Auf der Pirsch (5)

Eine Zeitreise durch das Waidwerk: Die Entwicklung der Jagd im Laufe der Jahrhunderte

Auf der Jagd mit seinem Hund: der Kasseler Hoffotograf Karl Eberth kurz vor dem Zweiten Weltkrieg im Knüllwald. Archivfotos: eberth
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Auf der Jagd mit seinem Hund: der Kasseler Hoffotograf Karl Eberth kurz vor dem Zweiten Weltkrieg im Knüllwald.

Über kaum eine Leidenschaft wird so intensiv diskutiert wie über die Jagd. In unserer Serie „Auf der Pirsch“ möchten wir über das Waidwerk aufklären. Fakt ist: Es geht um mehr als Schießen.

Werra-Meißner-Kreis – Von der Notwendigkeit zur Nahrungsbeschaffung in der Steinzeit bis zur heutigen Regulierung der Wildbestände war es ein weiter Weg durch die Geschichte der Jagd. Jagdmethoden kamen und gingen, beeinflusst vor allem von der Weiterentwicklung der Waffen.

So wurde das Wild in der Frühzeit in den Abgrund getrieben und mit Steinen erschlagen, zur Blütezeit des Rittertums galt die „Beizjagd“ mit Greifvögeln als höchste Kunst und heute wird zielgenau mit Gewehren geschossen. Dem Wandel der Zeiten unterworfen waren auch die rechtlichen Grundlagen des Waidwerks.

Redewendungen aus der Entwicklung der Jagd im Laufe der Jahrhunderte:

Die Ursprünge der Jägersprache reichen bis ins siebte Jahrhundert. Seither haben sich einige jagdliche Redewendungen in die Umgangssprache etabliert:

  • „Von etwas Wind bekommen“: Die meisten Wildtiere haben eine sehr feine Nase. Daher pirscht sich der Jäger immer gegen den Wind an. Macht er das nicht, oder der Wind dreht, bekommen die Tiere Wind – und flüchten.
  •  „Etwas abblasen“: Lange Zeit verständigten sich Jäger über Jagdhörner und bestimmte Tonfolgen. Dadurch wussten sie genau, wann die Jagd zum Beispiel beendet, ergo abgeblasen ist.
  •  „Sich vor etwas drücken“: Wenn das Wild eine geeignete Erdmulde gefunden hat, dann duckt es sich vor den Augen seiner Feinde. 
  •  „Zur Strecke bringen“: Von dem Jagdbrauch, die erlegten Tiere zu einer sogenannten Strecke zu legen.
  •  „Durch die Lappen gehen“: Bei der Lappjagd hingen die Jäger früher Stofflappen im Wald auf, um die flüchtenden Tiere in bestimmte Richtungen zu lenken und am Ausbrechen zu hindern. Ist dennoch Wild entkommen, ging es den Jägern wortwörtlich durch die Lappen. 

Jagd zum reinen Adelsprivileg – das Ende der freien Jagd

In germanischer Zeit war die Jagd das Recht jedes freien Mannes. Doch als sich im siebten Jahrhundert das mittelalterliche Herrscherprinzip entwickelte, wandelten sich auch die Jagdrechte. Infolgedessen wurde die Jagd zum reinen Adelsprivileg – das Ende der freien Jagd.

Aus dieser Zeit stammt auch die Aufteilung der Wildarten in Hochwild und Niederwild. Hochwild, wie Hirsch, Auerwild und Wildschwein für den Hochadel und das Niederwild, wie Reh Hase, Raubwild und Fasan, für den niederen Adel.

Landwirten war es bei Todesstrafe verboten, in die Jagdrechte des Adels einzugreifen, auch wenn Rotwild und Wildschweine ihre Felder verwüsteten. Das einfache Volk hungerte, während der Adel Jagdschlösser errichten ließ, die oft prächtiger als die eigentlichen Herrschaftssitze waren. Diese höfische Jagdkultur, bei der die Jagd als Zeitvertreib und Vergnügen diente, erreichte im 17. und 18. Jahrhundert ihren Höhepunkt.

