Auf der Pirsch (7)

Jagen gegen den Wind: So läuft ein Ansitz auf dem Hochsitz ab

Besonders wichtig ist der saubere Schuss: Dieser kann mit Auflage auf dem Hochsitzgeländer oder auch freihändig angetragen werden.
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Besonders wichtig ist der saubere Schuss: Dieser kann mit Auflage auf dem Hochsitzgeländer oder auch freihändig angetragen werden.

Über kaum eine Leidenschaft wird so intensiv diskutiert wie über die Jagd. In unserer Serie „Auf der Pirsch“ möchten wir über das Waidwerk aufklären. In dieser Folge nehmen wir Sie mit auf einen Ansitz.

Werra-Meißner-Kreis – Um Wild zu beobachten, es anzusprechen oder zu erlegen, gibt es verschiedene Methoden. Die heute wohl gebräuchlichste Jagdart auf Wild ist der Ansitz. An günstigen Stellen im Revier, an Waldrändern, in der Nähe von Wildwechseln und Suhlen, neben Maisfeldern und an sonstigen geeigneten Plätzen werden dafür Hochsitze von Jägern errichtet.

Denn vom Sitz aus wird der Mensch vom Wild kaum wahrgenommen, vorausgesetzt er verhält sich ruhig und der Wind steht günstig. Er kann vom Hochsitz aus ein weites Umfeld überblicken und das Wild gut beobachten, ohne es zu stören. Obendrein ist von einer hohen Ansitzeinrichtung aus eine sicherere Schussabgabe machbar, da die Kugel von oben, Richtung Erdboden fliegt (Kugelfang).

Ausrüstung

Bei einem Jäger, der gut ausgerüstet auf den Hochsitz gehen will, könnte manch Außenstehender denken, er will mehrere Wochen auf dem Hochsitz bleiben. Neben einem Gewehr, Munition, Fernglas, Gehörschutz und der passenden Bekleidung hat ein Waidmann oft einen prall gefüllten Jagdrucksack dabei: Taschenlampe, Säge, Seil, Jagdmesser, Verpflegung, Einweghandschuhe und Seifenblasen können darin zu finden sein. Und nicht selten springt auch noch ein Dackel aus dem Jäger-Gepäck. Aber warum Seifenblasen?

Hochsitze haben unter Jägern oft Namen. Auf dem Bild ist die Ansitzeinrichtung namens „Drehstuhlsitz“ zu sehen. Er steht im Werra-Meißner-Kreis.

Vorbereitungen

Grundsätzlich sollte der Waidmann etwa ein bis zwei Stunden vor Eintreffen der Wildtiere auf dem Hochsitz sein, um anwechselndes Wild nicht zu vertreten, das heißt es zu verscheuchen. Häufig führen sogenannte Pirschwege zu den Sitzen, damit sich der Jäger leise und in guter Deckung anpirschen und den Hochsitz unbemerkt erklimmen kann.

Auf dem Hinweg muss der Jäger allerdings auch die Windrichtung beachten. Er darf sich dem Gebiet, in dem er Wild vermutet, nur aus der Richtung nähern, in welcher der Wind von den Wildtieren zu ihm weht. Das Anpirschen aus einer unvorteilhaften Richtung würde die Tiere veranlassen fortzuziehen. Was könnte ein bewährtes Jäger-Hilfsmittel sein, um die Windrichtung festzustellen? Genau, Seifenblasen!

Hat der Waidmann all dies berücksichtigt, gilt es, vor allem Geduld und Durchhaltevermögen zu haben und stillschweigend abzuwarten, bis sich das Wild zeigt.

Der Mond, unter Jägern auch als Schweinesonne bekannt, ermöglicht als natürliche Lichtquelle die Jagd auch in der Nacht.

Vor dem Schuss

Hat der Jäger Glück und Wild zieht vor den Hochsitz, muss er es zunächst ansprechen. Das Ansprechen bezeichnet die exakte Betrachtung und Beurteilung von Wild vor dem Schuss. Hierfür muss das Geschlecht, Alter, Gesundheitszustand und eventuelle Verletzungen erkannt werden, da diese Kriterien die ausschlaggebende Begründung für oder gegen einen Abschuss bilden. Doch vor der Schussabgabe gibt es neben dem Ansprechen noch weitere Grundsätze, die beachtet werden müssen.

