Wo ist Flug MH370?

Interview mit Kasseler Pilot: "Ein Flugzeug verschwindet nicht"

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Suche nach dem verschollenen Flugzeug: Auch das indonesische Militär sucht aus der Luft nach der Maschine, hier über der Straße von Malakka. Die liegt zwar in der entgegengesetzten Richtung der eigentlichen Flugroute des verschwundenen Fliegers, es gibt jedoch Vermutungen, dass das Flugzeug umgedreht ist.

Kassel. Seit Samstag ist ein malaysischer Passagierjet mit 239 Menschen an Bord spurlos verschwunden. Was auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking geschah, ist weiterhin unklar. Wir sprachen mit dem Kasseler Piloten Michael Busch darüber.

Wie kann ein Flugzeug heutzutage einfach vom Radar verschwinden?

Michael Busch: Eigentlich geht das nicht. Zumindest dann nicht, wenn die Radarabsicherung dort genauso engmaschig ist wie in Europa. Natürlich gibt es auch hier Regionen, die nicht mit dem Radar abgedeckt werden können, zum Beispiel über dem Atlantik. Dort reicht die Verbindung nicht, dann gibt es aber andere Methoden, die Position zu bestimmen. Ein Flugzeug kann also eigentlich nicht einfach verschwinden, in der heutigen Zeit ist das recht merkwürdig.

Was ist dann passiert?

Busch: Das weiß ich natürlich nicht. Für mich gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder ist das Flugzeug von seiner Route abgewichen oder es ist explodiert. In beiden Fällen müsste man es aber finden. Denn wenn der Flieger in eine andere Richtung geflogen oder umgedreht ist, wird er irgendwo landen. Bei einer Explosion würde das Flugzeug in kleine Teile auseinanderfliegen, die man kaum sieht, aber trotzdem irgendwann findet. Das Meer soll dort auch nur 60 Meter tief sein. Zum Vergleich: Die Stelle, an der eine Air France vor fünf Jahren über dem Südatlantik abstürzte, war 4000 Meter tief.

Eine Möglichkeit zur Ortung des Flugzeugs gibt es nicht?

Busch: Jein. Ist der Pilot bei der vorgegebenen Route geblieben, hätte man einen Ort, an dem man suchen und auch was finden müsste. Das ist bisher noch nicht geschehen. Wenn es aber in eine andere Richtung geflogen und dann verunglückt ist, kann es überall sein.

Und die Blackbox?

Busch: Die sendet Funksignale, aber auch nicht über hunderte Kilometer hinweg. Und falls sie im Wasser liegt, ist die Reichweite noch geringer. Sie ist ja auch nur ein kleiner Apparat, vergleichbar mit einer großen Damenhandtasche. Man müsste innerhalb ihres Funkradius’ suchen, um die Signale empfangen zu können. Es wird interessant sein zu erfahren, warum die Maschine runtergefallen ist -– wann auch immer man die Blackbox findet.

Gibt es dazu Alternativen?

Busch: Nein. Denn nur durch die Blackbox kann man erfahren, was die Gründe für einen Absturz sind. Und es ist ja nicht so, dass es während des Fluges keinen Kontakt zu den Lotsen gibt: Ständig werden Signale an den Tower gesandt. Fällt bei mir zum Beispiel ein Triebwerk aus, wissen die das am Boden sofort, dann leuchtet bei denen ein Lämpchen auf. Über den Radar lässt sich verfolgen, wo sich das Flugzeug befindet. Ist die Abdeckung damit, wie eben angesprochen, nicht gegeben, gibt es andere Methoden: Die Piloten müssen dann in regelmäßigen Abständen ihre Höhe und Position durchgeben. In der Zeit dazwischen können die Fluglotsen anhand der Flugroute und durchgegebenen Daten die Position errechnen.

Kurze Zeit nach dem Verschwinden wurde eine Ölspur auf dem Meer entdeckt.

Busch: Ich kann mir nicht vorstellen, dass die von dem Flugzeug kommt. Wir fliegen mit Kerosin, das verflüchtigt sich schnell. Zurückbleiben würde ein kleiner Fleck, aber keine kilometerlange Ölspur. Das war zu viel.

Warum, glauben Sie, hat es keinen Notruf gegeben?

Busch: Diese Frage kann ich nicht beantworten, es ist aber mysteriös. Wenn es Probleme mit der Maschine gibt, hat man in der Regel Zeit für einen Funkspruch, damit am Boden die Rettungsmaschinerie in Bewegung gesetzt werden kann. Ich kann mir das nur so erklären, dass etwas Plötzliches passiert ist.

Michael Busch (52) ist Pilot und fliegt für Air Berlin. Zuvor war er 20 Jahre Kampfflieger bei der Bundeswehr. Der gebürtige Hannoveraner lebt mittlerweile in Kassel. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.

Von Constanze Wüstefeld

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