wieder Late Night machen, und das geht ja nur bei Sat.1. Ich wurde von allen Seiten dazu gedrängt, wieder Late Night zu machen, um meinem Bildungsauftrag dem deutschen Volk gegenüber gerecht zu werden. Dem kann man sich natürlich nicht entziehen – ich möchte dem Land schließlich auch ein bisschen was zurückgeben.

Hat man sich nicht ausreichend um Sie gekümmert bei der ARD?

Schmidt: Doch. Aber die ARD hatte ja nicht mal zwei Sendeplätze am späten Abend pro Woche für mich zur Verfügung – und ich wollte die höhere Frequenz ja auch wieder haben. Damit war eine Zusammenarbeit schon rein technisch überhaupt kein Thema mehr.

Dann kam es zur Trennung im gegenseitigen Einvernehmen, wie es häufig so schön heißt?

Schmidt: Es war wie bei einer langjährigen Ehe. Man fragt den Partner: „Hast du gerade was gesagt?“, und der antwortet: „Nee, das war gestern.“ In solchen Momenten spürt man, dass es Zeit ist auseinanderzugehen.

Ihr alter Mitstreiter Oliver Pocher ist bei Sat 1 ja gescheitert und hat bei RTL angeheuert. Tut es Ihnen denn sehr leid, dass er nicht mehr da ist?

Schmidt: Nee, das ist für ihn ja auch ein Megadeal, was ich da so lese. Ich freue mich, dass wir ihn damals richtig eingeschätzt haben, dass er auf Jahrzehnte noch eines der großen Talente im deutschen Fernsehen sein wird. Er hat jetzt bei RTL offenbar ein für ihn maßgeschneidertes Format gefunden, und da wünsche ich ihm viel Erfolg.

Das Publikum bekommt aber nur die Kunstfigur Harald Schmidt zu sehen und nicht den Menschen hinter der Maske, oder?

Schmidt: Auf das Thema Kunstfigur hat mich der Schauspieler Gert Voss aufmerksam gemacht, der gesagt hat: Man hat für sich so eine Figur erfunden, die man überall hinschicken kann – und als diese Figur kommt man gut durch den Tag. Man darf die Leute nicht mit so was wie Authentizität belästigen – das will doch niemand haben.

Wie viele Menschen kennen denn den authentischen Harald Schmidt?

Schmidt: Keine Ahnung. Ich selber kenne ihn jedenfalls nicht.

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