  • Durch den Schuss darf niemand gefährdet werden.
  • Es muss auf einen ausreichenden Kugelfang geachtet werden.
  • Das Tier muss möglichst schnell und ohne Qualen erlegt werden.
  • Der Jäger hat festzustellen, ob er das Wild, das er schießen will, auch tatsächlich erlegen darf, nach den Richtlinien des Abschussplans, der Schonzeit und Waidgerechtigkeit.
  • Die Waffe muss in einem fehlerfreien Zustand sein.
  • Die Flugbahn des Geschosses muss frei von Hindernissen sein, denn sie können zur Ablenkung der Kugel führen.
  • Optimal ist es, wenn das Stück Wild still steht. Wenn es sich allerdings bewegt, muss dies bei der Schussabgabe berücksichtigt werden.

Nach dem Schuss

Hat der Jäger ein Stück Wild erlegen können, muss er es gleich danach aufbrechen und versorgen. Das ist ein entscheidender Schritt für die Wildbrethygiene und damit für die Verwertung als Lebensmittel. Beim Aufbrechen wird die Körperhöhle des Wildes geöffnet und die Eingeweide herausgenommen. Danach sollte das aufgebrochene Stück mit Trinkwasser gereinigt und dann in die Kühlkammer gehängt werden.

Wichtig ist, dass der fachkundige Jäger sein erlegtes Stück beim Aufbrechen nach Abweichungen zum Normalzustand untersucht. Hierfür müssen die Organe und der restliche Tierkörper genau inspiziert werden. Dies ist der letzte Teil unserer Jagdserie „Auf der Pirsch“.

Hintergrund: Was kostet eigentlich die Jagd?

Eine Mitgliederbefragung des Deutschen Jagdverbands von 2016 zeigt, dass die Jagd ein Wirtschaftsfaktor ist: Rund 1 570 Euro bezahlt ein Jäger im Schnitt pro Jahr für seine Jagdpacht. Etwa 910 Euro pro Jahr geben Waidmänner für geländegängige Autos aus, 520 Euro für Hochsitze, 390 Euro für Handwerkszeug, 280 Euro für Jagdbekleidung sowie 270 Euro für Wildschaden.

Sonstige Ausgaben, wie etwa für eine Kühlkammer und Tierarztkosten für den Hund, liegen etwa bei 180 Euro pro Jahr. Hinzu kommen jährlich rund 220 Euro für Biotoppflege oder Artenschutzmaßnahmen im Revier. Im Schnitt kommt jeder Jäger insgesamt auf Ausgaben von 4 340 Euro pro Jahr. Mit Investitionen von insgesamt 1,7 Milliarden Euro jährlich kurbeln die fast 400 000 Jägerinnen und Jäger die deutsche Wirtschaft also ordentlich an. Allein für den Naturschutz geben sie 88 Millionen Euro pro Jahr aus.
(Quelle: Mitgliederbefragung DJV von 2016)

Unsere Jagdserie „Auf der Pirsch“:

In der ersten Folge unserer Serie „Auf der Pirsch“ nennen wir Gründe, weshalb das Waidwerk auch heute noch notwendig ist.

In der zweiten Folge klären wir die meist gestellten Fragen von Nichtjägern zur Jagd.

Die dritte Folge unserer Serie „Auf der Pirsch“ erläutert den Weg bis zum Jagdschein. Was muss ein Jäger für das „Grüne Abitur“ überhaupt alles wissen?

Die vierte Folge dreht sich um die vier Jahreszeiten in der Natur. Was in einem Jagdjahr bei Wild und Jäger passiert.

Die fünfte Folge ist eine Zeitreise durch das Waidwerk: Die Entwicklung der Jagd im Laufe der Jahrhunderte

In der sechsten Folge geht es um Sitten, Bräuche bei der Jagd und Jagdhunde.

Unsere Autorin:

Carolin Eberth (21) wurde 2000 in Hamburg geboren und lebt seit 12 Jahren im Werra-Meißner-Kreis. Mit 16 Jahren machte sie ihren Jagdschein und geht seither bei ihrem Vater im Revier mit zur Jagd. Seit 2020 macht sie bei der HNA ein Volontariat. 

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