Jagdfreiheit für alle hatte zur Folge, dass die Wildbestände stark dezimiert wurden

In der bürgerlichen Revolution von 1848 änderte sich das Jagdrecht zugunsten aller Bürger: Jedermann, der eigenen Grund und Boden besaß, konnte darauf das Jagdrecht ausüben. Diese Jagdfreiheit hatte allerdings zur Folge, dass die Tierbestände von den Grundbesitzern stark dezimiert wurden. Lediglich in weniger bequem zu begehenden Landstrichen hatte das Wild noch Rückzugsmöglichkeiten – und auf den Eigenjagden der Großgrundbesitzer. An Versuchen, neue, sinnvolle Jagdgesetze zu schaffen, unternommen von einsichtigen Jägern, hat es nicht gefehlt.

Einen kapitalen Keiler schoss Karl Eberth vor dem Zweiten Weltkrieg im Werra-Meißner-Kreis. Er wurde zum Aufbrechen an einen Baum gehangen.

Reichsjagdgesetz organisierte ab 1934 die Jagd neu

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde ab 1934 die Jagd neu organisiert. Festgelegte Schon- und Jagdzeiten und eine schwerere Jagdscheinprüfung wurden Pflicht. Mindestgrößen von Revieren wurden festgelegt, sodass die Grundeigentümer, und damit die Jagdberechtigten, gezwungen waren, ihr Land in eine Jagdgenossenschaft einzubringen. Einer begrenzten Zahl an Jägern wurde gegen Entgelt dann das Jagdausübungsrecht übertragen. Seltene Arten hatten keine Jagdzeit mehr, und der Begriff der Waidgerechtigkeit wurde eingeführt, ein ungeschriebener Kodex des Verhaltens bei der Jagdausübung. Der Hegegedanke, für die Natur Verantwortung zu übernehmen, sollte von der Jägerschaft berücksichtigt werden.

Nach dem Krieg wurde die Jagd verboten und alle Waffen eingezogen

Nach dem Zweiten Weltkrieg ließen die Siegermächte sämtliche Schusswaffen einziehen und untersagten allen Deutschen die Jagd. Nur den Besatzungssoldaten war das Jagen in der Nachkriegszeit gestattet, bis nach und nach Jagdgesetze errichtet wurden und die Inhalte des Reichsjagdgesetzes im Wesentlichen übernommen wurden. So wurde das Jagdrecht wieder an das Eigentum von Grund und Boden gebunden, zumindest in der Bundesrepublik.

In der DDR wurde diese Verbindung entkoppelt und ein Volksjagdrecht eingeführt. Gejagt wurde von volkseigenen Forstbetrieben. Allerdings konnten Jäger gegen einen Beitrag in eine Jagdgesellschaft eintreten und jagen. Wenn sie Wild erlegt hatten, durften sie es jedoch nicht behalten. Nach Herstellung der Einheit Deutschlands wurde in der ehemaligen DDR die Jagd umstrukturiert und das Jagdrecht wieder mit dem Eigentum an Grund und Boden zusammengeführt.

Deutscher Jagdverband fördert Erhaltung einer artenreichen und gesunden freilebenden Tierwelt

Ähnlich wie die öffentliche Verwaltung ist die Jagd heute auf den Ebenen Bund, Land und Kommune aufgebaut. Der Deutsche Jagdverband (DJV) wirkt als Dachverband. Aber auch die Europäische Union beeinflusst immer stärker die Jagdpolitik. Aus diesem Grund haben sich die nationalen Jagdverbände der EU in einem internationalen Verband (FACE) zusammengeschlossen. Für rund sieben Millionen Jäger in Europa vertreten sie die jagdlichen Interessen. (Carolin Eberth)

Unsere Jagdserie „Auf der Pirsch“:

In der ersten Folge unserer Serie „Auf der Pirsch“ nennen wir Gründe, weshalb das Waidwerk auch heute noch notwendig ist.

In der zweiten Folge klären wir die meist gestellten Fragen von Nichtjägern zur Jagd.

Die dritte Folge unserer Serie „Auf der Pirsch“ erläutert den Weg bis zum Jagdschein. Was muss ein Jäger für das „Grüne Abitur“ überhaupt alles wissen?

Die vierte Folge dreht sich um die vier Jahreszeiten in der Natur. Was in einem Jagdjahr bei Wild und Jäger passiert.

In der sechsten Folge geht es um Sitten, Bräuche bei der Jagd und Jagdhunde.

In der siebten Folge nehmen wir Sie mit auf einen Ansitz auf dem Hochsitz.

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